Berühren … und berührt werden.

31. Januar 2020

Bildquelle: Pixabay

Der Mensch ist ein sehr tastsensibles Wesen. Er besitzt etwa 700 – 900 Millionen tastsensible Rezeptoren, die schon im Mutterleib ausgebildet werden. Als erster von allen Sinnen wird der Tastsinn entwickelt – vor allen anderen. Berührungen gehören also zu den elementarsten und wichtigsten Erfahrungen, die wir von Anfang an in unserem Leben machen. Viel zu selbstverständlich werden diese Gesten oft im Alltag. 

Berührungen sind wie …

Dabei kann eine Berührung so viel sagen, sie ist nonverbale Kommunikation in höchster Form und gibt so viel Auskunft über die Beziehung zu dem Menschen, mit dem die Berührung stattfindet – auch wenn dieser Mensch ich selbst bin.

Wie berühre ich mich? Wie berühre ich andere? Ist es ein zufälliges Streifen, ein aufmunternder Schulterklopfer, eine tröstende Umarmung, ein zärtliches Rückenkraulen, ein einfühlsamer Wangenschmeichler, ein vorsichtiges Anstupsen, ein beruhigendes Streicheln, ein fürsorgliches Eincremen? 

In einer Berührung kann unendlich viel zum Ausdruck gebracht werden, was mit Worten schwerer erklärt ist. Berührungen können unsere Worte verstärken und die Bedeutung noch klarer machen. Es sind die Feinheiten in dieser äußeren Berührung, die oft ein inneres Berührtsein auslösen.

Berührungen können auch unangenehm werden, wenn sie persönliche Grenzen überschreiten. Ein unsanft nachgezerrtes Kind, ein drängender Schubser an der Kassa, eine unerwünschte Hand auf meinem Hintern, ein zwickendes Kind oder ein Mensch, der dir einfach zu nahe kommt bei einem Zwiegespräch.
Ganz zu schweigen von gewalttätigen, körperlichen Übergriffen jeglicher Art.
All das sind für mindestens eine Seite unangenehmste Erfahrungen, die Beziehungen empfindlich prägen oder beeinträchtigen können – und im schlimmsten Fall zerstören.

Wir brauchen nicht nur Sensoren für uns selbst und das, was uns gefällt, sondern – und besonders – auch für diejenigen, denen die Berührung zukommt. Wenn Signale der Zurückweisung kommen, ist das in jedem Fall zu respektieren – auch wenn es sich dabei um die Oma oder dich als Mutter handelt. Körperliche Berührung bitte nur, wenn sie von beiden Seiten gewünscht ist! So lernen Kinder körperliche Integrität!

… eine Hormonwelle für den Körper

Bei fürsorglichem Körperkontakt – egal ob Stillen, Tragen, Halten, Kraulen oder was auch immer – schüttet der Körper Oxytocin aus – das sogenannte Bindungshormon. Es wirkt entstressend und beruhigend, es fördert die Schmerzreduktion, vermittelt Geborgenheit, Schutz und Wohlbefinden, Sicherheit und Bindungssicherheit. So fördert es eine gesunde psychische Entwicklung und Stabilität – und nicht nur das – durch die Verbesserung der Insulinfreisetzung verbessert sich die Nahrungsverwertung und dadurch entwickeln wir uns auch körperlich besser. 
Was hier so schön fachlich formuliert ist, spüren wir, wenn wir im Alltag unseren Kindern und Partnern begegnen.
Ein Kind lässt sich nach einer Aufregung beruhigen, wenn es getragen und gestreichelt wird. Bei körperlicher Nähe fühlen wir uns verbunden mit unserem Partner, wir erleben uns stärker als Einheit, finden Geborgenheit, werden gelassener.

Bedeutung im Alltag

Berührungen sind also ein bedeutender Teil von stabilen, geborgenen Beziehungen. Nicht nur auf der Eltern-Kind Ebene, sondern auch bei Paaren. 
Manchmal ist ein Kreislauf: wenn wir uns körperlich nahe sind, fühlen wir uns verbunden, wir schauen positiv aufeinander und schenken uns dadurch gern noch mehr Nähe und Zärtlichkeit, was die positiven Effekte wiederum stärkt.
Wenn wir wenig körperliche Zuwendung bekommen oder geben können, steigt die Anspannung, wir sind gestresst und fühlen uns nicht so stark zugehörig, was unser Gefühl der Sicherheit beeinflusst, dann gelingt es uns schwerer, uns für andere zu öffnen und so wird die Zuwendung noch weniger.

Besonders Eltern, die kleine Kinder haben, sind oft so “übersättigt” von körperlicher Nähe, dass für den Partner oder die Partnerin nichts “übrig bleibt”. Das drückt auch auf die emotionale Qualität in Paarbeziehungen und erschwert eine ohnehin anspruchsvolle Phase in der Elternschaft zusätzlich, wenn hier kaum mehr Zärtlichkeiten ausgetauscht werden können.

Wahrnehmung schärfen & schulen

Allermeistens passieren diese Handlungen unbewusst. Es mag auch immer wieder Phasen geben, wo wir mehr Berührung und Zärtlichkeit geben und empfangen können und dann Zeiten, wo es weniger gelingt. So weit, so normal.

Es ist jedoch eine feine (und achtsame) Erfahrung, sich mal einen Tag lang ganz bewusst darauf zu konzentrieren, womit wir so in Berührung kommen, welche Berührungen wir geben und welche wir empfangen und wie sich die jeweiligen Kontakte anspüren. 

Manche werden angenehm sein.
Manche vielleicht neutral.
Manche werden zu intensiv sein.
Manche zu oberflächlich.
Manche werden wir nur in der Peripherie wahrnehmen.
Und andere werden unser Innerstes mit-berühren.


Genieße doch mal die Vielfalt, die es hier zu entdecken gibt und spüre mal einen Tag lang, was Berührungen mit dir machen. 
Wie du dich selbst berührst. Und wie du andere berührst. 
Wie du reagierst. Und wie Andere auf Berührung reagieren.

Das kann übrigens auch ein wunderbar beruhigendes Einschlaf Ritual für Kinder sein: am Abend gemeinsam überlegen, was die Hände (die Haut) heute so alles erlebt haben, wen sie berührt haben, was sie gespürt haben. Das bringt Kinder zu sich selbst und beruhigt, es lässt sie die Erlebnisse des Tages verarbeiten und schult die Wahrnehmungsfähigkeit


Und um jeden Tag positiv abzuschließen: 
Was war das Schönste, was du mit deinen Händen heut erlebt hast?

Gerne auch hier und jetzt in die Kommentare ;-)…. los geht’s!

Kerstin Bamminger

Hallo, ich bin Kerstin Bamminger und ich unterstütze Menschen dabei, lebendige Beziehungen zu gestalten. Tiefgründig, bedeutungsvoll und auf Augenhöhe. Hol dir hier am Blog gern Tipps und Tricks, wie das gelingen kann und lass mir gern einen Kommentar da, wenn dir etwas gefallen hat! Viel Freude beim Lesen!

31. Januar 2020

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