„Was du da anbietest, ist doch schöner Wohnen!“ Wegen diesem Satz hab ich mich schon grün und blau geärgert. Wie ich erkannt habe, dass er doch wahr ist, warum niemand einen Beziehungskompass braucht und wieso mein Mann diesmal (ausnahmsweise) recht hat.
„Das ist doch alles schöner Wohnen!“ Ich bekomme Schnappatmung, wenn mir mein Mann zu verstehen gibt, dass meine Dienstleistung niemand braucht. Vor lauter Empörung und Kränkung streite ich vehement ab, beginne zu argumentieren und rechtfertigen und erkläre ihm ausführlich, warum er unrecht hat. Bis vor kurzem. Jetzt gebe ich es zu: ich habe mich geirrt und mein Mann hat recht. Meine Angebote für Paare, um wieder mehr Lebendigkeit, Klarheit und Lebensfreude zu generieren, sind wirklich „schöner Wohnen“.
ZWISCHEN BRUCHBUDE UND TRAUMVILLA
Ich identifiziere mich zu hundert Prozent mit meinem Business und nehme es daher tendenziell sehr persönlich, wenn jemand dazu abwertende Worte findet. Auch wenn es nicht so gemeint ist. Was bei mir angekommen ist: das ist überflüssig, irrelevant und auch wenn es „nice to have“ ist: keiner braucht so was wirklich. Das ist gemeint, wenn wir „schöner Wohnen“ sagen. Und jedesmal, wenn ich den Spruch hörte, wurde mir ein wenig schwer um‘s Herz.
Neulich beim Wandern ist mir der Satz wieder untergekommen. Jetzt kann ich sagen: mein Mann hat recht. Wie immer, natürlich.
Wohnen – und vor allem SCHÖN wohnen – ist ein Privileg, das für viele Menschen nicht vorhanden ist. Manche von uns „hausen“ eher, die Ärmsten unter uns sind gar wohnungslos. Andere Heime sind spartanisch eingerichtet, reichen aber zum Überleben. Und dann gibt es noch Luxusvillen, die jeden erdenklichen Wunsch erfüllen. Dazwischen gibt es alles, was du dir noch so vorstellen kannst, wie es möglich ist, zu wohnen.
Schöner Wohnen? Klar, kann man. Muss man aber nicht. Zwischen maroder Bruchbude und luxuriöser Traumvilla ist viel möglich.
VEGETIEREN IST NICHT LEBEN
Da hab ich erkannt: mein Mann hat recht. Das eigene Zuhause als Wohlfühlort, Oase der Erholung und sicheren Hafen zu empfinden, ist etwas, das nicht jeder hat, und auch nicht jeder im gleichen Ausmaß braucht. So wie glückliche Beziehungen.
Wir blicken zwar staunend auf schöne Häuser, die prächtigen Vorgärten oder schicke Lofts mit ihrer atemberaubenden Aussicht, doch das ist längst nicht die Realität der meisten Menschen.
Wie in gelungenen Beziehungen. Da bestaunen wir die süßen, älteren, händchenhaltenden Paare, die umringt von der lieben Familie zufrieden mit ihrem Leben sind und sich noch verliebt ein Busserl auf die Wange geben. Weil sie es geschafft haben, allen Herausforderungen zum Trotz zusammen zu bleiben.
Viel zu viele Paare erleben so eine Idylle nie oder kapitulieren beim Versuch, dorthin zu gelangen. Sie leben nicht mehr richtig, sondern vegetieren eher dahin.
„Ja, wenn ich das Geld hätte, dann würd ich mir auch eine Villa kaufen!“, sagst du? Es stimmt: es braucht oft eine Investition (und gewisse Voraussetzungen), damit man sich eine Villa leisten kann. Der Unterschied ist: eine glückliche Beziehung gibt’s nicht zu kaufen. Doch diese drei Dinge haben Wohnungen mit Beziehungen gemeinsam.
BEDÜRFNISSEN GERECHT WERDEN
Nicht jeder Mensch muss in einer Hollywood Villa wohnen, um ein gutes Leben zu haben. Auch eine Berghütte in den Alpen ist nur für bestimmte Menschen gemacht. Nicht der Wert der Immobilie bestimmt die Zufriedenheit und das Glück der darin lebenden Menschen, sondern die Tatsache, wie gut die Wohnung zu den Bedürfnissen der Bewohnerinnen passt. Wenn ich Ruhe und Natur brauche, um mich wohlfühlen, werde ich in einem schicken Penthouse in New York unglücklich werden. Wenn ich das pulsierende Leben, kulturelle Angebote oder ausgefallene Restaurants liebe, werde ich auf der einsamen Berghütte vor Langeweile sterben. Wenn ich vier kleine Kinder hab und eine Großfamilie, die mich regelmäßig besuchen kommt, wird die Stadtwohnung ohne Balkon vermutlich eng werden. Und als alleinlebende Frau bin ich in einem Anwesen mit acht Schlafzimmern und zwölf Bädern, eigenem Heimkino und Tennisplatz möglicherweise etwas verloren.
Beziehungen sind so verschieden wie die Wohnungen der Menschen. Niemand kann und darf beurteilen, was für mich passend ist. Die einzige Person, die bestimmt, ob meine Beziehung für mich okay ist, bin ich selbst. Und es ist auch die Realität, dass wir in schlechten Beziehungen ausharren und bleiben, obwohl es so viel Potenzial zum Verbessern, Aufhübschen, „Schöner Wohnen“ gäbe.
BRAUCHEN PFLEGE & REPARATUR
Bei uns hängt nach fünfzehn Jahren im Haus an manchen Fassungen noch die Glühbirne. Dafür haben wir schon die dritte Waschmaschine und der Boden im Wohnzimmer wurde schon einmal geschliffen. Wir haben mehrmals diverse Räume ausgemalt, mit Spachtelmasse Löcher, die wir zuvor in die Wand geschlagen hatten wieder zugekittet und Möbel auf den Sperrmüll gebracht, weil sie kaputt oder nicht mehr dienlich waren. Vom Putzen und Aufräumen will ich erst gar nicht anfangen.
So wie unsere Wohnungen Pflege und Reparatur brauchen, tun das auch unsere Beziehungen. Ich kann in das herrlichste Haus einziehen, das alle Stückerl spielt: wenn ich nicht gut drauf schaue, manche Dinge warte, sauber halte und bei Bedarf erneuere, wird auch das nobelste Zuhause über die Jahre eine Bruchbude.
Reparieren in Form von entschuldigen, vergeben, verzeihen ist auch in zwischenmenschlichen Beziehungen notwendig. Pflege im Sinn von exklusiver gemeinsamer Zeit, Hilfsbereitschaft, gegenseitiger Wertschätzung und einer passablen Kommunikations- und Konfliktkultur sorgen zum Beispiel für ein gutes Beziehungsklima.
Die Realität ist auch: Menschen bleiben in toxischen Beziehungen, erdulden Unterdrückungen und Unterwerfung, sind nachtragend oder verletzend – und auch das geht irgendwie.
So wie Menschen in dreckigen Häusern wohnen, Müll in den Räumen ansammeln und dort vergammeln lassen oder kaputt gewordene Gegenstände einfach nicht reparieren.
GLÜHBIRNENFASSUNGEN GIBT ES ÜBERALL
In unserem Fall ist es wohl Bequemlichkeit, Unachtsamkeit oder ganz einfach eine Abnützungserscheinung, wenn ich daran denke, was am Haus gemacht, repariert oder verbessert werden kann – aber nicht geschieht. Im Großen und Ganzen fühlen wir uns hier sehr wohl, auch wenn ein Interieur Profi sicher reichlich Verbesserungsmöglichkeiten sieht. Wir schauen darauf, dass Dinge, die uns wichtig sind, in Schuss gehalten werden, das wir regelmäßig ausmisten oder den vier Wänden mal einen neuen Anstrich verpassen. Wenn der Wasserhahn tropft, rufe ich den Installateur. Wenn die Hecke des Nachbarn zu hoch wird, kommt die Gärtnerin. Und einmal im Jahr sorgt der Rauchfangkehrer dafür, dass der Kachelofen wieder zieht.
Ich weiß, dass ich nicht alles selbst können und schaffen muss – es gibt Menschen, die haben davon mehr Ahnung als ich. Für mich ist das eine Erleichterung.
Obwohl so ewig hängende Fassungen hier schon Beziehungskonflikte ausgelöst haben, sind es auf partnerschaftlicher Ebene andere Dinge, die ich im Auge behalten will als die leidigen Glühbirnen.
Zum Beispiel: nicht zu bequem werden und alles selbstverständlich erachten, sondern Wertschätzung zeigen, wann immer es mir möglich ist. Ich will mich darauf fokussieren, was bei uns gut läuft, anstatt die Haare in der Suppe (aka, die Glühbirnenfassungen) zu finden. Eine offene, ehrliche und aufrichtige Kommunikation ist mir wichtig. Wenn die Fetzen fliegen: dass wir uns nachher entschuldigen können und eine passable Fehlerkultur entwickeln. Eine Begegnung auf Augenhöhe schätze ich sehr und dass wir uns gegenseitig in Großzügigkeit und mit viel Verständnis aushalten. Dass es gelingt, uns in der jeweiligen Unterschiedlichkeit zu lassen. Dass wir daran wachsen, reifen und verbunden sein können.
ICH KANN ALLES LERNEN
Irgendwie hab ich irgendwann gelernt – vermutlich hat auch meine Mama damit zu tun – wie ich eine Wohnung oder unser Haus gemütlich und sauber halten kann. Ich weiß, wie dieses Aufräumen geht und kann mir externe Hilfe holen, wenn es mir zu viel wird.
Bei Beziehungen hab ich auch irgendwie irgendwann gelernt – vermutlich haben meine Eltern damit zu tun – wie man gut zusammen leben kann, sich streitet und wieder versöhnt, zusammen lacht und weint, dass Probleme angesprochen und aus der Welt geschafft werden können.
Was ich noch nicht kann, kann ich lernen.
Und ich will lernen, was es braucht, um JETZT gute, glückliche, gelingende Beziehungen zu führen. Ein paar Dinge weiß ich schon, doch wir lernen auf dem Feld nie aus.
Jede Lebensphase ist neu und erfordert andere Talente.
Ich brauche keine Weltmeisterin in Beziehungsführung sein. Es reicht, wenn ich das kann oder lerne, was ich benötige, um zufrieden zu sein. Wenn ich eine Einschätzung machen soll: ich bin wohl eher Typ solide Berghütte mit viel Charme in den Alpen als protzige Königsvilla mit Privatjet, wenn ich meine Beziehungsbedürfnisse in einer Immobilie beschreiben müsste.
So, und jetzt bin ich neugierig:
Wie würdest du deine Paarbeziehung beschreiben, wenn sie die Gestalt einer Wohnung, Haus, … hätte? Schreib das gern in die Kommentare!
BEZIEHUNGSKOMPASS
Wenn du dir denkst: hmmm, unsere Beziehung könnte mal wieder einen neuen Anstrich oder ein wenig Renovierung vertragen – dann gönnt euch den Beziehungskompass.
12 Wochen Intensivbegleitung für euch zwei exklusiv als Paar – mit mir als Leuchtturm an eurer Seite.
„Bei uns hakt es irgendwie bei der Kommunikation.“ Diesen Satz höre ich wirklich oft, wenn Paare hier aufschlagen und meist kann man sagen: Ja, es stimmt. Es ist tatsächlich eine tägliche Herausforderung, eine gute Gesprächskultur zu leben, sich selbst und das Gegenüber stets wertschätzend anzusprechen. Die nötige Klarheit braucht es dann auch noch und, ach ja: ein offenes Herz.
Wenn die Gewohnheit rechts überholt
Den eigenen sprachlichen Umgang in gute Bahnen zu lenken, dazu zu lernen und sich zu entwickeln ist ein Prozess, der lange Zeit dauert. Obwohl es theoretisch sehr einfach und schnell gehen könnte, wenn man folgende Regeln ab sofort beachtet. Wäre da nicht die Gewohnheit, die uns immer wieder mit den alten Mustern rechts überholt. Ich will es dennoch versuchen. Und dir die – meiner Meinung nach – wichtigsten Tipps für eine gute Paarkommunikation mitgeben. Los geht’s.
1.) Ich bin selbst verantwortlich für meine Gedanken, Sprache und Gefühle. Nicht dein nerviger Chef ist schuld, oder die anstrengenden Kinder, auch nicht die lila Zyklusphase. Du selbst bist verantwortlich für das was „oben“ in der Dachkammer kreiert wird und dann über den Mund raus kommt und auch für deine Gefühle. „Mir geht’s heut nicht gut, ich bin übelst gelaunt und bräuchte Ruhe.“ Das wär so ein guter Anfang für die Tage, wo es nicht so recht läuft.
2.) VW-Regel: ich spreche in Wünschen, statt in Vorwürfen. Diese Regel hat nichts mit dem deutschen Autokonzern zu tun, du kannst die Idee aber gern gedanklich an dem Emblem festmachen. Statt dich dauernd bei deinem Partner zu beschweren, sprich in Wünschen, die sind meist klarer und eindeutiger. Statt „Immer kommst du so spät nach Haus!“ Eher so: „Kannst du morgen bitte um _____ (exakte Uhrzeit einfügen) zuhause sein, ich möchte mit dir einen ruhigen Abend verbringen.“
3.) Ich kann nicht alles wissen. Das ist zwar logisch, aber in Zeiten, wo wir das Weltwissen in Form unserer Smartphones in der Hosentasche geparkt haben, eine Erinnerung wert. Das Gute ist: ich darf jederzeit nachfragen und mich verlassen, dass ich eine Antwort von dir bekomme. It’s that easy.
4.) Unterschiedlichkeit fördert Wachstum und Entwicklung, wenn ich es erlaube und anerkenne. Schon etwas schwieriger. Unterschiede sind per se kein Parameter für gute oder schlechte Beziehungen – es kommt drauf an, wie du mit den Unterschieden umgehst. Es darf sich mühsam anfühlen. Und dennoch kann genau da die meiste Entwicklung passieren.
5.) Ich darf Fehler machen. In einer perfektionistisch anmutenden Welt auch eine Erinnerung wert. Der Hund liegt hier im Detail, wie ich finde. Denn selbst gesteht man sich das manchmal noch eher zu, aber wehe der Partner macht was falsch! Na, ertappt? Willkommen im Club. Lassen wir ein bisschen mehr Großzügigkeit walten.
6.) Fühlen ist nicht gleich HANDELN. Dazwischen: Entscheidungsspielraum. Ein oft falsch verstandenes Detail im Zuge der Authentizitätsdebatte. Nein – wenn ich mich schlecht fühle, muss ich nicht nicht wie ein Stinktier benehmen. Die graue Masse im Kopf hilft uns dabei, diese bewusste Entscheidung zu treffen UND anzuerkennen, dass wir uns nicht verstellen brauchen, sondern echt sein dürfen.
7.) Ich muss nicht immer stark sein. Das wünsche ich jedem Menschen von Herzen, dass er und sie diesen sicheren Raum in der eigenen Paarbeziehung finden – was leider nicht selbstverständlich ist. Ein wichtiger Satz ist mir von einer klugen Frau hängen geblieben: „Sich nicht so zu verletzen, wie man es könnte. Das ist eine der goldenen Regeln für gelingende, lange Beziehungen.“
8.) Ich darf alle Gefühle ausdrücken und sie auch behalten, wenn ich will und „genießen“. Das Gute ist: wenn man sich klar darüber ist, dass man selbst die Verantwortung für die eigenen Gefühle trägt, kommt der Partner nicht automatisch in „Zugzwang“. Gefühle sehen und anerkennen. Bedürfnisse sehen und anerkennen. Erster Schritt. Wichtigster Schritt. Dann schau ma weiter!
9.) Ich darf fragen und bitten um das, was ich möchte. Zweiter Schritt – wenn ich die Idee hab, ich brauche jemanden, der mir helfen kann, meine Gefühle und Bedürfnisse zu regulieren. Gilt für alle Beteiligten! Das befreit mich auch davon, auf magische Art und Weise erahnen zu müssen, was mein Partner von mir braucht oder nicht. Weil ich mich verlassen kann, dass er es mir sagt. Beste Entlastung für ein Paar!
10.) Ich versuche die Wahrnehmung meines Partners / meiner Partnerin uneingeschränkt zu verstehen und mit ihm / ihr zu fühlen. Zugegeben: das ist manchmal echt schwer, wenn wir selbst so ganz anders denken oder fühlen. Versteh dich als Forscherin auf unbekanntem Gebiet: einfach zuhören und aufnehmen und einen wertungsfreien Raum halten, indem jeder so sein kann und darf, wie er eben ist.
11.) Ich höre mit dem Herzen aufmerksam, liebevoll, wertungsfrei und vor allem ununterbrochen zu! Mit dem Herzen zuhören find ich hier die leichtere Übung – das mit dem Ausreden lassen – wirklich ausreden lassen und vor dem Antworten nochmal atmen – das darf ich als alte Quasselstrippe definitiv noch ausbauen. Auch wenn es sich jedes Mal gut anfühlt, wenn es mir gelingt.
12.) Ich lege das Handy und alle Ablenkungen weg. Digitale Geräte buhlen um unsere Aufmerksamkeit und ich hab das Gefühl, das wird immer mehr. Was für ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man sich auf eine andere Person ganz und gar konzentriert. Ein Geschenk, dass wir uns öfter machen dürfen.
13.) Ich suche und halte bewusst liebevollen Augenkontakt und zeige meinem Gegenüber, dass ich da bin. Sich gerade bei wichtigen Gesprächen auch tatsächlich an zu sehen und den Blick zu halten, gibt der Konversation eine andere Tiefe und Bedeutung. Man könnte sagen: ich bin mit allen Sinnen bei dir. Noch so ein Kompliment. Vielle
Vermutlich hast du’s bemerkt: nicht alle Tipps sind tatsächlich sprachliche Hinweise. Sehr viel in der Kommunikation liegt auch in der Haltung, mit der wir uns begegnen.
Wenn du dir denkst, du möchtest gern eine nachhaltige Verbesserung für die Kommunikationskultur in deiner Beziehung, kann ich dir den Beziehungskompass wärmstens empfehlen!
„… wenn der Weg steil ist und uns die Hoffnung fehlt.“ So lautete ein Teil unseres Ja-Wortes, das mein Mann und ich uns vor etwa 17 Jahren gegeben haben. Einen steilen Weg erleben wohl alle Menschen früher oder später in langjährigen verbindlichen Beziehungen – und ich hab diese Woche einen steilen Weg bewältigt. Zwar nicht in unserer Paarbeziehung, aber auf einem Klettersteig. Und ich hab fünf Parallelen entdeckt, die man dabei auf die eigene Partnerschaft übertragen kann, wenn man möchte.
Etwas Neues erleben gehört schon seit Jahren zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Nicht nur, weil ich der Meinung bin, dass mein Alltag dadurch aufgemischt wird und ich im Köpfchen frisch bleibe, sondern auch, weil es dabei immer etwas zu Lernen, Entdecken und Erleben gibt.
So hab ich wieder einmal neue Pfade betreten und bin diese Woche zum ersten Mal einen Klettersteig hinauf – auf die Katrin im wunderschönen Bad Ischl. Meine Erkenntnisse und Metaphern, die auch für deine Paarbeziehung nützlich sein können sind folgende.
DU BRAUCHST VERTRAUEN
Gleich zu Beginn werde ich aufgefordert, mich einzuklinken und in das Klettergeschirr sinken zu lassen, damit ich spüren kann: es hält mich aus und ich darf vertrauen in mein Material. Was für ein schöner Einstieg und eine wunderbare Überzeugung. Doch nicht nur das Material ist wichtig. Auch die passenden Schuhe, ein guter Helm, Handschuhe, um die zarten Pfoten zu schützen und die Gewissheit, dass der Weg in Ordnung ist – den zudem schon viele vor mir gut bewältigt haben – gehören da dazu. Auch in Beziehungen braucht es dieses Vertrauen. Dass du gehalten bist. Dich auf dich selbst verlassen kannst UND auch noch aufgefangen wirst, solltest du mal daneben steigen. Auch in der Liebe ist es gut, sich vor realen Gefahren zu schützen, sich zu schonen, falls es mal rauher her geht und sich immer wieder sagen: es ist möglich! Auch andere schaffen das mit einer guten Portion Vertrauen.
DU BRAUCHST MUT & ZUVERSICHT
Zugegeben: ich bin von Haus aus nicht besonders zimperlich, liebe auch Dinge wie Achterbahnfahrten oder mit den Skiern in ein Luftkissen springen und hab auch kaum Höhenangst. Dennoch ist es so: ein Busserl Mut brauchte ich dann schon, als ich den kahlen und steilen Felsen hoch sah.
Auch in Beziehungen bedarf es immer wieder eines gewissen Mutes und ganz schön viel Zuversicht, wenn man sich in das Abenteuer hinein wagt. Wir setzen uns auch aus, wenn wir unser Herz öffnen. Wenn wir echte, tiefe Gefühle und Verbindung zulassen und es besteht auch hier die Gefahr, verletzt zu werden. Wenn auch nicht körperlich, sondern vor allem emotional.
DU BRAUCHST KRAFT & ANSTRENGUNGSBEREITSCHAFT
Während ich hier tippe, spüre ich noch den süßen Muskelkater in meiner Schulterpartie, der mich an Mittwoch erinnert. Und auch wenn ich lang nicht an meine körperlichen Grenzen gestoßen bin: ein bisschen anstrengend war’s schon. Allerdings wollte ich ja unbedingt dieses Erlebnis haben, die schönen Ausblicke genießen und mich auch körperlich anstrengen.
Auch in Beziehungen ist es manchmal anstrengend und nach dem einen oder anderen Konflikt bleibt ein „Muskelkater“ in Form von schlechter Stimmung oder schief hängendem Haussegen übrig. Wenn wir wachsen wollen, uns entwickeln und stärker werden – oder einfach nur fit unseren Weg gehen möchten, braucht es die Bereitschaft, sich regelmäßig darin zu üben. Zu trainieren und die damit verbundenen, aber erträglichen Muskelkater auszuhalten.
DU BRAUCHST BEGLEITUNG
Okay, es ist keine Raketenwissensschaft, einen Klettersteig zu gehen. „Es gibt kein Richtig oder Falsch“ hat meine Begleiterin des Vertrauens, Katharina Scharnreiter, mehrmals zu mir gesagt, als wir losgegangen sind. Dennoch hab ich mich sehr wohlgefühlt und war unglaublich entspannt, weil ich wusste, da ist jemand an meiner Seite, der hat Routine, Erfahrung und steht mir in der Not bei. Ich brauche es nicht allein zu schaffen. (Und nebenbei hatte ich supernette Gespräche!)
Auch für Beziehungen gilt: Begleitung macht manchmal richtig viel Sinn. Wenn du / ihr den Weg schon in und auswendig kennt, ohne großes Stolpern voran kommt und immer wieder auch so den Ausblick genießen könnt: WUNDERBAR. Und wenn sich mal eine steile Klippe auftut, die von unten nicht bewältigbar aussieht, dann holt euch eine Begleitung, die euch den Weg angenehmer macht, weil sie Gelassenheit, Ruhe und Expertise mitbringt. Auch wenn es dadurch nicht weniger steil, anstrengend oder schwierig wird: ganz sicher ist es klüger, es so zu tun, als sich allein ohne Know-How rum zu plagen.
DU BRAUCHST WERTSCHÄTZUNG & DANKBARKEIT
Ganz ehrlich: so ein Klettersteig wär nur die Hälfte wert, wären da nicht: diese unfassbar schönen Ausblicke und die Seile, die jemand lang vor mir in den Felsen geschlagen hat. Bei jedem Schritt, den ich auf einen Stahlstift setzen durfte und musste und bei jeder Verankerung eines Seils dachte ich mir: „Wie schön, dass jemand sich diese Mühe und Arbeit gemacht hat, damit ich hier so etwas Schönes erleben kann!“
Auch in Beziehungen braucht es langfristig diese kleinen Dankbarkeiten und Wertschätzung, wenn man aneinander Freude haben und behalten möchte. Es ist eben nichts selbstverständlich – auch wenn man sich gewisse Dinge erwarten darf in einer Partnerschaft. Es kostet meistens sehr wenig, ein
Danke
Schön, dass du da bist.
Hab einen guten Tag.
Ich hab gesehen, dass du …. Erledigt hast!
Danke, dass du mich aushältst.
… zu sagen. Obwohl wir es vermutlich verdient haben. Dankbar sein und dem anderen wertschätzend begegnen kann Mann und Frau ja trotzdem. Oder gerade deswegen.
Ich wünsche dir und mir, dass wir uns immer wieder im Alltag daran erinnern, dass diese 5 Dinge wichtig und wertvoll sind. Dann wird auch unser Zusammenleben – so wie die Bergtour am Mittwoch – gesegnet sein von freundlicher Stimmung, Sonnenschein, gemütlichen Gesprächen, ein bisschen Aufregung, viel Weitblick und Staunen und nährenden Momenten, die viel länger anhalten als jeder Muskelkater dieser Welt.
Wenn du in deiner Paarbeziehung gerade eine „steilere“ Passage zu bewältigen hast: ich bin gern dein Tourguide und stehe euch mit meiner Gelassenheit, meinem Know-How und meiner Expertise zur Seite im
Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder … – diese Zeilen erlaube ich mir für diesen Beitrag umzuformulieren in: Und jede Beziehung hat ihre vier Kinder, den Frühling den Sommer, den Herbst und den Winter. Was es mit Jahreszeiten in Beziehungen auf sich hat, was die turtelnden Enten auf meiner Laufrunde damit zu tun haben und was ein problematischer Klimawandel für Beziehung ist, liest du hier.
SPRING IS IN THE AIR
Frühling ist’s. Die Natur erwacht zu neuem Leben und hier und da sieht man Vögel, Enten oder andere Tiere miteinander turteln. Das war selbst bei meiner Laufrunde heute nicht zu übersehen. In meinen Jahren als Elementarpädagogin hab ich das sogar bei den Kindergartenkindern beobachten können, dass die sich im Frühling besonders häufig verliebten. Es war so süß zu beobachten, wie diese Jahreszeit auf uns alle wirkt.
BEZIEHUNGEN SIND LEBEN
Jahreszeiten gibt’s ganz unabhängig vom Kalendermonat auch in Beziehungen. Und so wie in unseren Breitengraden eben gewohnt, ist es genau die Unterschiedlichkeit und Abwechslung, die dieses Spiel so interessant machen. Keine Beziehung ist ein immer währender Frühling oder Sommer. Beziehungen sind LEBEN und natürlichen Phasen ausgesetzt, die alle ihre Berechtigung haben. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.
JEDE JAHRESZEIT HAT EIN GESCHENK
Es geht also nicht darum, eine bestimmte Jahreszeit (= Phase in einer Beziehung) zu idealisieren, sondern darum, den Reiz und das Geschenk in jeder einzelnen Etappe zu entdecken. Mit dem Leben mitzugehen, statt dagegen zu arbeiten. So und daran zu wachsen und zu reifen. Wie das gelingen kann, darum geht’s in diesem Beitrag.
FRÜHLING in Beziehungen
Wenn zwei Menschen sich neu kennenlernen und begegnen, liegt da diese Spannung in der Luft. Blicke, die sich treffen und aufregendes Prickeln auslösen. Berührungen, die beinahe Funken sprühen lassen. Worte, die dir eine Gänsehaut im Hochsommer bescheren können. Das alles und noch viel mehr passiert wahrscheinlich, wenn wir uns verlieben. Diese Zeit ist Aufregung pur und immer (wieder) etwas ganz Besonderes. Jedes Mal etwas Neues aneinander entdecken, neugierig aufeinander sein und sich faszinieren lassen.
Frühling kann sein … … Fragen zu stellen, die du noch nie gestellt hast. … sich aufrichtig für das Gefühlsleben deines Partners zu interessieren. … ihn anzusehen, als würdest du ihn zum ersten Mal sehen.
SOMMER in Beziehungen
Wenn Verliebte den Frühling überstehen und nicht beim ersten Sommergewitter auseinander rennen, kommt der erste Sommer. Leidenschaft und Lust aufeinander und damit einhergehend eine bewegende Tiefgründigkeit, die unser inneres Feuer ganz schön ankurbeln. Man bewegt sich unter blitzblauem Himmel und lässt sich die Sonne auf die Haut scheinen, auch ein vorbeiziehendes Gewitter kann dieses Gefühl nicht trüben: das hier ist richtig und fühlt sich gut an.
Sommer kann sein … … die erotische Liebe zwischen euch zu feiern. … in einem passenden Moment wieder mal die tiefe Liebe zueinander bekunden. … dieses Feuer und die Leidenschaft zwischen euch neu entfachen zu können.
HERBST in Beziehungen
Nicht enden wollende Hitzewellen sind in der Realität wohl genau so anstrengend wie sie in Beziehungen wären. Es ist okay, wenn sich Emotionen dann wieder abkühlen, wenn die Buntheit des Lebens (auch außerhalb der Paarbeziehung) wieder bemerkbar wird und man die Früchte der eigenen Liebe ernten kann. Als ein zufriedenes Ruhiger-werden, Schauen und Genießen würde ich den Herbst in einer Beziehung bezeichnen. Man fühlt noch die Wärme, sieht und spürt, was man schon zusammen erreicht hat und kann auch mit ein wenig Abstand zueinander gut umgehen.
Herbst kann sein … … sich lieben und dennoch den Blick nach Außen gut finden. … den Anderen voll Vertrauen sein Ding machen lassen und sich daran erfreuen. … das gemeinsam Erschaffene wertzuschätzen und sich gemeinsam dafür einsetzen.
WINTER in Beziehungen
So sehr ich den Winter in echt liebe – in Beziehungen fühlt er sich meist nicht so schön an. Gefühlsmäßige Kälte, zurückgezogene Partner und frostige Stimmung sind auf den ersten Blick nicht sonderlich angenehm für unser Gemüt.
Winter kann sein … … in sich gehen und Raum für sich brauchen. … mehr Abstand in Anspruch nehmen. Aber auch: … kein Verständnis für einander aufbringen können. … genervt sein von den Macken und Eigenheiten des Partners. … wenig Lebendigkeit zwischen sich zu spüren.
Dennoch denke ich, dass diese Episoden auch zu lebendigen Beziehungen dazugehören. Auf Distanz gehen, Abstand halten, In-sich-kehren und zurücknehmen ist ab und zu sogar notwendig, wenn man als Liebespaar lebendig bleiben will.
EISZEIT – oder: ist da noch Leben drin?
Es geht also darum, das Spiel mit den Jahreszeiten in der Beziehung zu verstehen. Mitzugehen und sich auch getragen wissen. So wie wir auf dem Planeten Erde aber ein Problem mit der Erderwärmung und Überhitzung haben, ist es ein Problem in Beziehungen, wenn man sich in einer länger dauernden Eiszeit befindet. Wenn es über viele Monate hinweg nur „unter Null“ hat, die Sonne niemals durchblickt und alles wie tot erscheint, macht es Sinn, zu überprüfen, ob da wirklich noch Leben drin ist, oder nicht.
Nach einem kalten Winter kann auch eine Beziehung wieder aufblühen. Doch wenn der Frost zu lange hält, besteht die Gefahr, dass die Liebe zueinander, diese zarte Pflanze, auch Schaden nimmt oder stirbt.
DAS WETTER MACHEN WIR UNS SELBST
Glücklicherweise sind wir beim Klima und den Jahreszeiten in einer Liebesbeziehung nicht so ausgeliefert wie beim Wetter. Wir können JEDEN Tag das Klima in unserer Beziehung selbst mitbestimmen. Allerdings nicht allein, denn: jede Person leistet dabei ihren Beitrag. Nicht auf jeden Herbst muss ein Winter folgen, was Beziehungskreisläufe angeht. Man darf sich hier auch überraschen lassen vom Leben. Von sich selbst. Und vom eigenen Partner / der Partnerin … und die Jahreszeiten der Beziehung in all ihrer Lebendigkeit feiern.
Und so schließe ich diesen Blog mit einer Frage an dich:
in welcher Jahreszeit befindet sich deine Liebesbeziehung gerade? Schreib mir gern in die Kommentare, welche Jahreszeit du in Beziehungen am meisten feierst!
Ich gestehe: das ist ein wunder Punkt bei mir. Gerechtigkeit in der Familie. Auch wenn wir ein grundsätzlich sehr traditionelles Modell leben, ist mir moderne Gerechtigkeit in meiner Partnerschaft ein großes Anliegen. Und diesen Umstand auszuhandeln ist oft unangenehm. Heute nehme ich dich mit auf die Reise, was es mit der Geschlechtergerechtigkeit auf sich hat, warum diese Gerechtigkeit ALLEN nützt und welche drei Wege dabei hilfreich sein können. Los geht’s.
Männlichkeit versus Weiblichkeit
Stein des Anstoßes für diesen Beitrag war meine Teilnahme an einem Studientag, wo es genau darum ging: Gendergerechtikeit in Ehe, Partnerschaft und Familie, bei der Mag.Dr. Erich Lehner als Vortragender sein Wissen mit uns geteilt hat. Gefangen war ich gleich zu Beginn, als die Aussage nämlich war: erstens ist Gender kein Gen, kein Hormon – wir alle sind Menschen und Geschlechtlichkeit wird abseits vom Körper vor allem erlernt und dann von Mythen, Symbolen, Zuschreibungen, Meinungen und so weiter aufrechterhalten. Und zweitens: WEIBLICHKEIT ist meist nicht das Problem. Es ist die Männlichkeit, die zu zaghaft angegangen wird.
DAS GEHIRN – WEDER WEIBLICH, NOCH MÄNNLICH. SONDERN FORMBAR.
Geschlecht ist nicht nur physiologisch, es ist wird vor allem im täglichen Leben und vom ersten Tag erlernt und dann gefestigt und fixiert. Wer die langen Haare hat.
Wer mit dem Auto fährt.
Wer das Klo putzt.
Wer zur Arbeit geht.
Wer sich um ein Kind kümmert.
Wer die Wäsche macht.
In hunderttausenden Momenten entstehen in unserem Kopf Bilder zu Männlichkeit und Weiblichkeit und wir können uns dann damit identifizieren – oder eben nicht. Das Gehirn ist bei der Geburt gleich – es gibt kein weibliches oder männliches Gehirn. Es wird geformt und trainiert und hierbei spielen eben diese Erfahrungen eine wesentliche Rolle.
TIEF SITZENDE BILDER
Jeder Mensch sollte die Freiheit haben, sich nach seinen Talenten und Fähigkeiten zu entwickeln, ohne dabei in geschlechtertypische Schubladen gepresst zu werden. Es engt uns und andere ein, wenn wir denken: Warum haben diese Buben lange Haare?
Warum spielt dieses Mädchen so körperbetonten Fußball?
Warum interessiert sich der Junge für Nagellack?
Warum mag die Tochter in eine HTL?
Was, der Vater geht überwiegend in Karenz?
Wie bitte, sie bleibt nicht beim Kind zuhause?
Wir sollten längst über diese Gedanken drüber sein, doch Hand auf’s Herz: sie sitzen da irgendwo tief hinten in unseren Köpfen. Auch wenn wir sie nicht (mehr immer) aussprechen.
Also, wie kommen wir zu mehr Freiheit und Gerechtigkeit und was haben wir überhaupt davon?
WEG 1: MENSCHLICHE INTERESSEN & BERUFE
Zunächst darf gesagt sein: JEDER Mensch ist gut und richtig, so wie er ist. Wenn wir aufhören, Interessen, Talente, Begabungen oder Eigenschaften als „typisch“ weiblich oder männlich zu klassifizieren (und das tun wir!!), wär schon ein erster und wichtiger Schritt getan. Statt Frisörin, Krankenschwester oder Volksschullehrerin als Frauenberufe zu bezeichnen, Mechaniker, Metalltechniker oder Programmierer als Männerberufe einzuteilen, könnten wir uns darauf einigen, dass alles „menschliche“ Berufe oder Interessen sind. Und es für Menschen jeden Geschlechts (und da gibt es bekanntlich mehr als zwei, Stichwort LGBTQIA) okay ist, sich für welche Beschäftigung auch immer zu interessieren.
WEG 2: HALBE HALBE. BEINHART.
Damit das gelingen kann, braucht es möglichst von Geburt an Vielfalt im täglichen Erleben des Kindes. Dass beide Eltern sich anfallende Tätigkeiten ebenbürtig teilen und machen!! Die günstigste Variante ist, dass Kinder erleben, dass BEIDE Elternteile putzen, arbeiten, waschen, Geld verdienen, kochen, einschlafbegleiten, reparieren und um die Dinge kümmern, die eben anfallen. Dr. Lehner hat das mit einem alten Satz, ähnlich dem aus der Imagekampagne zum Familienrechtsänderungsgesetz aus dem Jahr 2000 ausgedrückt:
„Halbe – Halbe. Beinhart. Anders geht’s nicht.“
Mag. Dr. Erich Lehner
(Dort hieß es zwar „Ganze Männer machen Halbe-halbe.“ und gemeint war vor allem die Aufteilung der Haushaltsarbeit, doch im Kern kommt es darauf hinaus. Es braucht eine faire Aufteilung.)
WEG 3: SELBSTBESTIMMUMG ERMÖGLICHEN & FÖRDERN
Auch wenn es bequemer sein mag, in einer Art „Gewaltentrennung“ zu leben – du kümmerst dich um Erwerb, ich um den Haushalt – wir schränken die Selbstbestimmungsmöglichkeiten unserer Kinder damit ein. Ja, ich weiß. Das ist ein AUTSCH. Es ist die Aufgabe von Elternteilen, den Kindern größt mögliche Freiheit in der Selbstbestimmung des eigenen Lebens und auch Gerechtigkeit in der Beziehungsgestaltung vorzuleben.
Das ist angesichts dessen, dass es fast alle Konsumgüter (Kleidung, Lego oder Überraschungsei, um nur drei zu nennen) extra für Jungs und für Mädchen gibt, schon schwierig. Das fordert uns Eltern, diese Fixierungen nicht zu verstärken. Sonst wird sich hier nie was ändern.
THE PROBLEM IS
Ich hab ja viel mit Paaren vor der Familiengründung zu tun und ich kann sagen: die wollen das! Moderne Paare wollen sich frei entscheiden,
wer wann wieviel arbeiten geht
wer wie lange etwaige Kinder (und später auch alte, kranke oder sterbende Familienmitglieder) versorgt!
wer wann wie lange welchen Beruf ausüben kann und darf
welche Aufteilung es für anfallende Haushaltsarbeiten gibt
wer wann wie persönliche Bedürfnisse und Vorlieben (in unterschiedlichsten Lebensbereichen) leben kann.
Sie werden Eltern und stellen dann fest: wir schaffen es nicht, wie wir’s uns vorgestellt haben. Weil strukturelle Gegebenheiten wie zum Beispiel der Gender-Pay-Gap keine idealistische Entscheidung möglich machen. Vieles wird zu einer wirtschaftlichen Entscheidung. Und dann bleibt die unbezahlte Care- und Haushaltsarbeit halt wieder bei denen, die traditioneller Weise schlechter verdienen.
MÄNNER WERDEN MÜSSEN WOLLEN
Mädchen in die Technik! Frauen zurück in den Beruf! Immer diese Teilzeit-Mütter! Sucht euch halt Männerberufe, damit ihr ordentlich verdient! So und so ähnlich schallt es uns dann entgegen, dabei liegt es nicht an den Frauen, hier etwas in Bewegung zu bringen. Männer haben dafür gesorgt, dass es hier eine Schieflage zu ihren Gunsten in Punkto Bewertung gibt. Und genau diese Männlichkeit wird laut Dr. Lehner viel zu zaghaft angegangen. Obwohl sie immer noch das Weibliche dominiert (ein Blick in die Politik und Wirtschaft sollte reichen) und ungerechter Weise in vielen Belangen höher bewertet wird. Profisport – auch so eine Sache. Nicht die Frauen sollen sich mehr anstrengen und tun – die sind in diesem Hamsterrad ohnehin der Erschöpfung nahe. Es sind die Männer, die diese Situation ändern können und werden müssen wollen. (!)
WER DAVON PROFITIERT
Nicht wir Frauen sollen immer mehr so tun wie die Männer. Wo uns überhöhte und toxische Männlichkeit im Extremfall hinführt, sehen wir ja derzeit in Osteuropa. Oder an der Anzahl der Femizide in Österreich. Gewalt und Aggression hängt mit der männlichen Dominanz unmittelbar zusammen und ist ebenfalls: ERLERNT und nicht angeboren! Sonst wären ja alle Männer so, war Gott sei Dank nicht stimmt. Dennoch: Männer dürfen ihr Bild von Männlichkeit neu definieren und anpassen. Warum sie das tun sollten?
Weil die Folgen der Gleichstellung ihr eigenes Wohlbefinden erhöht (laut UNO 2015), weil es ihnen Sinn und Erfüllung schenkt und weil auch ihre soziale Kompetenz gestärkt wird. Und auch Frauen profitieren davon, die familiäre und unbezahlte Arbeit besser aufzuteilen. Sie können sich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Erwerbstätigkeitbesser entfalten und auch das dient einer gelungenen Beziehung!
UND DIE KINDER?
Kinder profitieren wohl am meisten von gerechterer Aufteilung unter den Geschlechtern. Sie steigern nicht nur ihre Fähigkeit zur Empathie und ihre sozialen Kompetenzen, wenn beide Elternteile ebenbürtig und gerecht die Arbeit teilen. Sie können auch in der Schule leistungsfähiger sein und verfügen über bessere Problembewältigungsstrategien (Fthenakis, 1999).
Und ganz nebenbei erleben sie zufriedenere Eltern, die ihnen mehr Freiheit schenken, ihr eigenes Leben so zu entwerfen, wie es ihnen eben gefällt. Ohne in die rosa oder hellblaue Schublade passen zu müssen.
WIE KLINGT DAS FÜR DICH?
Gerechtigkeit macht übrigens besonders in Beziehungen einen riesigen Unterschied. Wenn Paare sich gerecht aufteilen, wofür sie verantwortlich sind, wenn sie sich ebenbürtig sehen und gegenseitig respektieren, sich gegenseitig Dinge zutrauen und zumuten, dann ist da viel mehr Wachstum möglich, als in fixierten Rollenbildern. Für mich klingt es danach, als wär’s die Mühe des Aushandelns wert.
Und für dich? Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare!
Beziehungen, besser gesagt, gelungene Beziehungen sind also das Salz in unserer Suppe, das Sahnehäubchen auf unserer Lebenstorte, die Quintessenz unseres Antriebs – das haben wir ja im letzten Beitrag hier geklärt. Was jedoch macht eine Beziehung „gelungen“? Was brauchen menschliche Verbindungen, wenn sie für angenehm empfunden werden sollen? Wir werfen einen Blick auf die 5 Säulen, auf denen Beziehungen stehen.
ECKDATEN DER BFF – NOT
Ich bin sicher, du kennst eine solche Person: eine, die sich im gemeinsamen Kontakt immer so wichtig nimmt, gerne und ausgiebig von sich erzählt und dich kaum fragt, wie es dir geht. Mit der du jederzeit alles unternehmen kannst, was sie möchte, und kaum soll’s mal nach deinen Vorstellungen gehen, ist sie wie vom Erdboden verschluckt. Die gern deine Hilfe annimmt, aber so gut wie nie die ihre anbietet und schon gar nicht bemerkt, ob du welche nötig hast. Falls du ein Bild von so einer Person im Kopf hast, weißt du jetzt genau, was es braucht, damit Beziehungen schief laufen. Das sind die Eckdaten, die keiner im Profil der BFF (*Jugendsprache für Best Friend Forever) stehen haben will.
WAS RADFAHREN MIT BEZIEHUNGEN ZU TUN HAT
„Es ist so kompliziert, das mit den Menschen“ … hat neulich eine überaus liebenswerte Klientin bei mir gesagt und ich musste lachen. Denn ja: einerseits sind wir zu Kooperation und menschlichem Miteinander geboren und motiviert. Und gleichzeitig braucht es tatsächlich ganz schön viel, um so eine Beziehung am Laufen zu halten. Frei nach dem platten, aber manchmal recht zutreffenden Spruch: „Was haben Beziehungen und Fahrradfahren gemeinsam? Bergab geht’s von selbst!“
Also schnapp ich mir nochmal eine Erkenntnis aus dem Buch „Prinzip Menschlichkeit“ und drösle hier für dich auf, was es braucht, um gute Beziehungen erleben und gestalten zu können. Ich nenne sie für dich: die 5 SÄULEN für GELUNGENE BEZIEHUNGEN
SÄULE 1: EINANDER SEHEN UND BEACHTEN
Damit ist nicht nur sprichwörtlich das Sehen gemeint (auch wenn wir stark über diesen Sinn angesprochen werden), noch mehr ist es das „sich-gegenseitig-Wahrnehmen“. Darin steckt für mich einerseits der Aspekt, dass ich mich unabgelenkt, sprich: aufmerksam dem anderen zuwende. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass ich den Anderen so sein lasse, wie er ist: ihn „wahr“ nehme und nicht „falsch“ abstemple mit seinen jeweiligen Gefühlen und Bedürfnissen. Das ist schon der fließende Übergang zum zweiten Teil dieser Säule: das „achten“. Achten bedeutet für mich in dem Zusammenhang: annehmen und auf das Bewerten verzichten. Einfach erklärt, schwer nachgemacht. Denn das Vergleichen und Bewerten haben wir meistens super gut geübt ganz im Gegensatz zum wertfreien Erfassen.
SÄULE 2: GEMEINSAME AUFMERKSAMKEIT TEILEN
„Gegensätze ziehen sich an!“ „Wir sind so unterschiedlich, da ergänzen wir uns prima!“ Ja, auch an diesen Sätzen ist etwas dran. Und gelungene Beziehung braucht ein Minimum an gemeinsamer Aufmerksamkeit, an gemeinsamer gerichteter Aktivität. Wie viel wir gemeinsam machen und was das ist, ist höchst individuell und in der Beziehung auszuhandeln. Immer wieder. Es ist notwendig unsere Bedürfnisse als Einzelne als Basis für die Entscheidungen zu verwenden: wann, wo, wieviel der verfügbaren Zeit und Energie wir auf UNS verwenden.
Auch hier gibt es meiner Meinung nach je nach Lebens- und Beziehungsphase natürliche Schwankungen. Nähe und Distanz dürfen wir, wie viele andere Gegensätze täglich neu austarieren.
Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt!
Antoine de Saint-Exupéry
SÄULE 3: SICH AUF GEFÜHLE DES ANDEREN EINLASSEN
In einer gelungenen Beziehungen braucht es die Fähigkeit, sich auf die Gefühle bzw. die Stimmung des anderen einzulassen. Ein Mindestmaß an emotionaler Resonanz, quasi. Sich zum Beispiel von der Freude und auch von der Trauer des anderen anstecken lassen zu können ist ein überaus verbindendes und motivierendes Element in Beziehungen. Das kann natürlich nicht erzwungen werden und niemand muss selbst gleichermaßen dem Gefühl des anderen „erliegen“. Denk an ein Radio: es geht um ein Wahrnehmen der Frequenz, auf der das Gegenüber gerade „sendet“. Die Stimmung dort mitzubekommen und sich „einzutunen“ ist überaus beziehungsfördernd. Auch wenn ich dann wieder auf meinen Sender umschalten möchte und darf.
SÄULE 4: GEMEINSAM HANDELN
Es ist meist völlig unterschätzt, wie verbindend das gemeinsame Tun ist. Egal ob es um Gartenarbeit, die gemeinsame Carearbeit oder um’s zusammen Kochen geht: einfache und ganz konkrete Dinge in die Tat umzusetzen ist für beide Seiten motivierend und bestärkend. Wenn hingegen einer nur delegiert und der andere sich aus Bequemlichkeit nicht in Bewegung setzt, kommt schnell Frust auf. Nebeneinander oder gleichzeitig für eine gemeinsame Sache zu arbeiten, Zeit und Energie aufzuwenden, kann die Beziehungskultur positiv prägen.
SÄULE 5: MOTIVE UND ABSICHTEN DES ANDEREN VERSTEHEN
Jetzt sind wir quasi in der Champions-League des Beziehungsgames angekommen. Damit man hierhin kommt, sind die Säulen eins bis vier praktisch Voraussetzung. Und dann braucht dieses Verstehen zusätzlich zu einem scharfen Beobachtungssinn und einer Prise Gespür vor allem eins: das Gespräch. Bei Kindern (je jünger, desto mehr) ist es schon erforderlich, dass die Eltern das Verhalten des Kindes wahrnehmen, interpretieren und darauf reagieren. Besonders, wenn sie eben noch nicht sprechen können.
Doch für erwachsene Beziehungen gilt: was ich nicht verstehe, kann ich womöglich erfragen. Was nämlich irgendwie fies ist: unser Gehirn möchte sich das „immer wieder neue Verstehen“ ersparen und beurteilt lieber nach deinem alten und bekannten Schema. Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das für aktuelle Situationen und Beziehungen meist nicht hilfreich ist, wenn das Gehirn in der Vergangenheit kramt und Schablonen über das Jetzt legt. Ganz persönlich glaube ich, dass es bei dieser Säule vor allem um das unablässige Interesse am Tun des Anderen geht, weil es bedeutet: du bist mir wichtig. Ich möchte wissen, wofür du brennst, wobei du lebendig wirst. Auch wenn wir manche Dinge vielleicht nie 100%ig kapieren – der ehrliche Wille zählt für’s Werk.
NACH DEM WISSEN KOMMT DAS TUN
So, nun wissen wir also, welche Säulen gebaut werden sollen, wenn wir unsere Beziehung als schönes Dach über euch erleben möchtet. Welche Zutaten es benötigt, wenn ihr euch ein feines Beziehungssüppchen kochen wollt. Es gibt nur eine deprimierende Nachricht zum Schluss (sorry!): leider steht eine Beziehung nicht wie ein Designertisch auch auf drei oder vier Beinen gut – es braucht alle fünf, wenn sie langfristig halten soll. Doch immerhin: üblicherweise geht es ja darum, mit Menschen, die wir mögen, an etwas zu werkeln, das wir selbst gewählt haben. So schlimm sollte dieses „Dranbleiben“ dann hoffentlich nicht sein.
IT TAKES TWO, BABY
Und noch ein Aspekt ist für mich erwähnenswert: es reicht nicht, wenn nur einer in der Beziehung all diese Sachen erfüllt und sich darum kümmert. (Eltern-Kind-Beziehungen mal ausgenommen, da gibt’s eigene Gesetze und Dynamiken.) Beziehung ist keine Einbahnstraße sondern eine zweispurige Fahrbahn. Jeder darf, kann und soll seinen Teil dazu beitragen, dass diese Säulen erbaut und erhalten werden, sonst wird’s schwierig. Bekanntlich braucht es zwei um eine Ehe (Beziehung) zu führen – und nur einen, um sie zu brechen. So schade das auch manchmal ist.
Und weil ich unmöglich mit einem negativen Gedanken aufhören kann: die frohe Botschaft! All das zu tun ist
meistens sofort möglich
braucht nur dich und deine Entscheidung dazu
baut unmittelbar vielleicht bröckelnde Säulen wieder auf
kostet dich keinen Cent
bringt euch näher zueinander.
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, weil da ganz schön viel „Baustelle“ ist in deiner Beziehung, dann lass uns zusammen arbeiten.
Ein Haus baut man auch nicht ohne professionelle Hilfe und ohne Plan – das heißt, man kann schon! Und anders ist es einfacher und effizienter!
Ruf gerne unverbindlich an, um abzuklären, ob wir „zusammenpassen“ und ich die Richtige für euer Anliegen bin!
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