Warum Gleichberechtigung die beste Paartherapie der Welt sein könnte.

Warum Gleichberechtigung die beste Paartherapie der Welt sein könnte.

Was fixierte Geschlechterbilder, das Nadelöhr Elternwerden und aktuelle Studien über glückliche Beziehungen verraten.

Wer hat in der Beziehung das Sagen? Und warum könnte echte Gleichberechtigung die effektivste Paartherapie überhaupt sein? Ein persönlicher und fundierter Blick darauf, warum die faire Verteilung von (unbezahlter) Arbeit nicht nur Beziehungen rettet, sondern auch Gewalt reduziert.

WER HAT DAS SAGEN? So lautete der Titel einer mehrtägigen Fortbildung letzte Woche in Salzburg zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in Beziehungen an der ich teilgenommen hab. Das Thema Ebenbürtigkeit und Gleichberechtigung in Partnerschaften beschäftigt mich schon viele Jahre. Nicht zuletzt, weil eine faire Verteilung von Arbeit, Verantwortung, aber auch von Macht und Entscheidungsfreiheit auch in unserer eigenen Beziehung oft ein Konfliktpunkt war und ist. Wie bedeutend Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wirklich ist, wurde mir in diesen Tagen erneut – und schmerzlich – bewusst.

Warum Gender Equality die beste Paartherapie sein könnte

„Wer denkt an die Zahnarztkontrolle der Kinder und vereinbart den Termin? Wer weiß, wann die Patenkinder Geburtstag haben? Wer übernimmt die Betreuung der Kinder, wenn sie krank sind? Und wer hat im Blick, dass das Klopapier ausgeht?“

Viele Männer würden spontan sagen: „Bei uns ist alles gerecht aufgeteilt.“ Doch schaut man genauer hin, zeigt sich oft ein anderes Bild. Denn Geschlechtergerechtigkeit beginnt nicht erst bei der Frage, wer das Geld verwaltet. Sie beginnt viel früher – bei der mentalen, emotionalen und sozialen Verantwortung. Bei den unsichtbaren Aufgaben des Alltags (Mental Load) und bei der Freiheit und Möglichkeit, unabhängige Entscheidungen zu treffen.

In den letzten Jahren habe ich mit hunderten Paaren in der Beratung und in der Erwachsenenbildung gearbeitet. Klar ist: Jedes Paar hat seine eigenen Herausforderungen, eine individuelle Geschichte und einzigartige Persönlichkeiten. Doch wenn ich einen großen, gemeinsamen Nenner für die wirklich heftigen Probleme in Paarbeziehungen ausmachen müsste, dann ist es dieser: die ungleiche und unfaire Verteilung von Verantwortung, Macht und unbezahlter Arbeit.

So oft fehlt das Verständnis für die Situation und die Belastungen des anderen, schlicht weil man nicht in dessen Schuhen läuft. Nicht zuletzt deshalb wäre eine 50:50-Aufteilung langfristig wohl bei fast allem die beste Paartherapie der Welt. Am Ende würde es mich als Paartherapeutin gar nicht mehr brauchen. Noch habe ich davor keine Angst. Oder doch?

Wir sind doch alle längst gleichberechtigt!

Wer meint, der Feminismus habe doch schon genug erreicht und Frauen könnten in unserer westlichen, zivilisierten Welt ohnehin alles tun, was Männer auch tun, dem sei zuallererst das Buch von Alexandra Zykunov mit eben diesem Titel empfohlen. Lies es lieber in Etappen, sonst kommt dir das Frühstück vermutlich wieder hoch.

Wie weit die diversen „Gender Gaps“ (vom Pay Gap über den Care Gap bis zum Health Gap) noch auseinanderklaffen, kann man oft nur in kleinen Dosen verdauen. Die immer noch bestehende Schieflage führt natürlich zu den unterschiedlichsten Auswirkungen. Heute will ich mich aber auf die aus meiner Sicht bedeutendste und wichtigste Folge fokussieren: dass fehlende Gerechtigkeit die Gewalt in unserer Gesellschaft und in unseren Wohnungen befeuert. Und wenn wir eines nicht brauchen können, dann ist es ein noch schärferer Kampf zwischen den Geschlechtern. Wir brauchen mehr Miteinander, einen “Feminismus des Miteinander”, wie auch Mareike Fallwickl in ihrem Buch “Liebe Jorinde” betont.

Geschlecht ist mehr als Biologie

Damit das klar ist: Wir wissen ziemlich genau, dass einen Penis zu haben, nicht automatisch bedeutet, männlich zu sein. Genauso wie eine Vagina zu haben, nicht per se weiblich bedeutet. Weit mehr als durch biologische und sichtbare Voraussetzungen ist unser Geschlecht durch soziale Rahmenbedingungen, kulturelle Normen, gesellschaftliche Strukturen und die persönliche Entwicklung bestimmt. Es sind Positionen, die wir einnehmen – und die wir auch verändern können.

Hormone steuern unser Verhalten nicht willkürlich. Gehirne sind ein Leben lang formbar, und es gibt keine typisch „weiblichen“ oder „männlichen“ Gehirnanteile. Die Vielfalt ist in uns angelegt wie das Licht in vierundzwanzig Stunden: Es gibt den Tag, es gibt die Nacht und dazwischen alle Nuancen der Dämmerung. Dieses Bild hilft mir, fixierte Rollenbilder aufzuweichen und uns selbst bewusst differenziert wahrzunehmen.

Mythen über Männer und Frauen

So lassen sich weit verbreitete Annahmen im Zusammenhang mit Geschlechterstereotypen recht einfach widerlegen. Zum Beispiel diese hier:

     

      • Die Frau gehört von Natur aus an den Herd.

      • Männer sind ausschließlich Jäger und gefühlsarm.

      • Mütterlichkeit ist ein angeborener Instinkt.

      • Männer sind von Natur aus weniger fürsorglich.

    Alle diese Aussagen lassen sich wissenschaftlich nicht aufrechterhalten. Besonders die Elternschaft und das Zusammenleben als Paar haben sich evolutionär ganz anders entwickelt. Paare waren in Jäger- und Sammlergesellschaften ebenbürtig organisiert und haben ihre Kinder gemeinsam unterwiesen.

    „Die auf Gleichheit basierende Balance der Geschlechter, die auch die Grundlage bildete für das Cooperative Breeding (gemeinsames Aufziehen des Nachwuchses), war das Erfolgsrezept des Homo sapiens.“
    (Quelle: van Schaik / Michel 2020: „Sorge – Das entscheidende Element der Menschwerdung“)

    Nichts davon fällt uns bei der Geburt eines Kindes einfach so auf den Kopf. Und wenn wir uns das bewusst machen, stellt sich plötzlich die Frage: Wie wollen wir denn leben, wenn jeder (fast) alles kann? Abseits von fixierten Identitäten wie „wir Frauen“ oder „wir Männer“? Und wie können wir dieses Dilemma auflösen, um mehr Gerechtigkeit zu erfahren?

    Bild: KI generiert mit ChatGPT

    Wie passt das Kamel durch das Nadelöhr?

    Bis Menschen Eltern werden, klaffen die Lücken meist noch nicht so weit auseinander. Doch danach geht es schlagartig bergab mit der Egalität:

       

        • 8 von 10 Vätern nehmen überhaupt keine Karenzzeit, wenn ein Kind kommt.

        • Nur 1 % der Väter in Österreich bleibt länger als 3 bis 6 Monate beim Kind.

        • Dafür sind drei Viertel der Frauen auch nach 18 Monaten nicht wieder erwerbstätig.

        • 76,1 % der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren arbeiteten 2024 in Teilzeit.

      Das bedeutet: Elternschaft sorgt bei Frauen für eine enorme Veränderung der Lebenssituation (und für eine Zunahme der Teilzeitarbeit, weil sich schließlich irgendwer um die Kinder kümmern muss), während Väter nach der Geburt sogar seltener in Teilzeit arbeiten als kinderlose Männer (!). Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen.

      Selbst die arbeitnehmerfreundlichen Gesetze zum Recht auf Elternteilzeit können das bisher kaum verbessern. Obwohl repräsentative Daten fehlen, bestätigen Umfragen mein Gefühl: Die Angst vor finanziellen Einbußen, Karriereängste und negative Reaktionen von Arbeitgebern sind echte Hürden für die Väterkarenz und erst recht für die Elternteilzeit bei Männern.

      Mit weitreichenden Folgen für die Frauen, aber auch für die Väter und Kinder in Österreich. Wir sind also weit, weit weg von einer gerechten Verteilung der Arbeit (der bezahlten wie der unbezahlten) und bekommen das Kamel namens „Geschlechtergerechtigkeit“ einfach nicht durch das Nadelöhr des Elternwerdens.

      Warum wäre das so wichtig?

      Geschlechtergerechtigkeit ist die wirksamste Gewaltprävention

      Ich gestehe: Lange Zeit gehörte ich zur Fraktion: „Ja, bedeutet Feminismus denn nicht, dass wir frei wählen dürfen, wer die Kinder betreut und wer die Erwerbsarbeit übernimmt? Was, wenn die Frau das einfach gerne und lieber macht als der Vater?“

      Diese Position habe ich in den letzten Jahren revidiert, weil ich gelernt habe: Die Gleichstellung von Eltern ist die wirksamste und wichtigste Prävention gegen Gewalt.

      In einer österreichischen Studie zu Gewalterfahrungen bei Kindern, die gerade im Erscheinen ist (Scambor / Bergmann), kommt deutlich heraus: Die Gewaltraten sind am geringsten (20,5 %), wenn beide Eltern partnerschaftlich für die Familie sorgen. Sie sind höher (28,9 %), wenn primär die Mütter sorgen, und am höchsten (35,3 %), wenn Väter das letzte Wort haben. Eine Studie aus Norwegen (Holter et al., 2009) kommt zu ähnlichen Ergebnissen – nur dass wir in Österreich ohnehin auf einem höheren Gewaltniveau starten, weil wir so schön traditionell sind. Sarkasmus Ende.

      Die Zahlen sprechen im Hinblick auf Gewalterfahrungen eine eindeutige Sprache: 50:50 ist das anzustrebende Modell. Ja, das bedeutet, dass Mütter ein Stück weit auf ausgedehnte, jahrelange exklusive Fürsorgezeiten verzichten und Verantwortung an die Väter abtreten müssen. Und ja, das bedeutet, dass auch Väter in die Pflicht genommen werden müssen, ihren elterlichen Aufgaben nachzukommen – jenseits der Rolle des Familienernährers. Nicht nur wegen der Gewaltstatistik, obwohl das allein Argument genug sein müsste. Sondern vor allem, weil:

      Kinder ein Recht auf BEIDE Eltern haben

      Und alle in der Familie haben etwas davon, wenn das Paar sich die anstehenden Aufgaben auf Augenhöhe aufteilt. Wenn Väter auch mindestens 45 % der Hausarbeit übernehmen (also waschen, kochen und putzen für die Familie), dann zeigen sich erst die wirklich positiven Effekte:

         

          • Kinder entwickeln sich besser, haben höhere Bildungs- und Lernerfolge.

          • In den Familien treten seltener Depressionen auf.

          • Väter sind gesünder.

          • Mütter sind gesünder.

          • Beziehungen sind glücklicher.

          • Väter haben besseren Sex.

          • Gewalt in Beziehungen nimmt ab.

        Kurz gesagt: Mehr Gleichberechtigung bedeutet mehr Lebensqualität – für alle. Es braucht also eine Veränderung der Positionen im Geschlechterverhältnis, damit wir ein Aufbrechen von alten Männlichkeitsmustern erreichen. Weg von einer traditionellen Männlichkeit, die oft geprägt ist von „stark sein“, „keine Gefühle zeigen“ und „Leistung erbringen“, hin zu einer sogenannten „Caring Masculinity“ – also einer sorgenorientierten Männlichkeit.

        Die patriarchale Dividende – der unsichtbare Vorteil

        Bei allen Nachteilen, die auch Männer durch starre Rollenbilder erleben, ist es wichtig zu betonen: Sie sind strukturell nicht diskriminiert – anders als Frauen oder andere Minderheiten. Sie profitieren von der sogenannten „patriarchalen Dividende“. Das sind die Vorteile, die man Kraft der Geburt als Mann in unserer Gesellschaft hat – egal ob man das will oder nicht, ob man danach gefragt hat oder nicht.

        Das anzuerkennen, ist für Männer wohl nicht immer die angenehmste Übung. Aber es ist ein wichtiger Schritt, um eingefahrene Positionen aufzubrechen, gleiche Teilhabe zu ermöglichen und altbackene Hierarchien endlich abzubauen.

        Liebe gute Fee, ich wünsche mir was …

        Nachdem ich nun weiß, was ein wirksamer Hebel für weniger Gewalt in der Gesellschaft (besonders gegenüber Frauen), ein Mittel für größere Fairness in Beziehungen und eine Maßnahme für mehr Lebensqualität aller Menschen ist, lasst mich kurz Familienministerin werden und Folgendes umsetzen:

           

            1. Eltern sind künftig verpflichtet, gleich lang in Karenz zu gehen.

            1. Mütter nehmen die ersten 1,5 Jahre, Väter die zweiten 1,5 Jahre.

            1. Danach gilt die Empfehlung, beide Elternteile jeweils 30 Stunden arbeiten zu lassen.

            1. Wer sich nicht daran hält, muss mit spürbaren finanziellen Einbußen rechnen (weniger oder kein Kinderbetreuungsgeld / Familienbeihilfe).

            1. Kinderbetreuungseinrichtungen, die wie Krankenhäuser organisiert sind und scharf über den Rechten von Kindern wachen, damit diese nicht “abgeschoben” werden können.

            1. Bessere Karrierechancen für diejenigen, die Elternkarenz und -teilzeit in Anspruch genommen haben.

            1. Plus (wenn wir schon dabei sind): verpflichtende Elternbildung im Ausmaß von mindestens 40 Stunden zu Themen nach Wahl.

          Das sollte für den Anfang reichen. Liebe Fee, mach bitte, dass diese Forderungen von allen Parteien – weil absolut sinnvoll und wichtig – durchgewinkt werden. Danach kehre ich auch gerne wieder in meinen Beruf als psychologische Beraterin zurück.

          Außer natürlich, es geht allen Paaren dann so gut, dass sie meine Dienste überhaupt nicht mehr benötigen. Aber keine Sorge: Ich habe genug Talente, mir fällt dann schon was Neues ein!

          Träum weiter! Das ist nicht die Realität. Oder doch?

          Männer sind eben nicht so, wie ihr Frauen euch das vorstellt! Und außerdem: es fehlen ihnen einfach die Vorbilder, woher sollen sie denn wissen, wie man “anders sein kann” als Mann?
          Ich möchte diesen Beitrag unbedingt mit hoffnungsvollen Gedanken schließen und zitiere an dieser Stelle nochmal aus Mareike Fallwickl’s Buch. Warum ich glaube, dass es was werden kann:


          ” Erstens haben Menschen schon immer etwas getan, was niemand vor ihnen getan hat. Das nennt man Fortschritt und Weiterentwicklung, es braucht dazu keine vorher ausgetretenen Pfade.

          Zweitens gibt es das Prinzip des Negativbeispiels: Wir können lernen, das, was andere tun, selbst nicht zu tun, weil wir erleben, dass es schädlich ist.

          Drittens haben die Mädchen, die sich in Richtung Gleichberechtigung und Feminismus orientieren, auch keine Vorbislder, ganz im Gegenteil: Es gibt kaum “mächtige” Frauen als Role Models in dieser männerdominierten Welt. (…) Trotzdem gelingt es ihnen, über den Tellerrand zu schauen und aufzubegehren, neue Wege zu gehen, sich umzuorientieren, von innen heraus nach mehr Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeiten zu verlangen.”

          (Quelle: Fallwickl, Mareike „Liebe Jorinde oder Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinander brauchen.“)

          Amen.

          Ich bin unglaublich gespannt auf deine Meinung zu diesem Thema. Antworte mir gerne per E-Mail oder hinterlasse einen Kommentar unter dem Beitrag! Danke für dein Mitdenken und – fühlen!

          Der große Neujahrsirrtum

          Der große Neujahrsirrtum

          Warum Neujahrsvorsätze deiner Beziehung oft nicht helfen – und was stattdessen wirklich zählt

          Neujahrsvorsätze klingen nach Aufbruch – und landen oft im Frust. In diesem Blog erfährst du, warum echte Veränderung in Beziehungen anders beginnt: mit ehrlichem Bewusstsein, kleinen Ritualen und echter Verbundenheit. Für ein Jahr, das wirklich zählt.

          Es ist Ende Jänner und die ersten gut gemeinten Neujahrsvorsätze sterben bereits vor sich hin. Nicht bei mir, denn ich hatte heuer keine. Obwohl ich einige Jahre tolle, belebende und erfüllende Vorsätze feierte – dieses Jahr fühle ich es nicht. Was nicht bedeutet, dass ich keine Ziele hab. Natürlich ist der Jahreswechsel eine wunderbare Gelegenheit, mit neuen Gewohnheiten, Gedanken und Grundhaltungen durchzustarten. Doch jeder andere Tag ist dazu mindestens genau so geeignet.

          Warum Neujahrsvorsätze so häufig scheitern

          Das Problem ist: die meisten Vorsätze basieren auf Mangel und Schuld. Wenn wir uns Dinge vornehmen, dann weil wir die Idee haben, da sollte etwas anders sein – oft sehr am Außen orientiert. Das hat manchmal recht wenig mit unseren echten Bedürfnissen zu tun. Ein Beispiel: ich nehme mir als Paar vor, einmal im Monat ein spektakuläres Date zu veranstalten, weil das auf Instagram udn Co immer so romantisch aussieht. Eigentlich bin ich aber der Typ „kuschelt sich lieber zuhause ein“ oder eine nette Waldrunde mit dir gibt mir mehr – dann wird‘s schwierig. Wir sollten uns eher an unseren ehrlichen Bedürfnissen orientieren, statt aus Schuldgefühlen oder Optimeirungsdrang heraus zu handeln.

          Was noch problematisch ist: das limbische System liebt Gewohnheiten. Es soll am besten alles so bleiben, wie es immer war – das kostet die wenigste Energie. Jede kleine Veränderung kann also inneren Widerstand erzeugen. Dagegen aufstehen kostet uns oft so viel Energie und Nerven, dass wir‘s bald bleiben lassen.

          Besonders im Hinblick auf Beziehungen sei noch gesagt: ein Vorsatz allein (und von einer Person) ändert nicht das gesamte System. Du kannst deinen Teil zum Gelingen beitragen, bist aber nicht allein dafür verantwortlich, dass es gut wird. Zu einer Partnerschaft gehören nämlich mindestens zwei. Eine bewusste Entscheidung, wieder mehr für das eigene Glück, die Zufriedenheit und die Harmonie zu tun, ist trotzdem ein guter Anfang.

          Ob mir das gelingt? Ganz ehrlich – auch nicht immer. Auch hier sind verschiedenste schöne Pläne schon in Schubladen versumpert, attraktive Vorhaben nie umgesetzt worden und gemeinsam angestrebte Ziele nicht erreicht. Doch auf welchen drei Säulen meiner Erfahrung nach echte Veränderung in Beziehungen passieren kann, möchte ich hier festhalten

          Die 3 Säulen für echte Veränderung in Beziehungen

          1. Bewusstsein

          Die Voraussetzung, etwas anders machen zu wollen, ist die Erkenntnis, dass etwas für mich nicht mehr stimmig ist oder ich mir etwas anderes wünsche. Was wir seit Jahren rund um Neujahr zelebrieren (oft direkt nach dem Neujahrswalzer um Mitternacht) ist, uns zu fragen: „Was möchten wir in diesem Jahr miteinander erleben? Worauf freuen wir uns?“ Das lenkt die Gedanken gleich in eine positive Richtung und schafft eine verbindende Energie. Wir reden über gesundheitliche, berufliche, sportliche Ziele – viele Paare reden aber selten über Beziehungsziele. Dabei könnten wir damit so schön die Segel setzen. 

          2. Mikro-Routinen

          Ich bewundere manche Paare wirklich für ihre Kreativität beim Daten. Jeden Monat ein anderer kreativer Einfall, teils mit viel Aufwand verbundene Aktivitäten oder romantisch verbrachte Paarzeit. Wenn es nicht nur für die Show auf sozialen Medien gemacht wird, kann ein besonderes Date eine unglaublich verbindende, positive und beglückende Sache sein. 

          Wenn du merkst: dafür ist in unserer Lebensphase aber kaum Zeit und Raum, uns fehlen die Ressourcen und wir möchten dennoch in uns inviestieren, dann helfen dir vielleicht folgende kleinen Routinen udn Rituale:

          • Tägliche 5-Minuten-Frage: „Was hat dich heute berührt?“
          • Sonntagabend-Check-in: „Was war diese Woche gut zwischen uns?
          • 20 Sekunden Umarmung (in der Früh / am Abend)
          • Ein 6-Sekunden Kuss (reicht, um Oxytoxin Ausschüttung anzukurbeln – das Liebeshormon)
          • Eine ehrliche Wertschätzung geben, etwas Konkretes, das ich heute beobachtet hab
          • Initiative: „Was kann ich dir heute abnehmen, um dich zu entlasten?“
          • eine Mini-Aufmerksamkeit verschenken (Post-it Zettel mit Botschaft, deine Lieblingsschokolade oder die Sportzeitschrift, die du gern hast)

          3. Verbundenheit

          Es tut mir beinah weh, das zu schreiben, aber: Disney und Hollywood tun uns keinen Gefallen mit den Liebesgeschichten, die sie erzählen. Wir haben sehr verklärte und – noch schlimmer – unausgesprochene Visionen und Träume davon, wie Beziehungen und Liebe aussehen sollten. Wenig davon hält der Realität stand.

          Liebe ist nicht nur ein Gefühl. Viel mehr ist es ein TUN-Wort. Beziehungsglück fällt nicht im günstigen Schicksalsmoment auf uns herab – viel mehr ist es ein tägliches Ja zueinander, ein Annehmen, ein Mild-sein miteinander. Dauerhafte Verbundenheit und Zufriedenheit ist kein Zufall, sondern die Entscheidung immer wieder und immer weiter aneinander, miteinander und füreinander zu wachsen. Oft so weit außerhalb unserer Komfortzonen, dass es richtig unbequem wird. 

          Beziehungsarbeit als Jahresreise – nicht als Sprint

          Traditionell ist der Jänner – nach Weihnachten und Jahreswechsel – beraterische Hochsaison. Viele Paare, wo es schon nicht mehr so gut läuft, retten sich irgendwie über die Feiertage und fassen dann mit dem Glockenschlag der Pummerin den Entschluss: so kann‘s nicht weiter gehen. 

          Als psychologische Beraterin möchte ich sagen: Beziehung ist wie ein Garten. Er braucht das ganze Jahr über Pflege, es gibt winterliche Phasen wo alles brach liegt und unter einer dicken Eisdecke verschollen scheint bevor es wieder zum Aufblühen kommt. Jahreszeiten in Beziehungen sind völlig natürlich – niemand erlebt dauerhaften Liebes-Hochsommer. (Das würden wir auch gar nicht aushalten.)

          Doch von schönen Plänen, guten Vorsätzen und tollen Ideen entsteht noch kein Garten. Es braucht das Pflanzen von Samen, unser Gießen und Vertrauen, dass es Zeit braucht, bis wir die Früchte ernten können. Wir dürfen die Hände in den Dreck stecken und uns anstrengen, dann freuen wir uns auch deutlich mehr über das, was wächst und wir irgendwann ernten dürfen.

          Und manchmach darf auch etwas sterben. Nicht jede Entwicklung ist mit jedem Menschen möglich. Manchmal wurde zu lang auf das Pflegen vergessen – da kommt jede gute Gießkanne zu spät. Das ist natürlich meist traurig und ernüchternd, schmerzt und erschüttert oft das gesamte Umfeld – doch besser etwas Fauliges in den Kompost geben und zu etwas Gutem verwandeln lassen, als alles umliegende auch noch damit zu zerstören.

          Vom Wissen ins Tun kommen.

          So will ich dir an dieser Stelle Mut machen. Du brauchst keinen perfekten Plan. Nur den ersten Schritt. Auch ein verwilderter Beziehungs-Garten kann zu neuem Leben erwachen und schön werden, wenn man mal weiß: 

          • WIE wollen wir das denn haben – unsere Partnerschaft?
          • WAS finden wir schön miteinander und aneinander?
          • WAS bin ich bereit, dieses Jahr zum Gelingen dieser Verbindung beizutragen?

          Und dann geh, und setzte um. Die großen Vorhaben – und besonders die klitzekleine, die jeden Tag Platz haben. Weil sie nix kosten und kaum Zeit verlangen. Vielleicht bemerkst du die Veränderung nicht gleich beim ersten Mal. Doch verlasse dich drauf: wie in einem Garten wird sich Wachstum und Entwicklung zeigen. Es wird sich verändern – weil du etwas anders machst. Und wenn dein Gegenüber auch motiviert ist, habt ihr doppelte Schubkraft. 

          Dann steht einem geglückten Jahr in beziehungstechnischer Hinsicht praktisch nix mehr im Wege. Schon gar nicht die nicht gefassten Neujahrsvorsätze.


          Wenn du dir schon länger vornimmst, deiner Beziehung mit professioneller Begleitung neue Ausrichtung und Aufrichtung zu gönnen, dann hol dir jetzt deinen kostenlosen und unverbindlichen ERSTGESPRÄCHstermin.

          Allein ist es oft sehr viel mühsamer, die angestrebten Veränderungen in die Umsetzung zu bringen, Missverständnisse und alte Konflitke säumen den Weg und ihr wünscht euch dringend neuen Input?

          Lass uns darüber plaudern, wie eine individuelle Begleitung eurer Paarbeziehung aussehen kann, was das kostet, was ihr erreichen wollt und was ich dazu beitragen kann. Du hast nix zu verlieren – außer …

          Mental Load: 6 Bullshit-Sätze, die endlich aufhören müssen

          Mental Load: 6 Bullshit-Sätze, die endlich aufhören müssen

          Am Rand des nervlichen Abgrunds

          „Die Frauen müssen halt aufhören, alles immer so perfekt machen zu wollen!“ War der Originalsatz der kinderlosen Psychologin, die neben mir Platz genommen hatte. Obwohl wir beide als Expertinnen geladen waren, blieb mir kurz die Spucke weg. Denn es war nicht nur fehlendes Wissen, sondern blanker Hohn, was sie von sich gab. 

          Während ich im Kopf den proppenvollen Alltag von Kleinkindfamilien vorüberziehen sah mit den unendlich vielen To-Dos und Dingen, die bedacht werden müssen schüttelte ich innerlich den Kopf. Gestandene, gut organisierte Frauen wandeln ob dieser Anforderungen am Rand des nervlichen Abgrunds. Ich fühlte, wie das Gespräch in eine problematische Richtung abbog und erlaubte mir nicht, direkt zu widersprechen. Doch ich blieb einigermaßen sprachlos zurück.

          Man muss keine Kinder haben, um das Problem zu verstehen. Es reicht ein Mindestmaß an feministischem Denken, Fühlen und Verstehen.

          Wie sich Mental Load anfühlt

          Das Piepsen der Müllabfuhr Freitag Morgen reißt mich vom Küchensessel, ich eile mit dem Biomüll gerade noch rechtzeitig zur Tonne hinaus. Beim Hineingehen sehe ich den verwelkten Blumenstock an der Tür, der getauscht werden müsste. Stolpere in der Garderobe über zu viele Schuhe – die gehören längst wieder mal aussortiert, weil sie den Kids nicht mehr passen. Ich wasche den Biokübel aus, will einen neuen Beutel reingeben, doch ich greife in den leeren Karton. Also schnell auf die Einkaufsliste setzen, da koppt eine Erinnerung am Handy auf: die Zahnarzttermine sind wieder fällig. Während ich die Brote streiche, piepst schon die Waschmaschine, beim Geschirrspüler ist das Salz nachzufüllen und ein Kind ruft aus dem oberen Stock „Ich brauch’ noch 36€ für den Schulausflug – aber genau, bitte!“

          Neverending story

          Das ist Mental Load – und nein, es ist kein Luxusproblem, kein Frauenhobby und keine Überempfindlichkeit. Es ist die mentale Belastung des daran denken müssen, oder anders gesagt: die unsichtbare Denkarbeit, die dafür sorgt, dass das Leben rund läuft. Zwischen Terminen, To-Dos und notwendigem Vorchecking. 

          Fast immer hängt dieser in Familien überwiegender Weise bei den Müttern – warum das so ist, klären wir hier noch. Wir sind die, die  erinnern, koordinieren und (für alle) mitdenken. Es geht nicht um das Tun, sondern um das Denken an das, was zu tun ist. Das Verheerende: diese Arbeit im Kopf hört nie auf.

          Gedankenleere Räume

          „Woran denkst du grad?“ Frag ich öfter meinen Mann. Und obwohl wir eine sehr feine Gesprächsbasis haben, eine offene Kommunikationskultur und ausladende Unterhaltungen lieben, sagt er manchmal: „Nix.“ Das ist für mich so ein unvorstellbarer Zustand, den ich mir nur hart auf der Yogamatte oder hin und wieder in Meditation erarbeiten kann, dass ich fast ein wenig neidisch auf ihn bin. Ich hab mich auch bei anderen eloquenten, kommunikativen und reflektierten Männern erkundigt: diesen Zustand gibt es anscheinend tatsächlich.

          An dieser Verwunderung kann ich schon erkennen, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit stärker den Mental Load unserer Familie trage: in meinem Kopf ist es ganz selten still.

          Was genau falsch läuft, wo die häufigsten Missverständnisse liegen und was unbedingt anders gedacht werden muss, kläre ich hier und heute mit sechs Bullshit Sätzen samt Erklärung auf.

          Die BULLSHIT Sätze:

          “Wenn’s dich stresst, dann hör halt auf, alles perfekt machen zu wollen.“

          Ja, es gibt sie. Die Eltern, die jede Jausendose in ein kulinarisches und optisches Wunderwerk verwandeln, Brot in Sterne ausgestochen servieren und Geburtstagsmuffins für den Kindergarten so aufwendig verzieren, dass der örtliche Konditor vor Neid erblasst.
          Manchen machen diese Dinge Spaß und die sollen es um Himmels Willen weiter so tun dürfen, wenn sie wollen. 

          Doch für alle anderen von uns gilt: Mental Load entsteht nicht aus unserem Perfektionismus, sondern aus Verantwortung. Weil irgendwer nun mal die Jause zubereiten und den Kuchen für die Geburtstagsfeier bereitstellen muss. Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, sondern darum nichts zu vergessen, was sonst keiner macht – und worauf andere mündige Erwachsene sich verlassen.

          „Du musst halt mal loslassen – dein Partner kann das auch!“

          Ja, es gibt Menschen, die trauen ihren Partner*innen nicht mal zu, die eigenen Kinder ins Bett zu bringen. Lieber übernehmen sie alles selbst und behalten die Kontrolle, bevor alles nicht exakt so läuft, wie sie sich das vorstellen.

          Doch Loslassen funktioniert nur, wenn da jemand anderes DA ist, der auch wirklich übernimmt. Vor allem, wenn niemand mehr daran denkt und erinnert. Verantwortung kann man nicht einfach fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel – dafür geht es um zu viel: die eigenen Kinder, das eigene Wohlbefinden und die Sicherheit. Frauen machen leider die Erfahrung, dass das nicht gelingt und wichtige Dinge nicht oder fehlerhaft passieren, wenn sie nicht dahinter sind. Beispiele aus der Praxis?

          • Es wird vergessen, Medikamente zu verabreichen.
          • Einschlafbegleitungen eskalieren, weil Feinfühligkeit fehlt.
          • Kinder werden nicht warm genug angezogen und erkälten sich.

          Ich sag zwar immer: „Die Väter sind zumutbar.“ Manches halte ich jedoch auch beim Mitzuhören nur sehr schlecht aus und verstehe die Mütter umso besser.

          „Ich helfe dir doch eh im Haushalt und mache fast alles!“

          Tut mir Leid, das zu sagen, aber Hilfe ist da nicht gefragt. Wer „hilft“, sieht sich selbst nicht mitverantwortlich, sondern verleiht das Gefühl, es wäre eigentlich mein Job. Gutwilliger Weise nimmt man mir davon was ab.
          Nein. Gleichwertige Aufteilung beginnt da, wo BEIDE den Überblick und die Verantwortung tragen, wo Bereiche sinnvoll und klug aufgeteilt werden und jeder das übernimmt in voller Konsequenz, was sein oder ihr Aufgabengebiet ist. Nicht, wo einer „mitmacht“ und dafür gerade nicht auch noch beklatscht werden will.
          Wer in einem Haushalt zusammenlebt, trägt für die eigene Wäsche, den eigenen Lebensmittelbedarf oder den Dreck, den man verursacht prinzipiell selbst die Verantwortung. Partnerschaftliche Aufteilung bedeutet: jeder macht, was er kann und was notwendig ist, um das Leben BEIDER zu erleichtern.

          „Ich sag dir ja immer, du brauchst mir nur sagen, was zu tun ist!“

          Genau das ist jedoch Mental Load. Selbst der willigste Partner, der alle Dinge auf der Liste wie vereinbart erledigt, hat noch nicht entlastet, wenn es um die Denkarbeit geht. Die Frau ist immer noch diejenige, die Energie, Aufmerksamkeit und Fokus verliert wie ein Computer, bei dem dutzende Tabs offen sind, weil sie für Kinder (und Partner) mitdenkt. Das kostet Arbeitsspeicher und Energie und daher fühlen sich die Frauen am Ende des Tages wie ein abgestürzter PC.

          Erinnern, Denken, Koordinieren – und vor allem: die Fülle dieser vielen kleinen Aufgaben sind das Problem. Wenn du jemanden brauchst, der dich erinnert, Günther, dann ist das keine Entlastung. Das ist Outsourcen deiner Verantwortung an die Person, die ohnehin zu viel für andere (Minderjährige) mitdenken muss.

          „Dir kann man es ja sowieso nicht recht machen – mit deinen Ansprüchen. Wozu bemühen?“

          Dass Frauen „unrealistisch hohe Ansprüche“ haben, die ihre Männer „sowieso nie erfüllen“ können ist ein dazugehöriges Problem. Die Latte hängen Frauen sich nicht selbst so hoch, sondern die Gesellschaft, die Frauen ständig daran bewertet, wie sie das mit Kind und Kegel so schaffen.
          In Befragungen haben 30% der Männer außerdem angegeben, dass sie sich manchmal absichtlich ein wenig dumm anstellen, damit sie die Aufgabe nicht nochmal aufgetragen bekommen. 30% (!!!) sagen das öffentlich, wenn jemand wildfremder fragt. Die Dunkelziffer will ich lieber nicht kennen.

          „Even a top-tier-man is just an average woman“

          hab ich neulich auf Instagram gelesen. Was bei Frauen selbstverständlich ist, wird bei Männern glorifiziert. Was bei Frauen erwartet wird, wird bei Männern gefeiert. (Bedeutet so viel wie: „Selbst ein Mann auf Top-Niveau ist gerade mal eine durchschnittliche Frau.“)

          • Er plant die Geburtstagsfeier? Der ist ja ein Jackpot.
          • Wow, er geht sogar mit dem Kind zur Spielgruppe? Du hast ja Glück.
          • Dein Mann besorgt den Adventkalender? Wow, so einen hätte ich auch gern.

          Es gibt ja auch noch viel schlimmere Männer, ich weiß. Doch die Messlatte hängt so tief, dass sogar die Hölle angerufen hat, dass sie die nicht haben will, lautet Tara Wittwer’s Antwort darauf. 

          „Frauen sind halt besser organisiert! Es liegt in ihrer Natur!“

          Nein, es liegt in der Sozialisation und fixierten, altbackenen Rollenbildern. Frauen müssen oft besser organisiert sein, weil es von Anfang an von ihnen erwartet wird. Sie werden gelobt, wenn sie sich besonders gut um andere kümmern, fürsorglich sind und emphatisch agieren. Jungs bekommen Schulterklopfer, wenn sie ein wenig spitzbübisch, waghalsig und sich durchsetzen. Es ist kein Talent, sondern ein System, das Menschen unterschiedlichen Geschlechts unterschiedlich formt.
          Das Gehirn ist bei der Geburt identisch. Erst die Erfahrungen, die Kinder im Heranwachsen machen, wofür sie bestärkt werden und was ihnen zugetraut wird, macht sie zu geschlechtstypischeren Wesen. Und zementiert z.B. die ungleiche und ungerechte Verteilung von unbezahlter Arbeit ein, statt sie fairer zu verteilen. Weil beide es könn(t)en.

          Wie wir es besser machen können

          „Ach, wie ihr Frauen immer jammert. Geht doch endlich dran, eure Probleme zu lösen!“ So tönt es aus Kommentarspalten unter Mental Load Beiträgen auf Social Media.
          Sachliche Kritik wird als Jammern abgetan, die strukturelle Ungelichverteilung als „Kommunikationsproblem“. Nichts desto Trotz will ich den Abschluss hier lösungsorientiert, motivierend und praxisnah gestalten.
          Nicht, weil wir das Problem lösen müssen. Sondern weil ich mich immer besser fühle, wenn ich die Idee hab, wie ich selbst was anders machen kann. Daher hier Tipps für Paare, die die mentale Arbeit des Daran denken müssen fairer verteilen möchten.

          Zum Abschluss ein konstruktiver Teil – lösungsorientiert, motivierend, praxisnah:
          • Sichtbar machen: Sprecht über die Aufgaben, die unsichtbar sind. Macht Listen und schreibt alles auf, woran zu denken ist, damit der Laden läuft. Das ist die Basis für …
          • Verantwortung teilen: Nicht Hilfe anbieten, sondern Zuständigkeit übernehmen. Ganze Prozesse auslagern, nicht nur Arbeitsschritte eines Projekts delegieren. 
          • Mental Load regelmäßig checken: Wer trägt gerade wie viel? Wie fühlt sich das an? Diese Gespräche als Anlass nehmen, über eigene Werte und Bedürfnisse ins Gespräch zu kommen.
          • Definition of done: bei einzelnen Arbeitsabläufen (egal ob Wäsche falten, Brotdosen richten oder der Geburtstagstorte): was ist eure „Definition von Erledigt“. Wo hat jeder seinen Raum sich individuell zu entfalten in der Abwicklung und was ist absolutes Minimum.
          • Vertrauen üben: Wenn der andere übernimmt, nicht kontrollieren – sondern loslassen lernen. Ermutigen und dann auch eventuelle Konsequenzen selbst übernehmen lassen. 
          • Systeme ändern, nicht Menschen: Wir brauchen Strukturen, die Entlastung ermöglichen – nicht mehr Selbstoptimierung. Manches schaffen wir nicht in der Familie. Es braucht die Gesellschaft und die Politik. Daher zahlt sich laut bleiben und aufzeigen immer aus. Steter Tropfen höhlt den Stein. Da bin ich mir ganz sicher.

          Einladung zum Gespräch

          Mental Load wird kleiner, wenn wir anfangen, darüber zu reden. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit echtem Interesse. Denn wer Verantwortung teilt, teilt auch Erleichterung. Wo das Verständnis für diese Arbeitsleistung einziehen kann, ist der Weg zur fairen Aufteilung geöffnet. Und Gespräche über die tiefer liegenden Wertvorstellungen, Bedürfnisse und Ausrichtung erhellen den Pfad.

          Ein Einstieg? Gemeinsam den Qual Care Test machen und darüber ins Gespräch kommen, wer was übernimmt und überhaupt vorher schon daran denkt. Lösungen ausprobieren und testen – evaluieren und anpassen wie ein Projekt in einem Betrieb. So soll und darf das sein. Projektmanagement vom Feinsten. Damit können Männer bestimmt gut was anfangen.

          Warum sich das auszahlt? Weil Gleichberechtigung und gleichwürdige Aufteilung von Arbeitslast in Familien das beste Investment in Langlebigkeit von Beziehung ist und die Wertschätzung für das Tun des jeweils anderen (in jedem Bereich) auf ein völlig neues Niveau hebt.


          Wenn du spürst, dass in eurem Alltag mehr Denkarbeit an dir hängenbleibt, bist du damit nicht allein –
          und du bist auch nicht zu empfindlich.
          Gleichberechtigung beginnt damit, dass wir sichtbar machen, was lange unsichtbar war.

          Hol dir den Equal Care & Mental Load Test, tauch ein Stück tiefer in eure Aufteilung ein und
          nimm ihn als Einladung zu einem guten Gespräch.
          Nicht um Schuld zu verteilen – sondern um Entlastung, Wertschätzung und echte Partnerschaft zu schaffen.

          Dein Alltag darf leichter werden.

          21 Jahre Mama – was ich heute anders machen würde (und warum es weh tut, das zuzugeben)

          21 Jahre Mama – was ich heute anders machen würde (und warum es weh tut, das zuzugeben)

          Nach 21 Jahren Mama-Sein ziehe ich Bilanz: Was ich heute als Mutter anders machen würde, welche Fehler ich nicht mehr wiederholen würde – und worauf ich trotzdem stolz bin.

          🎂 Geburtstage – mehr als Torte und Kerzen


          Sie sind eine Einladung – nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Zurückblicken und Reflektieren.

          Als unsere Erstgeborene ihren 21. Geburtstag feierte, spürte ich diesen Impuls wieder mal besonders intensiv:
          Ich wollte verstehen, was wir als Eltern gut gemacht haben – und wo wir heute vielleicht anders handeln würden.
          Meine 5 größten Fehler als Mama füllen einen anderen Beitrag.

          Elternschaft – eine Reise ohne Landkarte

          Elternschaft ist eine wilde Reise – von der man (bevor sie beginnt) in Wahrheit reichlich wenig Ahnung hat. Ich hab Erzählungen anderer Eltern nicht geglaubt („Ich stell mich ja sicher mal nicht so blöd an!“) und dachte mit vier jüngeren Schwestern und als gelernte Kleinkindpädagogin hab ich alle Weisheit auf meiner Seite. Was soll schon passieren?

          Wenn du schon Elternteil bist, wirst du schon an dieser Stelle milde lächeln und dich womöglich selbst wieder erkennen. Ich will ehrlich sein:
          NEIN, wir haben nicht alles falsch gemacht.
          JA, ich hatte Vorteile, weil ich Babypflege und-betreuung schon aus nächster Nähe miterlebt hatte.
          JA, die pädagogische Ausbildung war gold wert.
          JA, ich bin sehr stolz auf das Allermeiste, was wir als Eltern geleistet haben.
          NEIN, wir waren auf die Realität trotzdem nicht vorbereitet.

          Als ich mein 22. Jahr Elternschaft begann, habe ich mich gefragt:
          „Was würde ich anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte?“
          Elternschaft konfrontiert dich mit dir selbst, deinen Grenzen, deinen Schatten – und deinem Herzen.

          Wenn du schon Mama oder Papa bist, nickst du wahrscheinlich gerade.
          Denn du weißt, wie es ist, voller Überzeugung loszugehen – und dann ganz neu lernen zu müssen.

          Und auch wenn ich heute weiß, dass wir vieles richtig gemacht haben:
          Wir waren nicht vorbereitet auf die Realität.

          Die Antworten auf meine Frage sind ehrlich. Manchmal unbequem. Aber befreiend.

          WÜRDE ICH ELTERN SEIN VON VORN BEGINNEN KÖNNEN, WÜRDE ICH …

          1️⃣ Ich würde die unangenehmen Gespräche zuerst führen.

          Eine Familie zu werden ist so unendlich idyllisch aufgeladen. Die allermeisten Menschen vergessen über dem Zauber des heranwachsenden Lebens, zentrale Dinge vorab zu klären. Und JA: da müssen Dinge besprochen werden. Ich würde also darauf bestehen, grundsästzliche Fragen zum Eltern sein mit meinem Partner durchzugehen, wie:

          • Wie wollen wir die Arbeitslast eines Kindes (Care Arbeit) fair auf uns zwei verteilen?
            Denn nein, Care Arbeit ist niemals nach 40 Wochenstunden erledigt und beide sind zuständig und fähig diese Arbeit zu tun.
          • Wie wollen wir unsere Rollen als Vater / als Mutter generell anlegen und leben?
            Wenn wir das nicht bewusst gestalten, finden wir uns schneller als uns lieb ist in den vorgelebten und womöglich sehr veralteten, traditionellen Rollenmustern wieder, die wir vielleicht so gar nie haben wollten.
          • Wie sorgen wir für finanzielle Fairness, wenn einer mehr unbezahlte Arbeit (auch Haushalt) erledigt als der andere?
            Wenn im Bereich Finanzen eine Schieflage entsteht, die nicht mit absoluter Wertschätzung und Offenheit behandelt wird, prägt das andere Lebensbereiche verlässlich negativ mit.
          • Werden wir ein Pensionssplitting vereinbaren?
            Oder anders gefragt: sind wir bereit unsere Einzahlungen fair zu verteilen, wenn wir unterschiedlich viel unbezahlte Arbeit leisten – haben wir die nötige Wertschätzung für BEIDE notwendigen Lebensbereiche?
          • Wie wollen wir dem potenziellen Schlafmangel entgegen treten?
            Sollten die Nächte sehr fordernd sein, müsst ihr euch als Team verstehen. Sonst verliert einer nicht nur den Schlaf, sondern auch bald den Verstand und jede Kooperationsfähigkeit.
          • Wo werden wir lernen, was es braucht, um gute Eltern zu sein?
            Denn, NEIN. Eltern sein ist nicht angeboren oder instinktiv zu erledigen. Es braucht unglaublich viel Know-How, Fachwissen und Bildung, um dem herausforderndsten, komplexesten und bedeutendsten Job der Welt halbwegs passabel erledigen zu können. Ja, du brauchst auch dein Gefühl – aber weitaus mehr erzieherische Kompetenz als du meinst.
          • Welche Werte möchten wir in unserer Begleitung der Kinder hoch halten?
            Wenn klar ist und regelmäßig geklärt wird, welche Werte oberste Priorität haben, fällt das Entscheidungen treffen leichter. Und du wirst sehr viele Entscheidungen treffen. Jeden Tag. Werte sind dein Kompass und dein Anker – du solltest sie im Schlaf aufsagen können.
          • Wie verteilen wir den Mental Load, der sich durch Elternschaft potenziert, fair?
            Wenn die ganze Denkarbeit an einer Person hängen bleibt, kann das Gefüge sehr schnell kippen und in die Überforderung führen. Es zahlt sich aus, erst gar nicht in diese Falle zu tappen versuchen – sollte das möglich sein.
          • Wie sorgen wir für absolute finanzielle Transparenz und Gleichwürdigkeit? Besonders in Zeiten, wo wir nicht beide vollerwerbstätig sind, weil Kinder Zeit und Betreuung von uns brauchen?
            Finanzielle Offenheit und gleichwürdiger Umgang sollten bare minimum sein, ist es aber oft nicht. Wer darauf nicht achtet findet sich schneller in Machtspielchen beim Tarnen und Täuschen wieder, als einem lieb ist. Das könnte ein großes Aua geben.

          Hinter jeder einzelnen Frage steckt so viel. Nein, wir haben keine einzige dieser Fragen vor unserem ersten Kind geklärt – sondern als die Themen laut an unsere Tür geklopft haben. Wir haben erst viel zu spät bemerkt, wie stark wir ins Thema Eltern sein rein gerutscht sind, ohne bewusst zu machen, was da mit uns passiert. Das tut im Nachhinein ein bisschen weh.

          Wir haben überlebt. Weil wir uns den unangenehmen Gesprächen gestellt haben.
          Kann sein, dass eine von uns nicht aufgegeben hat, diese Fragen auf den Tisch zu bringen. Ups.

          Glücklicherweise hatten wir ähnliche Vorstellungen von dem, wie Familie für uns aussehen sollte. Wir lebten lang ein traditionelles Rollenmodell, für das wir uns beide mehr oder weniger bewusst entschieden hatten. Trotz aller finanziellen Nachteile würde ich immer wieder den Weg gehen, die Kinder in den ersten (mindestens drei) Jahren selbst zu betreuen – für mich eine der besten Entscheidungen, wenn ich zurück schaue. Alles was es an Ausgleich dazu gebraucht hat, haben wir dann in harten Verhandlungen später fest gelegt. Den Teil hätte ich uns gern erspart – auch wenn er notwendig war.

          Was ich noch anders machen würde?

          2️⃣ Ich würde ein riesiges Familienbett anschaffen.

          Nach kurzen Bemühungen bei Kind 1 es nach einigen Monaten im Babybett anzugewöhnen (wir scheiterten natürlich kläglich), schliefen wir überwiegender Weise in unserem Doppelbett. Zu dritt, zu viert, ganz selten zu fünft (da waren die Älteren dann schon raus).


          Da wir in zahllosen Nächten zu wenig Platz hatten, würd ich aus heutiger Sicht in ein gigantisches Familienbett investieren (mindestens 3,5 m breit), wo alle nebeneinander einen gemütlichen Schlafplatz haben. In meiner Vorstellung wären die Nächte dann entspannter gewesen als mit der Notlösung, die wir aufbrachten: wir haben einfach ein Einzelbett mit Kabelbindern für ein, zwei Jahre an unser Ehebett dran gebunden. 

          3️⃣ Ich würde Besuche verschieben und das Wochenbett heilig halten.

          Die Vorstellung, so früh wie möglich wieder „wie vorher“ zu funktionieren, weil das ein Zeichen dafür wär, es als Mutter besonders gut zu machen ist kompletter Bullshit. Keine Ahnung, wer sie mir in den Kopf gesetzt hat, aber sie war da. Erst bei Kind Nummer drei hatte ich die Coolness, Ruhe und Abgeklärtheit, allen zu sagen, dass es mir nicht gut ging (was eine reine Lüge war, mir ging’s blendend).
          Diese Aussage hält verlässlich alle ungebetenen Besucher*innen fern und garantiere mir ein super entspanntes Wochenbett. Und die liebsten Freundinnen, Schwestern und engste Familie … über die freut man sich im besten Fall sowieso. wenn sie verstanden haben, wie ein guter Wochenbettbesuch aussieht! Rückblickend wünschte ich, das schon beim ersten Kind verstanden zu haben. Es „brauchte“ leider zwei, drei Brustentzündungen und eine ausgewachsene Erkältung, bis ich checkte, dass ich niemandem was beweisen muss. Schon gar nicht mir selbst. Und dass die ersten Wochen eine heilige Zeit sein dürfen, die so störungsfrei und ruhig wie möglich ablaufen dürfen.

          Rückblickend: So viel richtig gemacht

          Beim Zusammentragen dieser Erkenntnisse wurde mir vor allem aber eins klar: ich hab SO SO SO viel richtig gemacht, gut entschieden und mega bewältigt. Ich war 24 Jahre jung und hatte ein fantastisches Gespür für meine Babies, war so präsent und hab feinfühlig beantwortet. Die ersten Jahre sind fürchterlich anstrengend, doch es ist das beste Return on investment, das ich mir vorstellen kann. Wir haben so viel gelacht und miteinander erlebt. Wann immer ich ein altes Familienvideo aus der Schublade krame (Ja, das waren noch DVDs!), hören meine Kinder diesen Satz am häufigsten: „Ma, ham’s wir schön g’habt.“
          Mir stehen jetzt wieder die Tränen in den Augen, während ich das schreibe. 

          Denn: JA – manches würd ich heut anders machen. Aber auf noch viel mehr in diesen 21 Jahren Elternschaft bin ich unglaublich stolz. 

          Du wirst bald Mama oder Papa und möchtest dich gut vorbereiten?

          Dann schnapp dir meinen Kurs „PLÖTZLICH ELTERN – mit Teamgeist das erste Jahr meistern“ und hole dir, was ich zusammengetragen hab an Know-How, praktischen Tipps und klugen Ansätzen, wie es gelingen kann. Denn LEBENDIGE BEZIEHUNGEN beginnen mit dem ersten Atemzug.


          👶 Für alle, die gerade Eltern werden

          Wenn du bald Mama oder Papa wirst und dich bewusst auf Elternschaft vorbereiten willst,
          dann schnapp dir meinen Kurs:

          Darin steckt all mein Wissen aus 21 Jahren:
          Fachliches Know-how, praktische Tipps, ehrliche Erfahrungen und Strategien,
          damit euer Start als Familie gelingt.

          Denn: Lebendige Beziehungen beginnen mit dem ersten Atemzug.


          Was uns niemand über Beziehungsfähigkeit sagt – aber JEDER fühlen kann.

          Was uns niemand über Beziehungsfähigkeit sagt – aber JEDER fühlen kann.

          „Ich bin eine Zumutung!“ Das hat kürzlich ein reichweitenstarker deutscher Influencer geantwortet auf die Frage, warum er keine Freundin habe. Bis dato gab er allerhand – durchaus kluge – Sachen zum Thema Beziehungen und Beziehungsfähigkeit von sich. Man hatte immer das Gefühl: „Der hat die Beziehungsweisheit mit dem Löffel gefressen.“ Derweil liegt er meilenweit daneben und hat gleichzeitig recht. Ich erklär‘s dir. 

          Beziehung als Belohnung?

          „Ich hab gedatet, ohne zu wiessen wie gesunde Beziehungen wirklich gehen. Wir alle stecken fest in einer Aneinanderreihung immer schlechterer Dates und ungesund werdenden Beziehungen. Mir fehlt selbst das Wissen, wie man Beziehungen führt, wie man auf gesunde Art Konflikte löst. Das ist fahrlässig. Grob fahrlässig.“

          Er trifft einen Nerv mit seiner Aussage. Denn ob wir es zugeben wollen oder nicht: Wir alle sind in einer Form eine Zumutung für andere. Unvollkommen. Unfertig. Überfordert.

          Doch die Wahrheit, die kaum jemand ausspricht: Beziehung war nie gedacht als Belohnung für fertige Menschen. Beziehung ist der Raum, in dem wir Beziehung lernen. In dem wir wachsen und uns entwicklen – wie alle Fähigkeiten, die es für erfolgreiche Beziehungen braucht. Beziehung ist der Weg des Wachstums, nicht das Ergebnis dieser Kompetenzen.

          Beziehung braucht MUT. Nicht Perfektion. 

          „Ich date erst wieder, wenn ich weiß, wie man eine Beziehung führt.“ sagt der Influencer. Was irgendwie verständlich klingt, ist ein fataler Trugschluss.
          Denn Beziehungsfähigkeit lernt man nich im Kopf. Nicht in Büchern. Oder im stillen Kämmerlein. Sondern: im Kontakt. In der Reibung. Im Spiegel der anderen.
          Es ist kein Kurs, den man erst erfolgreich bestanden haben muss oder eine Leistung, die zu erbringen ist. Beziehung ist ein Lernfeld. 

          Und JA: das ist eine zu-MUT-ung. Jede Person, die es wagt, echte, tiefgreifende, verbindliche Verbindungen einzugehen braucht eine Menge MUT. Weil es eben nur mit anderen Menschen möglich ist, zu lernen, was wir im Umgang mit anderen Menschen brauchen. Somit ist es auch eine ZuMUTung. Für dich. Für mich. Für alle.

          Die Illusion vom fertigen „Ich“

          Ehrlicherweise sehe ich die Zukunft für den wortgewandten Herren trüb. Denn diese Zurückhaltung hat Folgen. Menschen gehen aus verschiedensten Gründen keine Beziehungen ein. Manche brauchen Zeit und Raum, um vorher Erlebtes erstmal zu verarbeiten. Viele danken aber vielleicht:

          • „Ich will niemanden verletzen, ich muss erst an mir arbeiten.“
          • „Ich will diesen Schmerz nicht mehr fühlen, wenn es wieder schief geht.“
          • „Ich muss mich erst komplett selbst lieben, bevor ich das von jemand anderem verlange.“

          Und ja. Du wirst die beste Wertschätzung eines Gegenübers nicht gut annehmen können, wenn du dich selbst bei jeder Gelegenheit in Grund und Boden redest (oder denkst). Du wirst dich auch nicht von jemand anderem geliebt fühlen können, wenn du dir selbst nur mit Abscheu begegnest. Und du wirst höchstwahrscheinlich nicht respektvoll behandelt werden, wenn du dich selbst permanent in den Schatten stellst.

          Doch je länger du dich zurück ziehst, desto weniger wirst du lernen, wie Beziehung wirklich funktioniert. Und desto größer wird der Abstand zwischen dem Menschen, der wir sind – und dem Menschen, der wir glauben sein zu müssen, um „beziehungsfähig“ zu sein.

          Was wir über Beziehung wissen müssen, lernen wir in Beziehung.

          So wie du Schwimmen nicht in deinem Wohnzimmer lernst (außer dort ist ein Indoor Hallenbad). Sondern indem du ins Wasser gehst, dich mit dem Element vertraut machst, untergehst – auftauchst – atmest und weitermachst. Niemand verlangt von Nichtschwimmern, dass sie im tosenden Meer ihre ersten Tempo machen. Wir sorgen für einen überschaubaren Rahmen, ein langsames Herantasten und ganz viel Anleitung samt guten Strategien von erfahrenen Trainerinnen.

          Das machen wir auch in Beziehungen. Wir heiraten nicht vor dem ersten Date (außer in fragwürdigen TV-Shows), gründen gleich noch eine Firma zusammen und übernehmen die Verantwortung für Haus samt Kredit und drei Kindern. Was dem Schwimmen im stürmischen Meer gleichkommen könnte. Wir lernen uns kennen, verbringen mehr und mehr Zeit zusammen und lernen voneinander. Was von uns übrig ist, wenn alles weggeschält wird, was so an Fassade und gesellschaftlichen Masken aufgetragen wurde.

          Das Unvermeidliche. (Was der Influencer noch nicht weiß.)

          Der Influencer spricht in dem Video davon, erst wieder zu daten, wenn er weiß, was er da tut und keine Zumutung mehr ist, weil er sich weiterentwickelt hat. 

          Damit er niemandem mehr wehtut mit seiner mangelnden Beziehungsfähigkeit. Was er noch nicht weiß: auch erfolgreiche Beziehungen funktionieren so nicht. 

          Es gibt KEINE Möglichkeit, wie wir Beziehung leben, ohne der Gefahr zu verletzen oder selbst verletzt zu werden. Denn Nähe macht verletzlich. Nicht, weil wir das so wollen. Sondern weil wir Menschen sind, lebendig und fehlerhaft. Es passiert uns – meist ohne böse Absicht. Drum haben so viele Menschen Angst davor, sich fest zu binden: die Chance einer tiefen, intimen, echten Verbindung gibt es nicht ohne dieses Risiko.

          „Cause we‘re young and we‘re reckless. We‘ll take this way to far. It‘ll leave you breathless – or leave a nasty scar. Got a long list of ex-lovers. They‘ll tell you I‘m insane.
          But I‘ve got a blank space, baby. And I’ll write your name.“

          Taylor swift – blank space

          Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen Verletzlichkeit und Fahrlässigkeit. Menschen, die vortäuschen, manipulieren oder berechnend sind – nur um eigene Vorteile zu haben – sollten Warnschilder tragen. Damit diejenigen, die es ernst meinen, sich zeigen und offenherzig in Verbingungen gehen, nicht von ihnen ausgedämpft werden. Den Mutigen gehört die Welt. Es sind die, die sich immer wieder trauen, sich einzulassen, verletzlich zu zeigen und alte Muster hinter sich begraben wollen.

          Die Verantwortung liegt nicht darin, perfekt zu sein. Sondern darin, ehrlich zu kommunizieren. Konflikte nicht zu vermeiden, sondern mit viel Know-How zu gestalten und zu managen. Nicht besserwisserisch zu sein und zu wirken, sondern echter und aufrichtiger zu sein. Mit sich selbst UND dem Gegenüber. 

          Das klingt alles viel schöner als es in der Realität tatsächlich ist. Beziehungsarbeit ist oft auch anstrengend, mühsam, von Missverständnissen geprägt. Wir sind gefordert, unbequeme Wege zu gehen und kurzfristig Enttäuschung zu erleben, damit wir langfristig zufriedener sein können. 

          Beziehung = die ehrlichste Weiterbildung deines Lebens.

          Stell dir vor, Beziehung wäre ein Masterstudium. Es ist nicht nur sehr viel Theorie und fundiertes Wissen notwendig, um richtig gut darin zu werden. Vor allem braucht es, damit es auf das Leben einen Sinn ergibt, einen Transfer in den Alltag. 

          Es gibt keine Prüfungen vor Kommissionen, denn du lernst bei jedem Gespräch

          • wie du wirklich zuhörst.
          • Wie du dich zumutest – ohne dich zu verlieren.
          • Wie du bleibst, auch wenn es unbequem wird.

          Das Leben hört glaub ich nie auf, uns kleine Prüfungen zu schicken. Die uns Auskunft darüber geben, wie viel wir wirklich schon gelernt haben. Wo wir vermutlich noch etwas Nachhilfe brauchen. Weil wir ziemlich sicher NIE auslernen und somit bleiben, wie wir sind: menschlich, lebendig und ausbaufähig. 

          So wünsche ich dem Influencer im immer schwarzen T-Shirt die Erkenntnis, dass er sich nicht bis zum Umfallen optimieren muss, bevor es in einer ernsthaften Beziehung klappen kann. Und das Vertrauen und das Glück, ein Gegenüber zu finden, mit dem solche Lernerfahrungen möglich sind. Selbst so gut wie garantiert ist, verletzt zu werden oder selbst zu verletzen. Denn: in erfolgreichen Beziehungen gibt es auch Versöhnen und Verzeihen, Reparatur von schlechtem Benehmen. Auch wenn es nicht leicht ist – es ist definitiv möglich.

          Das alles braucht MUT. Und es ist genau das, was die Welt heute so bitter nötig hat.

          Menschen, die sich trauen, unfertig zu lieben.

          Wenn er nicht mit will: 5 Wege, deinen Partner für Paarberatung zu gewinnen

          Wenn er nicht mit will: 5 Wege, deinen Partner für Paarberatung zu gewinnen

          „Ich kann nicht mehr. Ich liebe ihn, aber so kann es nicht weitergehen.“

          Wenn du diesen Satz schon einmal gedacht hast, bist du nicht allein. Zufriedenheit in der Beziehung entwickelt sich manchmal sehr unterschiedlich – und gelegentlich weit auseinander.

          Dieser Blogbeitrag ist für dich, wenn du 

          • besser verstehen willst, warum Männer Abwehrhaltungen gegen Beratung zeigen
          • Handfeste, fundierte Kommunikationshilfen brauchst oder
          • dir einen Hoffnungsschimmer ohne falsche Versprechungen wünscht.

          „Frauen jammern doch ständig nur herum“ höre ich Männer oft beiläufig sagen, „… die brauchen das, damit es ihnen gut geht.“ 

          PROBLEMVULKANE in BEZIEHUNGEN

          Unbequeme Wahrheit zum Einstieg. Frauen sind evolutionsbedingt anscheinend diejenigen, die Unstimmigkeiten, Disharmonie oder Konflikte in Beziehungen schneller bemerken. Sie fühlen sich verantwortlicher für das Gelingen der Paarbeziehung (nach innen), Männer beschützen eher nach außen, sagt das Gottman Institute in den USA. Daher reagieren Frauen feinfühliger und flinker, wenn das Miteinander aus der Balance fällt. Wir sind die Seismographen für zwischenmenschliche Erdbeben oder, weniger charmant (wie es die Gottmans ausdrücken): die Problemvulkane in Beziehungen.

          Einladung statt Eskalation

          Wir bringen an die Oberfläche, spucken aus und sprechen an wenn etwas zwischen uns nicht stimmt. Damit sind wir für unsere Partner manchmal eine echte Plage, weil wir Alarm schlagen wenn sie die Erschütterung noch nicht einmal wahrgenommen haben. Und gleichzeitig ist diese Wahrnehmung wichtig und richtig. So können sich anbahnende Probleme oft schnell behoben werden, ohne zu eskalieren.

          Was aber, wenn es keine Ruck-zuck-Lösung gibt, du dir als Frau professionelle Hilfe wünscht, doch dein Partner komplett abblockt? Beratung? Therapie? Keine Chance! Bevor du verzweifelst und vor der Aufgabe, ihn zu überzeugen kapitulierst – lies, was ich dir empfehlen würde.

          BERATUNGS-ALLERGIE

          Männer reagieren oft erstaunlich abwertend gegenüber der Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Dahinter stehen ernst zu nehmende Gefühle und Befürchtungen.

          • Angst vor Schuldzuweisungen („Dann bin ich der Böse“)
          • Kontrollverlust („Da reden zwei gegen mich“)
          • männliche Sozialisation („Ich muss stark sein – Probleme löse ich allein“)
          • Fehlvorstellungen („Das ist doch nur Gefühlsduselei“)

          HOW NOT TO DO IT

          Versuche also erst gar nicht, 

          • ihn unter Druck zu setzen: „Wenn du nicht mitkommst, hat das hier keinen Sinn mehr!“
          • Ihn zu pathologisieren: „Du hast echt ein Problem, das solltest du dir anschauen…“
          • Ihn zu vergleichen: „Andere Paare kriegen das auch hin, reiß dich zusammen!“

          So verständlich und menschlich diese Reaktionen aus meiner Sicht wären (selbst wenn du recht hast): sie bringen definitiv keine Verbesserung für eure Situation und schmälern eher die Kooperationsbereitschaft statt zu motivieren. 

          Ich empfehle dir stattdessen zu überlegen, welcher Typ Mensch dein Partner ist und wie du ihn am besten abholst in seiner Welt. Wähle eine passende Formulierung und bereite dich vor, in größt möglicher Klarheit und Direktheit – ohne Umschweife – mit ihm zu reden. Hier sind 5 Wege, die du – je nach Persönlicihkeitstyp – wählen kannst. (Weitere Tipps, wie du schwierige Gespräche führst, findest du hier.)

          🧠 1. Der Rationale / Logiker

          Denkt in Fakten, mag klare Strukturen, will nicht „rumsitzen und über Gefühle reden“.

          Formulierungsvorschlag:

          „Mir geht’s nicht darum, dass wir unsere ganze Beziehung auseinandernehmen – sondern dass wir beide mal einen neutralen Blick drauf bekommen. Vielleicht hilft uns das, schneller Lösungen zu finden, statt im Kreis zu diskutieren.“

          „Das ist kein Psycho-Gequatsche, sondern eher wie ein Strategiegespräch mit jemandem, der den Überblick hat.“

          🛡 2. Der Stolze / Kontrollierte

          Will stark wirken, hat Angst vor dem Gefühl, sich bloßzustellen oder Schwäche zu zeigen.

          Formulierungsvorschlag:

          „Mir ist klar, dass du kein Fan von sowas bist – und mir bedeutet unsere Beziehung so viel, dass ich nicht einfach aufgeben will. Wenn du dabei bist, zeigt mir das: Du ziehst mit mit an einem Strang, statt uns runter zu ziehen.“

          „Du musst nichts preisgeben, was du nicht willst. Es reicht schon, dass du da bist und hörst, wie ich das erlebe.“

          😶 3. Der Unsichere / Harmoniebedürftige

          Will keinen Streit, hat Angst vor Eskalation, meidet Konflikte lieber.

          Formulierungsvorschlag:

          „Ich möchte nicht streiten – ich wünsche mir einfach, dass wir wieder mehr auf einer Wellenlänge sind. Vielleicht hilft es uns beiden, wenn wir Unterstützung holen.“

          „Ich merk, wie oft wir aneinander vorbeireden – das tut uns beiden nicht gut. Ein Dritter kann helfen, uns wieder besser zu verstehen.“

          🚪 4. Der Verschlossene / Gefühlsvermeidende

          Spricht selten über Emotionen, hat wenig Zugang dazu oder Angst vor Überforderung.

          Formulierungsvorschlag:

          „Es geht nicht darum, dass du dich plötzlich komplett öffnen musst. Ich würde einfach gern, dass wir beide jemanden haben, der uns hilft, uns nicht dauernd misszuverstehen.“

          „Du musst nicht über Gefühle sprechen, wenn du nicht willst. Es reicht, wenn du dabei bist und mit mir zusammen versuchst, unser Miteinander zu verbessern.“

          🧔 5. Der Praktiker / Bodenständige

          Mag Lösungen, denkt in „Was bringt das konkret?“, meidet Theorie.

          Formulierungsvorschlag:

          „Ich will keine Dauerthemen mehr zuhause. Ich glaub, wenn wir uns da einmal gemeinsam Hilfe holen, sparen wir uns auf Dauer eine Menge Stress.“

          Wenn’s nichts bringt, lassen wir’s. Aber ich will wenigstens einmal probieren, ob das konkret was ändert.“

          Und wenn er trotzdem NEIN sagt?

          Erstmal: Kopf hoch, wenn es dich traurig, enttäuscht oder wütend macht. Deine Gefühle sind echt und wichtig und zeigen, dass dir eure Beziehung viel wert ist – sonst wäre es ja egal. Ich möchte dir Mut machen, folgende Tipps zu befolgen:

          • Gib nicht sofort auf sondern bleib dran! Manchmal braucht eine Idee Zeit.
          • Sprich immer wieder aus, was DU dir wünscht. Ohne ihn anzugreifen.
          • Geh zur Not auch allein. Das ist ein starkes Zeichen für Selbstfürsorge und kann auch Bewegung in das System bringen.

          Silberstreif am Horizont

          Wenn deine Bitten nicht gehört, deine Unzufriedenheit kleingeredet und deine Sorgen übergangen werden, obwohl du sie klar und eindeutig kommuniziert hast (und dein Partner das auch so gehört hat!) – dann frag dich ehrlich, was dich in dieser Partnerschaft hält. Wenn du hier genügend Gründe findest, sei getröstet.

          Du kannst ihn ohnehin nicht zwingen, sondern nur einen Zugang eröffnen: ohne Druck, ohne Manipulation.

          Denke dein Bemühen als Einladung zur Verbindung.

          Und manchmal … beginnt genau dort Veränderung.


          KOSTENLOSES & UNVERBINDLICHES ERSTGESPRÄCH

          Die richtige Person für Beratung zu finden, ist (beinah) der wichtigste Teil!
          Daher biete ich kostenlose und unverbindliche Kennenlernstunden an, wo wir schauen, ob wir „zusammen passen“.

          Ihr kommt als Paar in meinen Raum (online oder in Stadl-Paura) und wir besprechen alles, was zu einer Zusammenarbeit gehört, was ihr euch wünscht und ob ich die Richtige für euch sein kann.

          Dann entscheidet ihr.

          Was ihr zu verlieren habt? GAR NIX,

          außer einer Stunde Lebenszeit, wenn ihr etnscheidet, dass das nix wird.

          (Und selbst da habt ihr eine Erkenntnis gewonnen: nämlich, dass ich es NICHT bin. Voll okay!)