Augenrollend verfolgte ich Anfang April die Bilder vom Start des Space Shuttles im Artemis-II-Programm. Die Amis, dachte ich, müssen wieder so einen Zirkus rund um ihre Raumfahrt machen. Doch mein Algorithmus wusste – ausnahmsweise – besser als ich, was mir guttut. Knapp zwei Wochen später blicke ich mit völlig anderen Augen auf diese Mission. Sie hat einiges zu bieten an Learnings – für die Menschheit und für jede einzelne Person auf diesem Planeten.
Ich war noch nie ein besonderer Fan der Weltraumforschung. Daran konnte nicht einmal unser Besuch im Kennedy Space Center in Florida vor zwei Jahren etwas ändern. So interessant und imposant es auch war, das Herzstück der NASA und den Stolz so vieler Amerikaner von innen kennenzulernen (inklusive Spaceship-Erfahrung) – ein Eindruck blieb bei mir besonders hängen: Die Amerikaner müssen alles bis zum Äußersten hypen, was sie erschaffen. Das nimmt mir ehrlicherweise oft den Reiz.
So war ich auch eher angeödet, skeptisch und desinteressiert, als die Mission kürzlich abhob. Was soll da schon herauskommen? Warum fliegen sie „nur“ um den Mond herum? Trauen sie sich nicht zu landen? Muss wirklich so viel Geld – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Luft gejagt werden? Und wie sehr werden sie sich diesmal wieder gegenseitig für ihre Großartigkeit feiern?
Überzeugt davon, dass mir das alles schon zum Hals heraushängt, bevor es überhaupt richtig begonnen hat, nahm diese Mission für mich eine unerwartete Wendung.

In our MOON era.
Es begann vermutlich damit, dass ich ein Posting sah, in dem sich die NASA praktisch als Swiftie outete. Als großer Fan von Taylor Swift – und jemand, der so ziemlich alles bemerkenswert findet, was mit ihr zu tun hat – hat mich das sofort erwischt.
Die NASA repostete nicht nur einen Tweet von Travis Kelce (Swifts Verlobtem) mit der Zeile „It’s been a long time coming“ aus dem Song Miss Americana & The Heartbreak Prince. Sie schrieb auch in ihre Instagram-Bio: „In our moon era.“ Eine klare Anspielung auf Swifts „Eras“ – insbesondere ihre Welttour The Eras Tour.
Das war eine Einladung. Ich habe sie angenommen, bin dem Account auf Instagram gefolgt, und bis heute berührt davon, welche erstaunlichen Momente ich dadurch erleben durfte.
Lektionen von der Artemis-II-Mission
MUT SCHLÄGT KOMFORT
Trotz einiger – nicht vollständig ausgeräumter – Sicherheitsbedenken (vor allem rund um den Hitzeschild der Kapsel beim Wiedereintritt, dem gefährlichsten Moment der Mission) starteten vier Menschen am 3. April 2026 Richtung Mond: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen.
Das größte Abenteuer ihres Lebens verlangte nicht nur außergewöhnliche Leistung, jahrelange Vorbereitung und immense Hingabe. Vor allem erforderte es unvorstellbaren Mut – von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Mein Learning:
Es gibt keine Garantie für das Gelingen großer Projekte – auch nicht für lebenslange Beziehungen oder Partnerschaften. Doch wer mutig ist, wird mit außergewöhnlichen Erfahrungen, neuen Perspektiven und tiefen Emotionen belohnt. Selbst im Scheitern liegt ein Wert. Und umso schöner ist es, wenn es gelingt.
PERSPEKTIVE ZURECHTGERÜCKT
Wenn man die Erde aus über 200.000 Meilen Entfernung betrachtet – so wie die Crew der Artemis II – eröffnet sich eine völlig neue Sichtweise. Die Reise zum Mond lässt unseren Planeten winzig erscheinen. Und gleichzeitig unpackbar bedeutungsvoll.
Den „Erdaufgang“ hinter dem gewaltigen Mond zu erleben, war ein spektakulärer Moment. Die beeindruckenden Aufnahmen aus dem All lassen zumindest erahnen, was die Crew gefühlt haben muss.
Mein Learning:
Es ist immer wieder gut, die eigene Perspektive bewusst zu verändern. Abstand zu gewinnen, um klarer zu sehen, was in der Nähe verborgen bleibt. Und vielleicht auch, um sich daran zu erinnern: dass wir selbst nicht so wichtig sind, dass wir dankbar sein dürfen – und dass ein Perspektivwechsel manchmal alles verändert.

PLANET EARTH, YOU ARE A CREW.
Als erste Frau auf einer Mondmission schrieb Christina Koch Geschichte. Sie wird oft gefragt, was es bedeutet, Teil einer solchen Crew zu sein – auf engstem Raum, im All. Unter professioneller, körperlicher und mentaler Höchstleistung und enormem Druck. Dazu unter mikroskopisch genauer Beobachtung von der NASA in Houston.
Ihre Antwort: Man ist ständig zusammen, arbeitet auf ein gemeinsames Ziel hin, bringt diverse Opfer, bleibt dankbar und verlässt sich bedingungslos aufeinander. Man teilt Sorgen, Ängste und Verantwortung.
Beim Blick auf die „tiny earth“ wurde ihr klar: Wir Menschen auf diesem Planeten sind nichts anderes als die Besatzung eines Raumschiffs.
Mein Learning:
Wir sollten uns viel öfter daran erinnern, dass die Erde unser gemeinsames Zuhause ist. Dass sie uns verbindet. Und dass wir gemeinsam Verantwortung tragen.
Oder, wie Christina Koch es formulierte:
Wir sind „unausweichlich, verantwortungsvoll, pflichtbewusst und auf schönste Art und Weise miteinander verbunden“ – und sollten das niemals vergessen.

EIN NEUES NARRATIV FÜR MÄNNLICHKEIT
Astronauten gelten für viele als Inbegriff von Männlichkeit: Hart arbeitende, überaus kluge und mutige Männer, die das Risiko nehmen, sich ins All schießen zu lassen.
Doch diese Crew hat gezeigt, dass noch viel mehr dazugehört. Männer, die sich umarmen. Die gemeinsam weinen. Die sich emotional unterstützen – ohne Angst, sich dafür schämen zu müssen.
So viel Herz und Humor zu sehen, war ein Geschenk.
Mein Learning:
Die positiven Vorbilder für Männlichkeit sind da. Sie sind sichtbar, greifbar und so authentisch, dass sie berühren. Ihre Haltung, ihre Feinfühligkeit und ihre eloquente Ausdrucksfähigkeit können viele junge Menschen inspirieren.
MENSCHLICHKEIT & LIEBE – RUND UM DEN MOND UND ZURÜCK
Die Crew fühlte sich wie eine Familie an. Enge Zusammenarbeit, ständige Abstimmung – getragen von Dankbarkeit, Freude und echter Verbundenheit.
Und dann dieser Gedanke:
„Zuerst ist es das größte Abenteuer der Welt, dort hinaufzufliegen. Und wenn du dann so weit weg bist, wünschst du dir nichts sehnlicher, als wieder nach Hause zu kommen auf die Erde.“
Besonders die rund vierzig Minuten „hinter dem Mond“, in denen jegliche Kommunikation plangemäß abbrach, empfand die Crew als intensiv.
„Es ist eine erstaunliche Sache, ein Mensch zu sein. Und eine noch erstaunlichere, auf diesem Planeten zu leben.“ meinte der Kommandant Wiseman unter Tränen nach der außerordentlichsten Erfahrung seines Lebens.
Mein Learning:
Selbst bei den technischsten, präzisesten Unternehmungen steht am Ende etwas zutiefst Humanes im Mittelpunkt: die zwischenmenschliche Erfahrung.
Sie zeigt uns die Essenz unseres Seins – und erfüllt mich mit Staunen und Dankbarkeit.
Der nach der griechischen Mondgöttin benannte Flug hat mich überrascht. Und berührt. Er hat mir ein positiveres, vereinteres und liebevolleres Bild von uns Menschen gezeigt als vieles andere in den letzten Monaten.
Das hat mir gutgetan. Dieser Moment war Balsam für meine Seele. Eine kollektive Erfahrung, die verbindet.
„Wir sind ein Spiegel für euch. Seht euch selbst in uns“, sagte Jeremy Hansen, der als erster Kanadier zum Mond geflogen war.
So können wir auch sein: engagiert, klug, bodenständig – und verbunden durch eine gemeinsame Sache. Überall, wo wir hingehen. Sogar bis zum Mond, rundherum und wieder zurück.
Denn:
„If we can’t take love to the stars – then what are we doing?“
Wenn du dich vom Charisma der vier Mondreisenden inspirieren lassen möchtest, empfehle ich dir die ersten 15 Minuten dieses Videos. Viel Freude damit.






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