Zaubersätze für dich

Zaubersätze für dich

Draußen zieht sich alles zusammen. Es wird enger und kälter. Zeit für einen Befreiungsschlag, wie ich finde. Wenn uns scheinbar die Kontrolle entgleitet, tut es gut, das zu kontrollieren, was IMMER in unserer Macht liegt:

Gedanken, Sprache, Haltungen und Handlungen.

Daher hab ich heut für dich im Angebot: ein ganzes Paket an Sätzen, die gut tun. Wenn wir sie als Eltern zu unseren Kindern sagen oder zu uns selbst. Ganz einfach zum Nachdenken, Nachsprechen und sich verzaubern (lassen). Nimm dir, was du brauchen kannst!

BRING ON THE GOOD THOUGHTS

Manchmal bin ich froh, dass niemand, wirklich NIEMAND in meinen Kopf reinschauen kann und hört oder sieht, welche Gedanken da drin herumschwirren. Oder wie viele das sind und dass die nie, oder so gut wie NIE Pause machen. Der Film „Alles steht Kopf“ könnte in meinem Gehirn gedreht worden sein. Da das „Abstellen“ von Gedanken nur mühsam mithilfe von Yoga oder Mediation für mich funktioniert, habe ich mich fest darin geübt, zumindest die „Richtung“ der Gedankenströme vorzugeben. So im Sinn von: wenn schon so viele Gedanken, dann bitte hauptsächlich und mehr von den Guten!

PROGRAMMIER DICH AUF SONNE

„Du bist da, wo deine Gedanken sind. Also schau, dass deine Gedanken da sind, wo du sein möchtest!“ Dieses Zitat in einem WhatApp Status (Quelle leider vergessen) hat mich diese Woche berührt. Weil es so stimmt. Wir schaffen unsere Realität mit unseren Gedanken – denn nicht Menschen, Situationen und Dinge zimmern unsere Welt zusammen, sondern unser Umgang damit, unsere Bewertungen, unsere Haltungen dazu. Nein, das heißt nicht, dass ich alles immer gut finden muss. Doch wir sind evolutionsbedingt immer noch viel zu sehr auf das Negative (Gefahr!) programmiert und brauchen noch viel, viel Übung in positiveren Denkstrukturen. So dass im Kopf öfter die Sonne regiert statt dickem Novembernebel.

DIE AFFEN UND DU

So mach ich hier und heute mal den Anfang und serviere dir frei Haus allgemein gültige Gedanken, die du dir gönnen darfst und Sätze, die Kindern immer wieder gut tun.

Wenn du dir beim Lesen der folgenden Sätze denkst, „… das trifft aber für mich nicht zu!“ oder „Ich kann das nicht über mich sagen!“, dann noch den einen Tipp: diesen Satz nicht nur leise denken, sondern laut sagen. (Du musst es ja nicht während der Videokonferenz tun) 

So überlistest du dein Köpfchen! Jeder Gedanke ist eine Straße im Gehirn und je öfter wir ihn denken, desto besser ist diese Straße ausgebaut. Neue Gedanken sind dann wie Schotterwege und die Affen, die den Straßenbau da oben beaufsichtigen schreien: „Hey, die Straße kennen wir nicht, die ist blöd. Und außerdem langsamer. Wir mögen sie nicht!“

Gott sei Dank bist du der Boss dieser Affen und wenn du neue (positive) Gedanken genau so oft gedacht und gesagt hast wie die alten, lassen sich auch diese Straßen gut „befahren“ und die Affen beruhigen sich. Du musst es nicht mal selbst glauben!

Es funktioniert trotzdem! Und mal ganz ehrlich: einen Versuch ist es wert, denn schlechter wird‘s dadurch keines Falls!

GUTE GEDANKEN VON ANFANG AN

Wie wir mit unseren Kindern reden, wird zu ihrer inneren Stimme. Wir bauen die ersten Straßen in ihren Köpfen und können erste Richtungen vorgeben. Worte sind mächtig. Sie prägen die Gedankenwelt unserer Töchter und Söhne und wir können hier so viel Gutes tun. Und auch wenn uns zwischendrin kleine Fehler passieren (die ja dazu gehören), lasst uns so oft wie möglich die Gelegenheit nutzen, sie mit diesen Gedanken zu infizieren.

Ich hab unsere Kinder übrigens befragt, was ich ihrer Meinung nach am öftesten zu ihnen gesagt hab und was ihr Lieblingssatz von mir an sie ist. Sie sind in dieser Auflistung auch enthalten. 😉

  • Ich glaub an dich.
  • Du bist einzigartig und wunderbar.
  • Ich weiß, dass du es schaffst.
  • Ich hab gesehen, wie gut du dich vorbereitet hast – du gibst dein Bestes und das ist gut genug.
  • Es tut mir Leid, weißt du: auch ich mache Fehler.
  • Schön, dass du da bist.
  • Ich merke, dass ist dir wirklich wichtig.
  • Danke, dass du mir aus deiner Welt erzählst.
  • Ich freue mich mit dir.
  • Du machst meinen Tag heller.
  • Das kriegen wir wieder hin.
  • Es ist doch nur Schule, nicht das Leben.
  • Du darfst Fehler machen, so lernst du dazu.
  • Es gibt keine blöden Fragen.
  • Das hast du toll hinbekommen.
  • Es ist schön, dich lachen zu hören.
  • Du hast dir das wirklich verdient.
  • Ich wusste, du traust dich!
  • Das ist so mutig von dir.
  • Schön, dass du dich so in andere Menschen hinein fühlen kannst.
  • Ich traue dir das zu.
  • Meine Tür ist immer für dich offen, bitte komm, wenn du Nähe und Sicherheit brauchst.
  • Du bist klug und stark.
  • Deine Begeisterung für diese Sache lässt mein Herz höher schlagen.
  • Ich sehe, wie sehr du dich bemühst.
  • Deine Ausdauer ist wirklich fabelhaft.
  • Du bist so voller Fantasie und guter Gedanken.
  • Diese Idee von dir mag ich wirklich sehr.
  • Ich bin für dich da.
  • Du bist gut genug.
  • Alles ist gut.
  • Ich lieb dich.

EIN BISSCHEN WELT RETTEN

Eltern sind besonders gefährdet über dem Wohlergehen der eigenen Kinder sich selbst zu vergessen. Mütter vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, sorry to say, liebe Väter. Dabei ist es doch logisch, dass es wichtig ist, dass man selbst funktioniert, wenn man für andere da sein will, sonst sind die auch alle irgendwann auf verlorenem Posten. Sich selbst ernst zu nehmen, sich zu respektieren und für sich zu sorgen ist wichtig und gut. Klar, Eltern sein ist anstrengend und wir Erwachsene können Bedürfnisaufschub eher ertragen als Kinder und das ist auch zu beachten, besonders je jünger die Kinder sind. Und wir sind auch Menschen mit Bedürfnissen. Wir haben Gefühle und Grenzen. Und ein liebevolles Nein zum Kind ist manchmal ein wichtiges Ja zu mir. Es kommt auf die Balance an und in diesem Karussell der Gefühle sitzen wir eben als Familien.

Wir haben alle ein bisschen „Ich will die Welt retten“ in uns. 

Aber es ist o.k., wenn du erst mal nur einen Menschen rettest.

Und es ist o.k., wenn dieser Mensch du selbst bist.

(Spruch von den Machern des weltbesten Kalenders „Ein guter Plan“)

  • Ich bin ein wertvoller Mensch.
  • Meine Gefühle und Bedürfnisse sind richtig.
  • Ich nehme mich ernst und achte auf mich selbst.
  • Ich bin für mich da.
  • Ich lasse los, was schwer ist.
  • Ich öffne mich für das Gute & Leichte.
  • Ich sorge für mich selbst, nur so kann ich später für andere sorgen.
  • Auch wenn noch nicht alle in meiner Umgebung zufrieden gestellt sind, darf ich auf mich schauen.
  • Ich nehme mir rechtzeitig Pausen.
  • Mein Herz ist offen für gute Begegnungen.
  • Sicherheit kann nur in mir drin entstehen.
  • Meine Gesundheit liegt in meinen Händen, ich kann stets was dafür tun.
  • Mein Körper ist mein Tempel, ich behandle ihn gut.
  • Ich hole mir Hilfe, wenn ich sie brauche.
  • Alles was mir in meinem Leben widerfährt, dient meinem persönlichen Fortschritt.
  • Ich bin auf der Welt um zu leben, wachsen und aufzublühen.
  • Ich bin gelassen und nehme das Leben, wie es kommt.
  • Meine Dankbarkeit zeige ich und spreche sie auch aus.
  • Ich bin zuversichtlich und vertraue dem Leben.
  • Das Leben meint es gut mit mir, ich bin gehalten und getragen.
  • Ich weiß, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin, das Richtige sag und das Richtige tu.
  • Und alles ist gut.
  • Alles ist gut.

Welchen Satz möchtest du dieser Liste noch hinzufügen?

Schreib in die Kommentare und lass uns noch mehr Gutes sammeln


Es ist eine Spezialität von mir, Menschen in oder vor herausfordernden Situationen 

(Konfliktgespräche, Verhandlungsgespräche, Elterngespräche in Schulen,…) ein 
MINDSET

zur Verfügung zu stellen – es ganz individuell zu verfassen.

Wenn du vor einer schwierigen Situation stehst, coache ich dich gern und stärke dich mit guten, passenden Sätzen in deiner Haltung und (wenn erforderlich) auch deiner Sprache, sodass du gelassen die nächste Herausforderung meisterst.

Du könntest so ein bisschen Rückenwind brauchen?

Geht in Zeiten wie diesen auch telefonisch oder per Videotelefonie! Vielfach erprobt und für gut befunden!Das kann ich brauchen!

Kommentar schreibenKommentare: 5

  • #1Gerlinde (Freitag, 13 November 2020 15:25)Hallo Kerstin!
    Danke für all die schönen Sätze und für das Bewusst machen !
  • #2Katrin (Samstag, 14 November 2020 09:07)Ich behandle alle Menschen so, wie ich behandelt werden möchte! Das geht ganz einfach u. Leicht 🙂
    Toll u. Inspirierend geschrieben! Danke liebes Schwesterchen! 🙂
  • #3Alexandra (Samstag, 14 November 2020 21:19)Ich finde: „Die Liebe beginnt immer bei mir…“ voll schön. Um sich daran zu erinnern, dass man die Qualität seiner Beziehungen selbst in der Hand hat… �
  • #4Anna (Sonntag, 15 November 2020 06:32)DankeDankeDanke!
    Mein Mantra lautet ICH BIN DA. ICH BIN FREI.:)
    Glg Anna
  • #5Verena (Sonntag, 15 November 2020 20:55)Danke für die hellen Gedanken in dieser etwas düsteren Zeit!
    „Du kannst nicht beeinflussen, was andere über dich denken. Aber du kannst entscheiden, ob es dich interessiert.“ Dieser Satz schafft für mich Freiheit!
Unverdienter Fisch. Statt Valentinsblumen.

Unverdienter Fisch. Statt Valentinsblumen.

Valentinstag, der Feiertag der Liebenden – weil der heilige Valentin als Patron der Liebenden verehrt wird. Die Überlieferung unterscheidet und vermischt zugleich zwischen einem Valentin von Terni und einem Valentin von Rom. Womöglich handelt es sich aber auch um ein und dieselbe Person.

Valentin von Terni soll als Bischof in Rom viele Leute für den christlichen Glauben gewonnen haben, der andere Valentin (von Rom) soll als Priester Liebespaare trotz des Verbots christlich getraut haben ( YEAH, es gab immer schon Querulanten!!) und deswegen am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Zudem habe Valentin den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. (Quelle: Wikipedia)

Daher auch die Tradition mit den Blumen. 

APROPOS BLUMEN.

Der Handel reibt sich die Hände, denn der Run auf Blumen, Süßes und Sonstwas wird gefühlt jedes Jahr stärker. Es wird uns so selbstverständlich erklärt, dass „es“ dazugehört, wenn man jemanden liebt, dass man sie oder ihn zu diesem Anlass (reich) beschenkt. Und wenn man schon keinen Beziehungspartner hat, dann bitte doch zumindest die Großmütter oder so. 

Egal eigentlich, Hauptsache, das Geldtaschl sitzt locker.

Wer mich kennt, weiß vielleicht: auf Geschenke leg ich nicht sonderlich viel Wert. Ich lass mich zwar gerne mal überraschen (was immer wieder mal wirklich gelingt!) und liebe Blumen – was ja perfekt zur Valentinstagsprozedur passen würde – doch eine von außen befeuerte Liebesbekundung durch diverse Konsumgüter: nein, danke. 

Da nehm‘ ich schon lieber unverdienten Fisch.

Was, bitte, ist UNVERDIENTER FISCH?

Rosemarie Welter-Enderlin beschreibt in ihrem Buch „Paare – Leidenschaft und Langeweile“ eine Erkenntnis aus der Tierbeobachtung.
Bei Delfinen, die ja bekanntlich gut zu dressieren sind, wird üblicherweise beim Erlernen von Kunststücken, oder wenn diese vorgeführt werden, eine gewünschte Handlung oder Bewegung mit einem Fisch belohnt, wenn sie gelungen ist. So lernen die Tiere, welches Verhalten gewünscht ist und welches nicht. (Es lebe die klassische Konditionierung.)

Nun haben Verhaltensforscher beobachtet, dass die Delfine brav ihre Übungen runterspulten und dafür ihre zugeworfenen Fische schnappten, doch sie wurden ob dieser Belohnung etwas gleichgültiger.

Man hat jedoch beobachtet, dass sie „… besonders auflebten, wenn man ihnen hin und wieder einen Fisch zuwarf, für den sie nicht hatten arbeiten müssen!“ … UNVERDIENTEN FISCH, also.

So oder so ähnlich sehe ich das auch mit den Valentins-Liebesbekundungen der modernen Gesellschaft, besonders mit dem dazugehörigen Kaufrausch.

Es ist keine große Kunst, sich am Tag des Patrons der Liebenden Blumen zu schenken, Pralinen, Parfüm oder was auch immer zu kaufen. Wenn jemand schon wochenlang vorher daran erinnert wird, ist das in meinen Augen keine Glanzleistung.

Ich wünsch mir deshalb ausdrücklich zum Valentinstag keine Blumen und werde (tatsächlich!! mindestens) einmal im Jahr mit einem schönen Blumenstrauß überrascht – ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich DANN darüber freue, an einem ganz gewöhnlichen und x-beliebigen Tag.

Großes Kompliment übrigens an dieser Stelle an meinen Göttergatten. 😉

Weil DAS viel wesentlicher ist: die Liebe auch im Alltag im Auge zu behalten. 

Zwischendurch und einfach so ….
… eine Wiesenblume pflücken und mit nach Hause nehmen.
… einen Zettel mit einer lieben Nachricht in der Sockenlade verstecken.
… den Lieblingskäse des Partners kaufen, auch wenn er mich selbst anstinkt.
… an einem ganz gewöhnlichen Tag Blumen heimbringen.
… etwas Besonderes kochen.
… eine Fußmassage verschenken.
… dem Anderen drei Dinge aufschreiben, die du an ihm oder ihr besonders schätzt.

Das kann soo viel mehr sein, als auf Kommando gekaufte Blumen.
Das kann so viel mehr sein als ein Date am 14. Februar.
Das kann so viel öfter stattfinden als nur an dem einen Tag im Jahr.

Wenn wir nur am Valentinstag darauf achten, unseren Liebsten unsere Zuneigung zu bekunden, dann ist das restliche Jahr eine lange Durststrecke. Nicht alle Beziehungen halten solche Dürreperioden auf Dauer aus.

Natürlich ist es fein, den Valentinstag zu feiern und den Segen des Liebespatrons auf sich regnen zu lassen. Umsonst haben wir hier nicht unserem ersten Kind auch diesen Namen gegeben. Auch Traditionen sind etwas Gutes. Also feiert eure Liebe! Schaut euch alte Fotos an! Sprecht über euer Kennenlernen und die erste gemeinsame Zeit! Trinkt ein Glas Wein zusammen! Schwelgt in euren besten Erinnerungen im gemeinsamen Leben! Sagt einander, was ihr an euch toll findet. 

Die meisten dieser Ideen kosten nichts. Und sind dennoch unbezahlbar wichtig.

Wie feiert ihr eure Liebe und habt ihr auch kleine Rituale? Lasst mal hören …. !?!

3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

Das Zusammenleben in Familien ist oft herzerwärmend, stärkend und unfassbar lehrreich weil man so viel miteinander erlebt, sich aneinander entwickelt und voneinander profitiert.
Familie ist daneben auch ganz viel Arbeit. 
Wer übernimmt den Einkauf, wer schaut auf die Kinder, wer geht wann einer Erwerbsarbeit nach, wer wäscht, kocht, putzt, bügelt, wer kauft das Geschenk für den nächsten Geburtstag, wer organisiert den Babysitterdienst?

All diese Dinge lassen sich meiner Meinung in drei Pakete einteilen, die gut ausgehandelt werden sollen. Ein neuer Blick auf Arbeit ist dazu notwendig.
In Beratungen mit Paaren ist das immer ein heißes Thema. Die Aufteilung von Arbeit innerhalb einer Familie. Der größte Stolperstein dabei ist, wie ich finde, eine alte Sicht- und Denkweise, was als „Arbeit“ gesehen wird – und was nicht.

Lange, lange Zeit gab es ganz einfach festgeschriebene Rollen – ein Partner geht arbeiten, der andere kümmert sich um Kind und Haushalt (= die Hausfrau, wie der schöne Name ja sagt). Dieses Modell (Patriarchat) war ja sogar bis 1976 in Österreich geseztlich verankert, und bis zum Jahr 2000 konnten Frauen nicht arbeiten gehen, wenn der Mann damit nicht einverstanden war, weil sie es einmal anders vereinbart hatten.

Bei diesen Jahreszahlen stellt es mir immer wieder die Nackenhaare auf – und gleichzeitig bekomme ich ein klein wenig Verständnis dafür, warum wir immer noch so viel Klärungsbedarf in diesem Feld haben: es ist noch nicht sooo lange her, dass die Uhren ganz anders tickten.

Wir brauchen ein neues Bild von aufzuteilender Arbeit in Familien. Es sind nicht nur zwei Bereiche, sondern drei. Und es ist höchst an der Zeit, dieses Wissen und diese Haltung endlich bei uns allen sickern zu lassen.

PAKET #1: Erwerbsarbeit

Wenn man nicht gerade millionenschwer geerbt hat, ist es üblicherweise erforderlich, dass jemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nachgeht – also den Lebensunterhalt verdient. Wir leben Gott sei Dank in einer Zeit, in der relativ frei entschieden werden kann, WER diese Aufgabe übernimmt und WIE man sich die Erwerbsarbeit aufteilt. Das gesetzlich festgeschriebene Recht auf Elternteilzeit gilt für Mütter und Väter (!!) und auch Karenzzeiten können geschlechtsunabhängig und recht flexibel in Anspruch genommen werden, was schon mal sehr fortschrittlich ist.

Wäre da nicht der Gender-Pay-Gap, also die tendenziell schlechtere Bezahlung von Frauen (besonders in typischen Frauenberufen), die eine echte Wahlfreiheit einschränken. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Während bei Beamtinnen und Beamten lediglich knapp 4% Einkommensdifferenz besteht, verdienen Arbeiter fast 56% mehr als Arbeiterinnen. Da ist es dann relativ logisch, dass der Mann den Erwerb erledigt, wenn die Frau in der selben Zeit nur die Hälfte seines Bruttojahreseinkommens kassiert. Wer’s nicht glaubt, kann gern bei der Statistik Austria vorbeiklicken.

Zu Erwerbsarbeit in Familien sei auch noch gesagt: derjenige Partner, der diesen gesellschaftlich geschätztenTeil übernimmt, kann das NUR tun, wenn der andere die Care-Aufgaben schultert, der weder ausreichend bezahlt noch anerkannt wird. Was immer also in Familien erwirtschaftet wird, gehört beiden Elternteilen gleichermaßen. Das ist hoffentlich langsam selbstverständlich.

PAKET #2: Care-Arbeit

Unter Care-Arbeit wird jener Bereich verstanden, der mit dem Versorgen und Sich-Kümmern von Familienmitgliedern zu tun hat. Das umfasst zunächst natürlich die eigenen Kinder, später aber vielleicht auch irgendwann die Pflege von älteren Angehörigen, die auch auf die Erwerbsarbeit Auswirkungen hat.

Die Betreuung von Kindern, die ganze körperliche, emotionale und geistige Zuwendung, das Beaufsichtigen, sich beschäftigen ist hiermit gemeint. Der Taxidienst zum Ballet, die Vereinbarung des Kieferorthopädentermins, das Erinnern an die Klavierstunde, die Begleitung beim Üben für das Flötenkonzert, die Fahrten zum Tennistraining, zu Fußballturnieren, Übernachtungsparties (mit vorherigem Geschenkbesorgen), Freunde-Verabredungen, dem Nachkaufen zu kurz gewordener Hosen und T-shirts, gemeinsamen Aufräumnachmittagen in den Untiefen der Spielzimmer, dem Seelentrösten nach der verhauenen Mathe-Schularbeit und eskaliertem Freunde-Streit, dem Pflegeurlaub wegen krankem Kind bis zum Helfen oder Begleiten bei Schulveranstaltungen und CO …. you name it.

Diese Arbeit hat tausend Gesichter. Sie ist täglich variierend und manchmal einschläfernd eintönig. Sie ist nervenaufreibend und kräfteraubend, weil es stets um DAS geht, was vielen wohl das „wichtigste auf der Welt ist“ – um die Kinder (oder später die Pflegebedürftigen). Die meisten von uns wollen das hier wirklich gut machen und strengen sich an. Was zwar belohnt wird – hoffentlich – mit guten Beziehungen, emotionalen Erlebnissen und dem Gefühl ihnen eine „sichere Basis“ bieten zu können. Gesellschaftlich und wirtschaftlich, besonders im Hinblick auf unser Pensionskonto ist die Care-Arbeit aber so gut wie nichts wert. 

Dabei basiert das ganze Wirtschaftssystem auf der Tatsache, dass diese Arbeit unentgeltlich (von Frauen) gemacht wird. Think about it.

Wer diese Arbeit in Familien übernimmt, ist verhandelbar. Ich hab ja selbst – und mache es immer noch – den Großteil der Carearbeit gerne übernommen, weil es mir wichtig ist und war, für die Kinder da sein zu können und ich neben dem monetären Wert vor allem den menschlichen geschätzt hab.

Das ändert aber nichts an der Ungerechtigkeit, wenn diese Arbeit im Außen und wirtschaftlich derartig unterbewertet wird. Besonders, wenn wir über Paket #3 zu reden beginnen.

PAKET #3: Haushaltsmanagement

„Moment, das gehört doch zur Hausfrau dazu, wenn die eh nicht arbeiten geht, ist doch klar, dass sie den Haushalt machen muss!“

NEIN. EBEN NICHT. Das ist genau der Punkt, den wir erkennen dürfen: Care Arbeit ist ein Full-Time-Job, und was Energie und Aufwand betrifft jedenfalls einer Erwerbsarbeit (mindestens) gleichgesetzt. Und dann ist da noch der Haushalt.

Wer sammelt die Wäsche, sortiert sie farblich, startet die Waschmaschine, hängt die Wäsche auf, legt sie zusammen, bügelt (wenn unbedingt nötig), wer schreibt auf was eingekauft werden soll, wer geht ins Geschäft, wer räumt zuhause alles in den Kühlschrank, wer räumt auf, plant und kocht das Essen, wäscht ab, wer saugt den Boden, wer putzt das Klo, wer macht die Betten, lüftet am Morgen und so weiter und so fort? 
Während junge Paare ohne Kinder, die beide vollzeit erwerbstätig sind, zunehmend ebenbürtig und selbstverständlich diese Aufgaben aufteilen, fällt das oft ungeliebte Ressort bei Familien manchmal automatisch den Partnern zu, die sich um die Kinder kümmern. 

Dabei ist es ein eigenes, zusätzliches Paket, das auszuhandeln ist. Zunächst unter den beiden Partnern, später innerhalb der ganzen Familie (je nach Altern und Kompetenz).
Die Fülle an Aufgaben, die ein – sogar halbwegs intakter – Haushalt erfordert ist immens. Wer mehr dazu lesen will, kann mal unter dem Hashtag #mentalload nachschauen. 

Es braucht ehrliches Sichtbarmachen dieser Arbeit.
Es braucht öffentliche Wertschätzung dieser Tätigkeiten.
Es braucht ebenbürtige Aufteilung unter gleichberechtigten Partnern.

Arbeit ist unfassbar vielseitig und unterschiedlich beachtet. Jede und jeder von uns kann bestimmte Dinge besser als andere, macht bestimmte Tätigkeiten lieber als andere. Talente, Vorlieben und Wünsche können und sollen berücksichtigt werden in dieser Verteilungsdebatte. Vor allem jedoch erfordert es ganz viel Empathie und dann Organisationstalent, wenn man ebenbürtig, partnerschaftlich und gleichwürdig an diese Sache herangehen möchte.

Wir alle wollen was tun, wir wollen nützlich sein und wollen auch unseren Teil zum Gelingen des großen Ganzen beitragen. Arbeit ist etwas WICHTIGES und GUTES, sie gibt uns Sinn und erfüllt uns auch mit Dankbarkeit. Es kommt halt darauf an:



Auf das WIE.
Auf das WER.
Auf das WANN.
Auf das WO.
Auf das WIEVIEL.
Und wenn diese Dinge gut besprochen sind, ist das WARUM meist viel leichter zu ertragen.

Wir feilen grad (gefühlt) am meisten an Paket #3, wie es schon im Beitrag zu „Wir sind kein Hotel, sondern eine WG“ zu lesen gab.

Wo hängst du am meisten? Und was habt ihr schon passabel ausgehandelt? Let me know 😉

Der Neun-Kuh-Mann

Der Neun-Kuh-Mann

Bildquelle: Pixabay

Es gibt da eine Geschichte, die ich gern bei meinen Partnerkursen für Brautpaare vorlese. Die Geschichte von der „Neun-Kuh-Frau“. Ich mag diese Erzählung, weil sie eine wunderbare Metapher dafür ist, wie Gedanken unsere Realität erzeugen und sie ist außerdem ein perfektes Beispiel dafür, wie – wenn wir uns als Partner gegenseitig in unserer vollen Größe sehen – wir wachsen, reifen und uns gegenseitig stärken. 
Nun hab ich zwar immer dazugesagt, die Frauen mögen sich die Geschichte schon während dem Erzählen geschlechter-verdreht vorstellen, nämlich als ginge es um den „Neun-Kuh-Mann“ – doch richtig glücklich war ich nie darüber, dass die Begebenheit eher klischeehaft und aus Sicht des Mannes beschrieben wird und so alte Bilder gestärkt werden.

Also machte ich mir jetzt den Spaß, eine zweite Version der Geschichte zu schreiben, die die andere Perspektive anbietet und in etwas modernderm Gewand daher kommt. Hinten nach kannst du gern die ursprünglicher Version von Regina Swoboda nachlesen.


Viel Vergnügen mit meiner Erzählung vom …


„NEUN-KUH-MANN“

Es waren einmal zwei Freundinnen, die sich einen Traum erfüllen wollten – nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umrunden. Sie starteten guten Mutes und alles verlief wunderbar. Von Zeit zu Zeit liefen sie einen Hafen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen.

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so großartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.
Eine der beiden Frauen wurde auf einen Mann aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihm abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Die Frau hatte nur noch den Mann im Kopf und schwärmte ihrer Freundin vor, wie gutaussehend und klug er wäre, dass sie nie einen faszinierenderen Mann getroffen hatte – sie war völlig verrückt vor Liebe.

Ihre Freundin versuchte, sie auch auf andere, noch charismatischere und strahlendere Männer aufmerksam zu machen. Schließlich erlebte sie schon während ihres Besuchs, wie er öfter anderen Frauen nachpfiff oder nächtelang am Feiern war. Aber die Verliebte ließ sich nicht abbringen und schließlich beschlossen die beiden, den Bund für’s Leben zu schließen.

Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich die Stammesälteste, die Clanmutter, um die Hand eines Mannes aus dem Stamm zu bitten und den Preis für den Bräutigam festzulegen. 
Je nach Qualitäten des Mannes (Kooperationsbereitschaft, Gleichberechtigungssinn, Aufgeschlossenheit, Kompetenzen, Eloquenz, Aussehen, Gemeinschaftssinn etc.…) betrug der Preis zwischen einer Kuh für einen Mann mit wenig Qualiäten und neun Kühen für einen Mann mit maximalen Qualitäten – den perfekten Mann schlechthin. 

Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.

Obwohl noch nie eine Fremde in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte die Stammesälteste in die Hochzeit ein und legte den Heiratspreis auf drei Kühe fest. Da sagte die Frau: „Wie, nur drei Kühe? Schau` dir diesen Mann doch an. Er ist auf jeden Fall neun Kühe wert. Ich zahle neun Kühe.“ 

Das irritierte die Clanmutter und sie erklärte, weshalb der Mann nur drei Kühe wert ist. „Er gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Er ist ein Hallodri und wechselt seine Partnerinnen wie die Unterhosen. Außerdem ist er total auf seinen persönlichen Erfolg fixiert, verschleudert oft sinnlos sein Geld und hat wenig Respekt vor Frauen.“ 
Doch die Freundin blieb stur und sagte: „Ich zahle neun Kühe.“ 

Die Clanmutter war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert und berief den Weisenrat ein, der aus den ältesten Frauen und Männern des Dorfes bestand. Nach langen Diskussionen beschlossen sie, dass die Frau die neun Kühe bezahlen darf.  Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte ihre Freundin weiter, mit dem Versprechen nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.

Wie versprochen, legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und die Frau, die von Bord ging, war ganz aufgeregt endlich ihre Freundin wieder zu treffen. 

Beim Aussteigen sah sie einen Mann, er war unglaublich attraktiv, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und herzlich, viel anziehender als jeder andere Mann, die sie je zuvor gesehen hatte. Er bemerkte sie gar nicht, weil er so vertieft in das Gespräch mit dem anderen Kind war, das er an der Hand führte.
Vor lauter Ehrfurcht traute sie sich gar nicht, ihn anzusprechen.

Sie fand ihre Freundin, die sie unter Jubel willkommen hieß und sich mit ihr bei einer Tasse Tee gemütlich zusammensetzte und zu plaudern begann. Sie erzählte, dass sie bereits zwei gemeinsame Kinder hatten, sich partnerschaftlich um Kinder und Haushalt kümmerten, die Zeit für ihre berufliche Tätigkeit auf Augenhöhe aushandelten und ihr Mann zu einem absoluten Familienmenschen mutiert war, der sich bemüht, der Tochter und dem Sohn die gleichen Chancen für’s Leben zu bieten und ihnen unabhängig von typischen Geschlechterbildern das Leben zuzutrauen. Er hielt zu seiner Partnerin und andere Frauen interessierten ihn auch nicht mehr.

„Du hast ihn ja schon gesehen“, sagte die Freundin. „Unten am Steg.“ 
„Das war nicht doch nicht der Hallodri von vor 5 Jahren“, sagte die Seglerin. „Der Mann da unten war der tollste Mann, den ich je gesehen habe. Er hatte eine komplett andere Ausstrahlung als dein Typ von damals.“ 
Und während sie das sagte, kam er mit den beiden Kindern zur Tür herein und sie erkannte ihn voller Staunen. 
„Was um alles in der Welt ist der Grund, dass du dich so radikal verändert hast“, fragte sie den Mann. Er lächelte und antwortete:

„Meine Frau hat neun Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur ein Neun-Kuh-Mann verdient. Sie zeigt mir jeden Tag ihre Wertschätzung, behandelt mich respektvoll und wir unterstützen uns gegenseitig in allen Bereichen des Lebens so gut wir können.
Ich konnte gar nicht anders, als mich in einen Neun-Kuh-Mann zu verwandeln. Genau in den Mann, den sie schon immer in mir sehen konnte!“


Also: wenn du in einer Partnerschaft lebst, denk immer dran:
Dein Partner wird so, wie du ihn dir vorstellst.
Dein Partner kann das, was du ihm zutraust.
Dein Partner ist so großartig, wie du ihn findest!
Und auch wenn es „den perfekten Mann“ oder „die perfekte Frau“ nicht gibt, weil wir alle kleine Eigenheiten (= „Special Effects“) haben, gibt es doch das „perfekt für mich“ 
Und je eher es uns gelingt, unseren Partner / unsere Partnerin hoch zu halten, wertzuschätzen und toll zu finden, desto eher werden diese leuchtenden Facetten von ihm / ihr auch ans Licht kommen.
Ich finde: es ist einen Versuch wert!


Und hier noch die originale Geschichte … als Draufgabe! 😉

Die Neun-Kuh-Frau

Es waren einmal zwei Freunde, die sich einen Traum erfüllen wollten, nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln. Sie starteten guten Mutes und alles lief wunderbar. Von Zeit zu Zeit liefen sie Häfen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen. 

Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so großartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.

Einer der beiden Freunde wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihr abwenden. Schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Der Mann hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor wie attraktiv und strahlend sie wäre, dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte – er war völlig verrückt vor Liebe. Sein Freund versuchte ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte und schließlich beschloss der Verliebte dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.

Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. 
Je nach den Qualitäten der Frau (Aussehen, Kochkünste, Wissen im Bereich Heilung, Fähigkeiten bei der Jagd, gebärfreudiges Becken, etc….) bewegte sich der Brautpreis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenig Qualitäten und 9 Kühen für einen Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau schlechthin. Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.

Obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Brautpreis auf drei Kühe fest. Da sagte der Bräutigam: „Wie, nur drei Kühe, schau`Dir diese Frau doch an. Sie ist auf jeden Fall 9 Kühe wert. Ich zahle 9 Kühe.“ Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur 3 Kühe wert ist. „Sie gehört nicht zu den Schönsten im Dorf. Ihr Jagdgeschick lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“ Doch der Werber blieb stur und sagte: „Ich zahle 9 Kühe.“

Der Häuptling war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert und berief den Ältestenrat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die 9 Kühe bezahlen darf.
Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund weiter, mit dem Versprechen nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.
Wie versprochen, legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und der Mann, der von Bord ging, war ganz aufgeregt seinen Freund wieder zu treffen. Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön, viel attraktiver als jede andere Frau, die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Ehrfurcht traute er sich gar nicht sie anzusprechen. Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte der Weltreisende noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, stilvoll und versprühte eine heimelige Atmosphäre. Der Freund erzählte, dass seine Frau die Königin der Jägerinnen ist und bald sein zweites Kind gebären wird.

„Du hast sie ja schon gesehen“, sagte der Freund. „Unten am Steg.“ „Das war nicht deine Frau“, sagte der Segler. Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“ Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen.
„Was um alles in der Welt ist der Grund, dass Du dich so radikal verändert hast“, fragte er sie. Sie lächelte ihr liebreizendes Lächeln und antwortete: „Mein Mann hat 9 Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur eine 9-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders als mich in eine 9-Kuh-Frau zu verwandeln. Genau in die Frau, die er immer in mir sehen konnte.“

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  • #1Alexandra Weber (Montag, 20 Januar 2020 21:23)Was für eine wundervolle Geschichte �❤️
Vereinbarkeit – Falle oder Chance?

Vereinbarkeit – Falle oder Chance?

Zunächst einmal möchte ich aber sagen: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein Frauenthema. Es betrifft Väter und Mütter gleichermaßen, auch wenn wir oft von Vereinbarkeit reden und nur die Frauen gemeint sind. Hier geht es um mehr. Es geht um eine gerechte Verteilung von Arbeit jeglicher Art und wie Familien sich das ausmachen können.

Vereinbarkeit als Chance

Beruf und Familie „unter einen Hut“ zu bekommen, kann eine große Chance sein. Wenn in Familien beide Elternteile arbeiten, kommt man unweigerlich in die Diskussion, wie man die Kinderbetreuung regeln möchte, da ja nicht mehr zu jeder Zeit ein Elternteil zur Verfügung steht, wenn man auch außer Haus arbeitet. Es ist nötig, alle zu erledigenden Tätigkeiten und Verantwortungen anzuschauen und dann eine Lösung zu finden, wie man damit umgehen möchte.

Wer sorgt für welchen Teil des Einkommens?
Wer sorgt für welchen Teil der Kinderbetreuung?
Wer sorgt für welchen Teil des Haushalts?

Die Verhandlungen darüber sind auch hier oft zermürbend, weil gerecht nicht bedeutet „gleich“ und weil das „gerecht“ so schwer festzulegen ist. Jeder in der Familie hat da seinen eigenen Blickwinkel drauf. Dennoch ist es die Chance, die Dinge aufzuwerten, die Frauen generationenlang automatisch und selbstverständlich erledigt haben. Was wir gewinnen können?
 Eine wertschätzedne Haltung gegenüber „kleinen Handgriffen“.

Zufriedenere Frauen und damit zufriedenere Familien.
Mehr Achtung gegenüber der oft auch nicht lustigen Erwerbsarbeit.

Vereinbarkeit als Falle

Wenn es als selbstverständlich angesehen wird, dass beide Elternteile erwerbstätig sind und gleichzeitig Verhandlungen um die gerechte Verteilung der restlichen Arbeit in Familien ausbleiben, kann diese Thema auch zu einer Falle werden. Ich erlebe in Beratungen und in meinem Umfeld oft Frauen (ja, leider sind das hier hauprsächlich Frauen), die darunter leiden, die überwiegende Last der Care- und Haushaltsarbeit zu tragen und nebenbei auch erwerbstätig sind. Manchmal werden Frauen gedrängt, doch endlich „mehr Stunden“ zu arbeiten, man müsse doch an die eigene Pension und die finanzielle Unabhängigkeit denken, außerdem: was macht man denn bitte sonst den ganzen Tag daheim, wenn die Kinder in Betreuung sind.

Bei solchen Sätzen dreht sich mir oft der gesamte Mageninhalt um, weil es nur zeigt, wie wenig diese Personen von dem wissen, was Frauen leisten und wie sehr sie damit Druck ausüben. Nicht selten fühlt man sich dann tatsächlich „minderwertig“ und geringgeschätzt, weil ja andere dieses Kunststück scheinbar mühelos vollbringen. Da sitzt man dann in der Falle und spürt nur: „… ich mach doch alles Menschenmögliche und das ist immer noch nicht genug.“

Ob und wie Vereinbarkeit in Familien gelebt wird und gelebt werden kann, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. 

Wie viel Freude macht uns unsere Arbeit?
Wie viel Unterstützung bekommen wir?
Wie notwendig ist mein Beitrag zum Familieneinkommen?
Wie flexibel ist mein Dienstgeber?
Wie sind unsere Ressourcen in punkto Kinderbetreuung?
Wie alt sind unsere Kinder?

Ich bin privilegiert. Ich mache eine Erwerbsarbeit, die mir total viel Spaß macht, bei der ich meine Stärken ausleben kann, ich bin nicht hauptverantwortlich für das Familieneinkommen, ich hab mit Menschen zu tun, kann kreativ sein und meine Ideen in meinen Workshops umsetzen, befasse mich mit Themen, die mich berühren und begeistern und darüber hinaus kann ich mir auch noch meine Zeit als Beraterin, Coach und Vortragende ziemlich frei einteilen.

Vereinbarkeit ist für mich genau deshalb überhaupt lebbar: weil ich flexibel sein kann, meine eigene Chefin bin und meine berufliche Tätigkeit so ausrichte, wie es für mich und meine Familie passt. Ich kenne auch die andere Seite. 

Bevor ich als psychologische Beraterin mein Business gegründet hab, war ich als Pädagogin angestellt, hatte fixe Arbeitszeiten, konnte keinen Urlaubstag frei wählen und musste zur Arbeit IMMER außer Haus. Obwohl ich damals viel weniger gearbeitet hab, war die Situation massiv schwieriger und komplizierter zu organisieren. Ich hab damit aufgehört, weil ich mich selbst verheizt hab und auch unsere Kinder darunter gelitten haben.  Und das wegen „nur“ 10 Wochenstunden. 

Ich weiß also, welche Faktoren förderlich sein können und welche hinderlich. Zumindest in unserem Fall.
Und darum geht es VOR ALLEM: darum, dass es für UNS passt. 

Dieses „PASST“ ist bei jeder Familie anders und wir dürfen uns bemühen, das jeweilig Andere zu akzeptieren und uns gegenseitig – wenn gewünscht – Erfahrungen zum Austausch anbieten, damit wir nicht alle die gleichen Fehler machen müssen. Obwohl man durch Fehler lernt und sich weiter entwickelt und vielleicht, irgendwann …. zu einem Vereinbarkeitsmodell kommt, oder je nach Lebensabschnitt verschiedenen Vereinbarkeitsmodellen kommt, die dann doch „passen“!

Wie lebt ihr in der Familie die Aufteilung von Arbeit? Erzähl doch mal ….

Owa vom Gas

Owa vom Gas

Entschleunigen will gelernt sein.

Unser Lebenstempo nimmt nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich und messbar zu. Nachrichten (das waren dann noch Briefe) dauerten vor 20 Jahren noch mehrere Tage, bis sie den Empfänger erreicht haben, die heute ich Sekundenschnelle verschickt sind. Manche können sich noch an Viertelanschlüsse beim Telefon erinnern. Bilder sah man nicht gleich auf einem Display, sondern ein 36-er Film brauchte einige Zeit zum Entwickeln. Und das sind nur ein paar wenige Beispiele.

Von Fast Food bis Fast Fashion ist fast jeder Bereich unseres Lebens von dieser Entwicklung betroffen und viele von uns würden lieber ein wenig bremsen – oder die Füße beim Fenster rausbaumeln lassen, als am Gaspedal zu bleiben. 

„Owa vom Gas“ ist ein Blog des Medienkulturhaus in Wels (mit Texten, Podcasts, Fotos, usw.), der die moderne Welt unter die Lupe nimmt und schaut, wie es den jungen Menschen in dieser Gesellschaft damit geht. Jung bin ich (zumindest fühl ich mich so) und so dachte ich: da mach ich mal mit. Denn:

Der Trend des Lebens auf der Überholspur macht auch vor uns als Familien nicht halt und beeinflusst unser tägliches Leben. Es gibt Familien, wo die gemeinsam verbrachte Zeit gegen Null tendenziert weil der Terminkalender derartig vollgestopft ist mit Notwendigkeiten – aber auch Freizeitaktivitäten. Manche fragt sich vielleicht: was genau tun wir hier eigentlich?



WEGE finden- bitte nicht noch ein TO-DO

Wege zur Entschleunigung finden. Manchmal leichter gesagt als getan, weil es – wie bei Vielem im Leben – kein Patentrezept gibt, das für alle passt. Wir haben kein Schulfach, das sich „Chillen“ net, keinen Unterricht in „Meditation“ oder „Achtsamkeit“. Also liegt es an uns, diese Dinge in unser Leben zu bringen, sie wenn nötig mit unseren Kindern zu lernen und in unseren Alltag zu integrieren, sie selbstverständlich machen. Damit das Entspannen nicht ein weiters TO DO ist, auf einer ohnehin endlos langen Liste, die es abzuarbeiten gilt.

Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht, wie, wann und wo es uns als Familie gelingt, und zwar Kids und Erwachsenen halbwegs gleichermaßen, das Tempo zu drosseln, aus dem Hamsterrad auszusteigen und durchzuatmen. Vorsicht! Die Tipps sind einfach und leicht nachzumachen. Im besten Fall sind sie eine Ideenbörse für dich, eine Bestätigung dessen, was du eventuell schon tust oder ein Mutmach-Text, dass es langsamer, bewusster und einfacher gehen darf.

VORLESEN

Okay, ich oute mich als Vorlese-Addict. Unser Jüngster ist mittlerweile 9 Jahre und ich lese ihm immer noch vor. Weil es mich entschleunigt, weil es ihn entschleunigt. Das Lesen erfordert meine volle Aufmerksamkeit, ich kann nichts Anderes dabei tun (außer kuscheln) und so sind meine Gedanken ganz im Jetzt gebündelt. Eine ultimative Achtsamkeitsübung. Wenn jemandem das Vorlesen auch noch so Spaß macht – mit Stimmen verstellen, unterschiedlichen Lesetempi und Lautstärken – dann kann es, je nach Lektüre, von aufregend bis beruhigend alles sein. Eine gemeinsam erlebte Geschichte. Zudem motiviert es zum Selber-lesen (da ich manchmal an spannenden Stellen aufhöre) und die Tätigkeit geschieht in einem körperlichen Entspannungszustand. Perfekte Übung zum Tempo Drosseln, also.

BEWEGUNG

Wenn ich an die lustigsten und entspannendsten Momente mit unseren Kids bisher denke, hatte es immer etwas mit Bewegung zu tun. Beim gemeinsamen „zur-Schule-gehen“, beim Skifahren oder Wandern, beim Yoga oder gemeinsamen Spaziergängen entstanden oft die besten Gespräche, echte Begegnung, gemeinsame bezaubernde Ausblicke und dazu die körperliche Aktivität, die (besonders uns Erwachsenen) oftmals im Alltag fehlt. Bleibt man lang genug dran, kann der Körper gar nicht anders als Glückshormone auszuschütten und die entspannen uns definitiv, auch wenn der innere Schweinehund uns manchmal was anderes zuruft!

NATUR

Wir leben am Land. Und manchmal schätzen und nutzen wir dieses Geschenk viel zu wenig. Besonders ältere Kids finden das „in-den-Wald-gehen“ oft eher unattraktiv und langweilig (ha!! das wollten wir doch!). Dennoch ist das Draußen sein, barfuß laufen, durch den Wald gehen, Naturmaterial sammeln eine wunderbare Erdung, die wir uns gönnen können.

(Das reimt sich, und … wie hat schon Pumuckl gesagt?! Was sich reimt, ist gut!)

Man braucht nicht erst eine wissenschaftliche Arbeit zu lesen um zu wissen: in der Natur entspannen wir uns, wir atmen tiefer und bewusster und die Ruhe und Stille sind eine willkommene Abwechslung zur sonst trubeligen Zivilisation.

ESSEN

Gemeinsame Mahlzeiten sind so viel mehr als Nahrungsaufnahme. Wenn auch noch beim zubereiten zusammengearbeitet wird, entsteht ein wunderbarer Raum. Für gemeinsame Zeit ohne Ablenkung (bei uns gibt’s schon lange am Tisch ein Bildschirmverbot), für herzliche Erzählungen, für genussvolle Momente und verbindende Gemeinschaft. Auch wenn einem das Kochen nicht unfassbar viel Spaß macht und die Kinder vor dem Essen maulen, zahlt es sich doch immer wieder aus, zumindest einmal am Tag rund um den Tisch versammelt zu sein. 

SPIEL

Wie oft war ich das Pferd unserer Kinder, wie oft haben sie mich als Gast in ihrem „Wirtshaus“ bedient, wie oft haben wir in selbst gebauten Schachtelhäusern und Deckenzelten gekuschelt. Das Spiel ist etwas, was wir Erwachsenen definitiv fast verlernt haben. Dabei kommt man so schnell wieder drauf, wie unterhaltsam es ist, sich mit den Kids oder allein darauf ein zu lassen. Am besten eigenen sich Spiele und Materialien, die frei und ohne Regeln bespielt werden können, wo es keine Gewinner oder Verlierer gibt (=kooperative Spiele) und wo viel Raum für Fantasie ist. Auch wenn wir uns zunächst überwinden (zum siebenhundertsten Kniereiter-Lied) bietet das Spiel wunderbare Zutaten zur Entschleunigung: Leichtigkeit, Fantasie und Freude. Was will man mehr.

MUSIK

Egal, ob Eltern musikalisch sind oder nicht: Musik gefällt jedem Kind. Musik kann beim Entspannen helfen (Einschlafmusik), beim Spannung abbauen (wenn du die Luftgitarre auspackst), beim Abreagieren durch gemeinsames Abhaken (es schaut dir niemand zu, also ist’s egal, wie es ausschaut!) oder beim lautstarken Singen, Klimpern und Klampfen. Beim selbst singen (und es ist gleich, ob das „richtig“ ist oder nicht) atmet man besser, es werden Endorphine ausgeschüttet und zudem stärkt es das Immunsystem. Also: Ran an’s Instrument, oder Mucke an und losgeträllert!

GEMEINSCHAFT

Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen. Nämlich: hinsetzen, gemütlich sein, quatschen, zur Ruhe kommen und Termine Termine sein lassen. Die besten Feste für Familien werden in einem wunderbaren Buch („Leitfaden für faule Elternschaft“) so beschrieben: reichlich Kinder in der einen Ecke des Gartens, reichlich Erwachsene (und Alkohol) in der anderen Ecke des Gartens. Diese Theorie kann ich praktisch bestätigen, vor allem wenn sich die eine Gruppe nicht zu sehr bei der anderen Gruppe einmischt und umgekehrt. 

Ich merke, dass es uns an Möglichkeiten und Ideen kaum fehlt. Die meisten Dinge, die uns entschleunigen kosten kaum bis gar kein Geld, wir können jederzeit auf sie zugreifen. Jedenfalls die meisten von uns. 

Also liegt es wohl an unseren Prioritäten. Denn, wie heißt ein schönes Zitat, dass ich heute gelesen hab:




Du hast nicht „keine Zeit“. Du hast andere Prioritäten.


Vielleicht sind alle diese hier beschriebenen Dinge für dich völlig unpassend. Vielleicht braucht ihr als Familie ganz etwas Anderes. Wunderbar – in der Vielfalt liegt die Lösung! Es ist gut und wichtig unterschiedliche „Zutaten“ auszuprobieren um dann ein schmackhaftes Individualrezept zu haben – das Rezept, das für DICH und für EUCH richtig ist. Es zahlt sich aus, das zu erforschen. Denn:

Es geht um uns. Und unser Leben. Also, lasst uns die Segel richtig setzen.

Ich mach mir jetzt Kaffee. Und tu dabei nix. Und du?

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  • #1Lena Traxl (Donnerstag, 12 September 2019 15:51)So wie du deinen Blog beendet hast, hab ich ihn begonnen: mit einem Kaffee. Eine Kaffeepause mit einer sinnvollen Leselektüre ist das A und O. DANKE für deine wahren Worte liebe Schwester!

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