CORONA , oder: Bleib in der Liebe!

CORONA , oder: Bleib in der Liebe!

Da sind wir also. Mehr oder weniger plötzlich erwachen wir in einer Situtation, die wir so sicher nicht geplant hatten, oder uns so wünschten. Ein Virus und sein Schatten verschaffen sich Raum – kaum jemandem, der nicht völlig abgeschottet von Nachrichten & Co lebt, war es wohl möglich, in den letzten Tagen einen kompletten Bogen um das Thema zu machen. 

Es geht uns an. Und es geht uns alle an. Gedanken kreisen beständig um das Thema, der kritische Geist überlegt, was vielleicht Wahrheit und was Übertreibung ist, das bequeme Gemüt schreit auf, dass es keine Veränderung will, der sensationshungrige Zwerg in uns meint, gefüttert werden zu müssen und ganz nebenbei erwacht draußen, als ob sie nichts von all dem wüsste, die Natur.

Auch in Zeiten, in denen scheinbar alltäglichste Dinge über unseren Kopf hinweg bestimmt werden, uns verordnet werden, haben wir die Wahl. So wie wir immer irgendwie eine Wahl haben.
Wir können in Panik geraten, uns jede Schreckensmeldung anhören, wie verrückt unsere Lebensmittelvorräte aufstocken, Angst und Schrecken verbreiten und uns fürchten, weil alles momentan ach so schrecklich ist.

Und wir können Ruhe bewahrenEmpfehlungen einfach beachten, unsere Nächsten schützen. Wir können Begrüßungsrituale verändern und dabei erleben, wie wir plötzlich viel bewusster auf den anderen achten, weil es nicht mehr so automatisiert ist. Wir können spielerisch an das Thema Händewaschen herangehen und unsere Haut dabei achtsam spüren. Wir können Kontakt zu den Großeltern vermeiden und schon jetzt die Vorfreude auf das Wiedersehen genießen. Wir können – wie Notfallsanitäter Mag. Gerry Foitik gestern treffend beschrieben hat – durch Rücksichtnahme zu Lebensrettern werden indem wir unser Leben für einige Zeit verändern.

Veränderung. Wunderbare Zeiten also für’s Gehirn. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich Fan von allem Neuen bin, dass ich gerne selbst unbeschrittene Wege gehe und es mag, mich heraus zu fordern, ungewohnte Dinge zu tun, um im Kopf frisch zu bleiben.

Jetzt bekommen wir Veränderung quasi per Verordnungsschein. Wunderbar. Schulen und Kindergärten machen ab nächster Woche dicht. Alle möglichen Veranstaltungen sind abgesagt. Aufträge werden storniert und plötzlich wird aus einem vollen Kalender einer mit ganz viel Raum.

Jammern wir nicht allzu oft über das hohe Tempo?
Jammern wir nicht allzu oft über die vielen Termine?
Jammern wir nicht allzu oft über ärgerliche Verpflichtungen?
Nun – jetzt können wir mal ordentlich bremsen und uns auf das Wesentlichste reduzieren.
Und das, obwohl wir (noch hoffentlich lang) bei bester Gesundheit sind.
Eine Pause.
Ein Schnitt.
Eine Unterbrechung.

Und weißt du was? Ich bin nicht die Einzige, die sich ein bisschen darauf freut. Schon mehrere Menschen mit denen ich in letzter Zeit Kontakt hatte, haben schon Ideen, was sie „nun endlich“ umsetzen möchten, weil durch diese außergewöhnliche Situation Zeit dafür entsteht.

Die Ideen reichen von „ich näh mir endlich mein eigenes Dirndl, der Stoff liegt eh schon so lang daheim“ über „ich miste meinen Gewandkasten aus“ bis hin zu „die Garage gehört dringend aufgeräumt“. Ich kann es schon jetzt fast fühlen, wie es sein wird, lang aufgeschobene Dinge erledigt zu haben – weil viele Alltagstermine ausfallen.

Natürlich bin ich in einer privilegierten Situation, denn es gibt Berufsgruppen und Menschen, die jetzt erst recht gefordert sind, vielleicht noch mehr arbeiten sollen und sich dabei in Gefahr begeben, über ihre Grenzen hinauswachsen müssen. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die durch ihr Tun diese Gesellschaft in einer Krise am Laufen halten und DANKE von Herzen.

Allen, denen die aktuellen Emfehlungen einen wirren Kopf bescheren, denen wünsche ich jedenfalls, dass es ihnen gelingt, RUHE zu bewahrenPOSITIV zu bleiben, sich für LANGSAMKEIT zu begeistern, und immer davon auszugehen, dass es da LÖSUNGEN gibt, neue VERHALTENSWEISEN zu erproben und entdecken, zu WACHSEN mit der Aufgabe.

Bleiben wir zuversichtlich.
Bleiben wir achtsam.
Bleiben wir rücksichtsvoll.
Bleiben wir dankbar.
Bleiben wir gelassen.
Bleiben wir freundlich.
Bleiben wir in der Liebe.
Denn Angst macht definitiv krank. Auch ohne Virus. 
Stay safe and enjoy your new current life. 

P.S: derzeit stelle ich es mir durchaus idyllisch vor, mit den Kindern den neuen Alltag daheim zu gestalten, viel Zeit für Spiel und Natur zu haben, die sonst fehlt. Ein bisschen Lernen und HomeOffice dazu, nebst jeder Menge Familienzeit. Falls uns die Realität überholt und wir anschließend alle einen Lagerkoller haben, liest du es vermutlich nächste (oder übernächste) Woche … genau hier. 😉

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  • #1Sandra g. (Donnerstag, 12 März 2020 22:31)Applaus, Applaus, für deine Worte!!
    Kerstin, du hast das echt voll gut geschrieben!! Ich werde es weiterteilen und hoffe es sehen und nützen das viele so!!!
  • #2Bernhard (Freitag, 13 März 2020 02:06)DANKE KERSTIN, DAS IST ES!!
  • #3Carmen (Freitag, 13 März 2020 07:28)Super, Kerstin! Danke für die schönen, wahren Worte. Diese Panikmache ist der Horror. Ich freu mich ehrlich gesagt auch auf die Zeir mit meinen Liebsten. ❤ Hab nicht Angst um meine Kinder oder mich – wir sind ja fit und lassen uns nicht unterkriegen. Aber meine Großeltern sind alt und gebrechlich. Das ist mir erst jetzt richtig bewusst geworden. Es liegt an uns, sie zu schützen. Wer mich kennt, weiß, ich bin ein Grund-positiver-Mensch�. Ich als Selbstverständige bin halt in einer etwas anderen Situation. Wenn ich nichts arbeite, verdiene ich auch nichts. Punkt. Partys werden auf unbestimmte Zeit verschoben, was ich auch verstehe. Das als Alleinverdiener, der gerade mitten im Hausbau steckt … momentan nicht die Beste Kombi�. Aber ich werde es schaffen! Der Virus ist hoffentlich bald in Griff zu bekommen und die Menschen verlieren ihre Angst und schätzen soziale Kontakte, die Tupperpartys mit sich bringen umso mehr. �� Wir werden in dieser Notsituation wieder näher zusammenrücken und uns wieder mehr umeinander kümmern. Füreinander da sein. Das werden wir Positives aus dieser Lage mit raus nehmen. Und es wird die Menschheit im Umgang miteinander stärken.
    Ich wünsche allen das Wichtigste: xund bleib’n!!!!
  • #4Kerstin Bamminger (Freitag, 13 März 2020 09:02)Vielen Dank für die positiven Rückmeldungen! Es freut mich, euch mitnehmen zu können.
    @Sandra: Danke für den Applaus!
    @Bernhard: It is, what it is! 😉
    @Carmen: vollstes Verständnis unter Selbständigen. Es ist auch unbequem und wir kommen möglicherweise mit unseren Existenzängsten in Berührung. Das ist natürlich eine Herausforderung. Umso schöner, dass du auch der Meinung bist, dass ein positiver Geist jedenfalls hilfreich ist, wenn schon im Außen manches schwer wird. Ich versuche auch weiter die Chancen zu sehen. Die Möglichkeiten, sich zu verändern und daran zu wachsen, auch wenn es hart ist.
    Wie hat schon Kelly Clarkson so schön enthusiastisch gesungen: „…. what doesn’t kill you makes you stronger!“
    Bleibt’s g’sund!
  • #5Maddy (Freitag, 13 März 2020 11:04)DANKE für die aufbauenden und wahren Worte! Genau so muss man es sehen. 🙂
    Mir ist auch nicht mehr wohl bei der Sache gewesen, aber mit deinem Beitrag hast du mir geholfen, es mit anderen Augen zu sehen. DANKE! Alles Gute, weiter so & bleibt gesund!
  • #6Susanne (Freitag, 13 März 2020 17:25)Wahre Worte Kerstin … ENTSCHLEUNIGUNG!!!!
    Wieder Zeit haben für Wesentliches
FEMINISMUS: 10 Fragen & Antworten

FEMINISMUS: 10 Fragen & Antworten

Im Februar diesen Jahres hat mich eine Schülerin der Abschlussklasse der Fachschule Kleinraming gebeten, sie bei ihrer Facharbeit zum Thema Feminismus und Frauenrechte zu unterstützen und Fragen zu beantworten. Ich war natürlich gleich „on fire“ – erstens, weil ich gerne junge Frauen unterstütze (wie auch immer) und zweitens, weil mich das Thema begeistert. 

Lena hat mir die Fragen geschickt und mit ihrer Erlaubnis teile ich hier und heute meine Antworten mit meiner Leserschaft.

Liebe Lena, ich wünsch dir übrigens alles Gute für dein Ausbildungsfinale und

dass deine Arbeit bei deiner Lehrerin Fr. König-Felleitner, die mich empfohlen hat,

gut ankommt. Ich drück dir die Daumen! Du wirst das rocken!!!


„If you stand for equality, you’re a feminist. That’s it.“ (Emma Watson)


1. Bezeichnen Sie sich als Feministin, wenn ja – warum?

Ja, ich bezeichne mich (mittlerweile) gern als Feministin. Beim Feminismus geht es um Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung aller Menschen und nicht etwa (wie manche Menschen glauben) um Männerfeindlichkeit oder Frauenbevorzugung. Insofern sehe ich keinen Grund mich nicht als Feministin zu bezeichnen, denn die oben genannten Werte sind Grundpfeiler einer gesunden Persönlichkeit. Früher war es für mich auch eher ein „Schimpfwort“.

2. Warum brauchen wir im Jahr 2020 Feminismus?



Eben weil es immer noch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, wie ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, weil Frauen in vielen Bereichen des Lebens unterrepräsentiert sind (nicht nur in den Führungsetagen des Landes) und besonders, weil so viel hochwertige Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, die sogenannte Care-Arbeit, unbezahlt und daher auch zu wenig wertgeschätzt und gewürdigt wird – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 

3. Wo herrscht zwischen Frauen und Männer noch am wenigsten Gleichberechtigung?

In der Bezahlung von Arbeit. Und hier meine ich eben nicht nur Erwerbsarbeit, sondern auch und besonders Care-Arbeit. Leider sind zudem sogenannte typische Frauenberufe generell schlechter bezahlt als sogenannte typische Männerberufe, was weitreichende Auswirkungen hat in Bezug auf bezeichnende Lebensentscheidungen – besonders was Familien und die Aufteilung von Arbeit dort betrifft.


Auch sprachlich gehöre ich zu denen, die penibel darauf achten, korrekt zu sprechen. Ich sag bewusst nicht „gendern“, weil das so einen negativen Touch hat!

Wenn meine Ärztin eine Frau ist, sage ich niemals „zum Doktor gehen“. Es ist schlicht und einfach falsch und hemmt uns im gleichwürdigen Denken! Sprache ist Macht und diese Macht darf genützt werden!
Ich könnte jetzt noch schreiben über weibliche Hauptrollen, wieviel Text Frauen in Hollywood Blockbustern bekommen, welche Rollen Mädchen schon in der Kinder- und Jugendliteratur einnehmen oder über die von Social Media und Co salonfähig gemachten Posen sprechen, die Mädchen einnehmen sollen, damit sie „für Jungs süß“ rüberkommen. An dieser Stelle würde die Antwort wahrscheinlich in eine Doktorarbeit münden und mein Nervenkostüm überstrapazieren.

4. Finden Sie dass Feminismus männerfeindlich ist?

Was kann an Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Gleichwürdigkeit von beiden Geschlechtern männerfeindlich sein? Ich weiß schon, dass man Feminismus gerne in diese Ecke rückt – und offen gestanden gibt es auch Persönlichkeiten, die sich männerfeindlich verhalten, doch das hat nichts mehr mit Feminismus zu tun!
 Es braucht die Erkenntnis, dass Männer Stärken haben und Frauen Stärken haben, die GEMEINSAM dazu beitragen können, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Natürlich fühlen sich manche Männer nun bedroht, weil sie eine recht bequeme Position – die des bestimmenden Patriarchen – aufgeben sollen. Echte Männer – nämlich welche, die keine Minderwertigkeitskomplexe haben – kommen mit starken Frauen wunderbar klar.

5. Welche/r Politiker/in wäre für Sie in der Lage wirkliche Veränderungen für Frauen und Mädchen weltweit zu bewirken? Wer sollte mehr Einsatz zeigen?


Das ist eine schwierige Frage, da wir hier in Mitteleuropa diesbezüglich in einer vergleichsweise heilen Welt leben. Ich glaube, dass beispielsweise Michelle Obama sich sehr für Bildung und Chancen von Mädchen weltweit einsetzt und da ist sie bestimmt nicht die Einzige.

Ich schätze unseren Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, der bei erster Gelegenheit eine Frau als Kanzlerin und ein geschlechtermäßig ausgewogenes Kabinett installiert hat, wenn auch nur als Übergangslösung. Und ich vermute, dass es noch viele andere Personen in politischen Ämtern gibt, die sich ähnlich bemühen – mir aber hier und jetzt nicht einfallen oder bekannt sind. Ich finde immer schade, wenn sich Frauen in Führungspositionen oder aus dem öffentlichen Leben angewöhnt haben wie Männer zu funktionieren anstatt sich auf ihre eigenen Talente zu besinnen. Und wenn solche Frauen dann auch noch ihre enorme Präsenz in den Medien nutzen um andere Frauen zu diskreditieren, bekomme ich alle Zustände vor lauter Enttäuschung.

6. Was verändern Sie als Feministin in unserer Welt?


Ich bemühe mich, jegliche gelernten oder unbewusst überlieferten Bilder von Geschlechtlichkeit bei meinen Kindern zu vermeiden. Keine Mädchenfarben, keine Jungs-Spielsachen oder Ähnliches – jede und jeder darf alles und kann alles machen, was er oder sie gut findet. Ich traue allen Kindern alles zu und versuche nicht etwa Mädchen vor technisch oder körperlich schweren Aufgaben zu schützen oder Jungs vor der Hausarbeit zu schonen. Das ist täglich ein Stück gelebte Gleichberechtigung und Gleichwürdigkeit.


Ich nütze meine Arbeit, um Frauen zu bestärken und ihnen zu echter Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu verhelfen. Ich verdeutliche ihnen den Wert ihrer Arbeit, ermutige sie zu individuellen Entscheidungen, denke aber dabei immer daran, dass wir alle uns in sogenannten Systemen bewegen, in die wir auch hineinpassen möchten und wo wir dazugehören wollen. 
Als jemand, der viele Frauen erreicht, habe ich Einfluss – wenn auch in kleinerem Rahmen als echte Promis. Diesen Einfluss nütze ich so oft wie möglich um uns Frauen zu verbünden, uns gegenseitig zu unterstützen und stark zu machen und zusammen mit Männern eine gute Zukunft zu gestalten. Das könnte man dann *SINNfluencen* nennen. 

7. Hatten Sie schon negative Erfahrung als Feministin?

Mich kränken natürlich abschätzige Kommentare ein wenig mit, wenn man sich anhört, was beispielsweise eine Sigrid Maurer oder die neue Justizministerin Sadic sich anhören oder lesen müssen. Selbst wenn ich weiß, dass diese Meldungen von definitiv unterentwickelten und schwächlichen Männern kommen, lässt es mich nicht völlig kalt.
 Persönlich bekomme ich sehr wenig ab – ich denke, es wird eher hinter meinem Rücken geredet, dass ich eine „Emanze“ bin oder wie wir auf gut oberösterreichisch sagen: „a Schoarfe“. Das bringt mich dann wohl eher zum Lachen. 


Mein Mann kriegt da eher manchmal etwas ab, weil Männer ihn sehr wohl konfrontieren mit seiner Frau, die so unangenehme Sachen ausspricht und eine von denen ist, die „scheinbar den Hals nicht vollkriegen“.  So nach dem Motto:  „… was wollen sie denn noch alles, die Frauen?“ Womit wir wieder bei Frage 2 wären.

8. Gab es schon Situationen wo Sie es bereut haben, sich als Feministin einzusetzen?

Nein, ich habe noch nichts bereut – im Gegenteil. Ich wünsche mir manchmal, ich hätte früher schon in manchen Situationen deutlichere Worte gefunden.

Obwohl ich sehr schlagfertig bin, war ich oft perplex angesichts einer frauenfeindlichen Meldung mir oder einer anderen Frau gegenüber. 
Dass das aber auch gefährlich sein kann, ist mir bewusst und dieses Gefühl hatte ich sehr wohl schon. Wenn du einem Mann klar sagst, er soll die Hand von deinem Hintern nehmen und er das beinhart und provokant ignoriert, du dich dann mit deinem Stiletto Absatz auf seinem Vorfuß verteidigst … dann kann das schon mal fast ins Auge gehen. 


Selbstverteidigungskurse sind super und hilfreich, letztlich darf man sich aber auch selbst schützen, indem man eine Situation verlässt und nicht „bis zum bitteren Ende“ ausharrt. Kluge Frauen treffen eben kluge Entscheidungen.

9. Finden Sie es gut, dass es auch männliche Feministen gibt?

Ich finde es nicht nur gut, ich finde es hervorragend!!

Wie gesagt: es geht um Gleichberechtigung, Gleichwürdigkeit, Selbstbestimmung – all das geht nur, wenn wir uns mit den Männern verbünden, sie als ebenbürtig ansehen und uns nicht überhöhen. Dafür brauchen wir sie mit im Boot und es ist zu einem großen und guten Teil auch an einem Mann – nämlich meinem Papa – gelegen, dass ich zu der Frau geworden bin. 


Väter können wesentlich dazu beitragen, ihre Töchter zu stärken, sie gleichwürdig und gleichwertig behandeln und nicht wegen ihres Geschlechts Spezialbehandlungen anwenden. Sie leisten 50% der Arbeit, also: JA, wir brauchen sie! Dringend! Und mehr von ihnen!!

10. Glauben Sie, dass Frauen einmal dieselben Rechte wie Männer bekommen könnten?


Das glaube ich nicht, das weiß ich. Es muss so kommen!

Die Frage ist nur, wie lange es noch dauern wird. Das Patriarchat war bis 1976 in Österreich gesetzlich verankert – und die gesellschaftlichen Mühlen mahlen oft langsam – besonders, was Rollenbilder betrifft. Also brauchen wir vermutlich noch etwas Geduld. Leider. 
Ich glaube, dass das die Rettung der Welt bedeuten könnte. 
Frauen führen anders, Frauen denken anders, Frauen handeln anders.

Und die aktuelle Situation (Klima, Kapitalismus, Kriege) sind meiner Meinung nach eindeutig auf männliche Entscheidungen zurückzuführen. Frauen waren ja nirgendwo an der Macht!


Das würde sich schlagartig ändern und das wird sich schlagartig ändern, wenn mehr Frauen vorne stehen (wie mein Opa liebevoll sagen würde).

Das ist ein Bild voller Hoffnung!

Ich bin außerdem voll Zuversicht, wenn ich mir viele junge Frauen anschaue, die das Thema schon viel früher und viel bewusster aufnehmen. So wie Sie!
Die Zukunft wird weiblicher und das ist dringend nötig. Wenn wir mehr Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mittragen können, wird das spürbar sein für Frauen in unserem Land. Gemeinsam mit Männern kann es gelingen.

Ein friedliches, konstruktives und gegenseitig bereicherndes Miteinander.

So stell ich mir das vor. Und Gedanken schaffen Realität.
Also tragen wir die Gedanken hinaus in die Welt!

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  • #1Andrea Holzer-Breid (Freitag, 06 März 2020 13:12)Liebe Kerstin! Vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag zum Thema Feminismus! Der Film „Die Dohnal“, der gerade in den Ö-Kinos gespielt wird, passt super zu deinen Impulsen.
  • #2Kerstin Bamminger (Montag, 09 März 2020 14:01)Liebe Andrea, danke für deine Rückmeldung! Ich möchte mir den Film voll gern ansehen und hoffe echt, ich find ein Zeitfenster ;-)!! Lg, Kerstin
Fasten. Das Tor zum „MEHR“.

Fasten. Das Tor zum „MEHR“.

Aschermittwoch. Was für die einen eine politische Bühne ist, für andere das Probesterben nach einem fordernden Fasching, so ist er für manche Menschen der Beginn der Fastenzeit.
Fasten hat ja für die eine oder den anderen ein negatives Etikett. 
Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses, einer „Zuvielisation“, alles steht uns praktisch jederzeit zur Verfügung, wir sind kaum mehr gewöhnt etwas nicht haben zu können – und noch weniger, freiwillig weniger zu wollen als möglich wäre.

Dabei bietet das bewusste Verzichten auf verschiedenste Dinge – ich hab ja letztes Jahr ausführlich darüber geschrieben, wie wir mit allen Sinnen fasten können (BLOG Beitrag lesen) – einige echte Vorteile, für die es sich lohnt über das „FASTEN“ nachzudenken.

SINNSUCHE

Egal, was man fasten möchte: es beginnt immer mit der Suche nach dem geeignteten Feld. Das heißt: wenn es nicht gerade von jemand Fremdem vorgeschrieben (= aufgezwungen) wird, sind wir grundsätzlich frei, zu entscheiden, wobei wir uns reduzieren möchten.

Das bedingt eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben:
Wovon gibt es bei mir ein Zuviel?
Was würde mir guttun zu reduzieren?
Wo möchte ich mich auf das Wesentliche besinnen?
Die Suche nach der Sinnhaftigkeit ist also schon der erste bedeutende Schritt, der dem Fasten vorausgeht.

Das kann natürlich per Datum erfolgen, muss es natürlich nicht. Ich lasse mich gern von solchen Gelegenheiten im Jahreskreis packen, da steckt für mich oft mehr Energie drin.

FREIHEIT

Sich zu entschließen, auf Was-auch-immer bewusst zu verzichten ist ein Akt der Freiheit. Wir leben in einem reichen Land, leiden keine Not und können uns ganz einfach dafür entscheiden, weniger zu brauchen (als uns manchmal vorgegeben wird).
In dieser Haltung steckt ein ganzes Stück Unabhängigkeit, eine riesen Portion Luxus und jede Menge Leichtigkeit. Freiheit, so wird uns oft suggeriert, ist, wenn man sich alles leisten kann, jederzeit alles bekommt und im Überfluss lebt.
Ich meine: Freiheit ist viel einfacher und schneller erreicht, wenn ich mit weniger zufrieden bin, als ich haben könnte. Wenn ich Anerkennung im Innen finde statt im Außen. Wenn ich dankbar bin für das, was ich hab anstatt nach ewig mehr zu lechzen.

GEWINN

Durch das „Weniger“ kann ein „Mehr“ entstehen. 
Wenn ich bewusst meine Nahrung reduziere, kann ein mehr „Körperwohlgefühl“ entstehen. 
Wenn ich bewusst auf schlechte Gedanken verzichte, kann mehr „Zuversicht“ entstehen. 
Wenn ich bewusst diversen Lärm im Alltag beschränke, kann mehr „Stille“ hörbar werden, in der ich mich selbst finden kann. 
Wenn ich bewusst die Reizüberflutung in (sozialen) Medien vermeide, kann mehr „Zeit“ für echte, persönliche Begegnung entstehen.

Wenn ich bewusst meine vollen und immer beschäftigeten Hände leere, kann ich „mehr“ Wertvolles aufnehmen und annehmen (Berührung, Zärtlichkeit, Kontakt).
Hinter einem Weniger verbirgt sich immer ein Gewinn – wenn dieser Gewinn nicht erkennbar oder spürbar ist, finde ich, ist es eventuell nicht der richtige Bereich, in dem man sich eingrenzen will.

Mal abgesehen davon, dass es höchst natürlich ist, anfangs so etwas wie Entzugserscheinungen zu haben. (Ja, das sind diese Stimmen im Kopf, die dir flüstern, dass das alles ja Quatsch ist, du dich dem doch nicht aussetzen musst, dass du wieder so weitermachen sollst, wie vorher, …..)

Ich glaube, dass das WENIGER wollen, WENIGER brauchen, WENIGER müssen, …. ein Schlüssel für ein zufriedeneres und glückliches Leben ist und nicht zuletzt auch unsere Gesellschaft, die ja seit Jahrzehnten derart über ihre Verhältnisse lebt, die Rettung wäre. Fasten also auf Rezept und Verordnung?
Wie bei so vielen anderen Dingen glaube ich nicht, dass es uns verordnet werden kann und soll, weniger Fleisch zu essen (oder darauf zu verzichten), weniger zu fliegen (oder darauf zu verzichten), weniger zu konsumieren, weniger Müll zu produzieren,….  – es darf eine freiwillige Entscheidung sein. 

In der Überzeugung, dass es uns gut tut.
In der Überzeugung, dass es der Gesellschaft gut tut.
In der Überzeugung, dass es der Umwelt gut tut.
In der Überzeugung, dass es den Tieren gut tut.
Weniger ist mehr. Lassen wir uns doch darauf ein.

Und wenn schon nicht das gesamte Jahr, dann zumindest phasenweise.
Phasenweise ist ein guter Anfang. 
Let’s get it started. 
Today. 
Du? Schon Fastenvorsätze? Welches MEHR verbirgt sich hinter deinem „Verzicht“? …

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  • #1Manfred Mitterer, Steinakirchen (Donnerstag, 27 Februar 2020 22:50)LIebe Fr. Bamminger,
    danke für diese sehr anregenden Gedanken zum Fasten.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass „Selbstbegrenzung“ (=Fasten) ein wesentliches Lernfeld ist, damit wir nachhaltiger, ökologischer, klimafreundlicher, beziehungsintensiver, gelingender und letztlich befriedigender/glücklicher/zufriedener …. leben können.
  • #2Kerstin Bamminger (Montag, 02 März 2020 16:50)Lieber Herr Mitterer, da sind wir uns dann einig. Schön, wenn wir VIELE sind, die so denken und damit andere anstecken! Liebe Grüße nach Steinakirchen!
Curling-Eltern, Komfortzonen & Bob-der-Baumeister Mentalität

Curling-Eltern, Komfortzonen & Bob-der-Baumeister Mentalität

Kinder sind höchst abhängig davon, wie wir Erwachsenen mit ihnen umgehen – besonders wir als Eltern. Wir können von ihnen nur Respekt erwarten, wenn wir selbst respektvoll sind. Wir können von ihnen nur Einfühlungsvermögen erwarten, wenn wir selbst empathisch sind. Wir können von ihnen nur Engagement erwarten, wenn wir sie auch machen lassen. (Bitte hier beliebig fortsetzen.)

Welche bedenklichen Entwicklungen es meiner Beobachtung nach durch Curling Eltern gibt, was das Verlassen von Comfort Zonen bringt und was eine Bob-der-Baumeister Menatlität ist, gibt’s hier und heute zu lesen.


„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt.
Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“

Aristoteles
(384 – 322 v. Chr.), griechischer Philosoph


Dieses Zitat, das Aristoteles zugeschrieben wird, ist knapp zweieinhalbtausend Jahre alt. Was beweist, dass es scheinbar schon immer Zweifel einer vorangegangenen Generation gegenüber der Nachfolgenden gegeben hat. 

Wenn man, wie ich, in verschiedenen Lebensbereichen mit jungen Menschen zu tun hat, wird man zwangsläufig mit den Eigenheiten der „Jungen“ konfrontiert. Das ist oft wirklich spannend und erfrischend, weil jede Generation ein bisserl anders „tut“ als die vorherige und wir davon profitieren können, wenn Dinge von Anderen anders gemacht werden.

Manchmal ist es auch ein wenig besorgniserregend. Was mich im Speziellen traurig macht, ist, wenn Kindern das Vertrauen in sich selbst abhanden kommt und der Wille, etwas erreichen zu wollen. Wenn sie verlernen, wie befriedigend es ist, sich für etwas anzustrengen und dann den Erfolg zu genießen. 

Ich beobachte (und ja, das mag eine sehr subjektive Einschätzung sein), dass Kinder häufig nicht mehr aus ihren Komfort Zonen herauskommen. Sie machen das, was sie schon kennen und können, das, was „leicht geht“ und wenn es wo besonderen Einsatz oder Engagement braucht, wenn etwas körperlich anstrengend wird oder etwas Mut und Zuversicht braucht heißt es gern: „Das kann ich nicht. Du musst das für mich tun. Das geht aber nicht. Das ist ja anstrengend.“

Und es folgt keine weitere Reaktion, weil ihre Erfahrung zu sein scheint: „… wenn ich das sage, oder mich so verhalte, kommt jemand, der mir die Tätigkeit abnimmt.“

Womit wir beim springenden Punkt sind. Es sind nicht die Kinder, denen hier etwas vorzuwerfen ist, sondern die Erwachsenen. Manche Eltern räumen von Beginn an alle Schwierigkeiten aus dem Weg. Das beginnt beim Spielzeug, das dem krabbelnden Baby entgegen gebracht wird, über Anziehservice von Kopf bis Fuß im Kindesalter bis hin zu bequemem Chauffieren der Jugendlichen, denen ein Gehweg nicht zugemutet wird.

Es gibt ein Wort für diese Art Elternschaft: Curling-Eltern.

Das sind Eltern, die sich permanent in der Nähe ihres Kindes aufhalten, es in seinen Aktivitäten überwachen, wie beim Curling, jede Unebenheit am Lebensweg wegpolieren, so dass der Nachwuchs ruhig die Bahn entlang gleiten kann.
Kein Wunder, dass sich solche Kinder dann beschweren, wenn es plötzlich uneben und steinig wird, wenn erste Hindernisse auftauchen und sie ihre eigene Energie darauf verwenden dürfen, etwas zu schaffen, einen Weg oder eine Aufgabe zu bewältigen und das nicht jemand anders für sie übernimmt. 

Dabei hat es so viele Vorteile, wenn wir als Eltern mal den „Curling Besen“ wegstellen und uns stattdessen (bildlich gesprochen) an die Bahn stellen und sie anfeuern, aufmuntern und anleiten. Wie sie es selbst schaffen können.

Ihnen zurufen, dass wir an sie glauben.
Ihnen – wenn gewünscht – mit unserer Erfahrung beiseite stehen.
Und – wenn nicht – sie auch mal auf die Nase fallen lassen können und dann da sind.
Um zu trösten, zuzuhören, auszuhalten.

Kinder – und davon bin ich fest überzeugt – wollen lernen, wollen sich entwickeln und sie wollen sich auch anstrengen. Das liegt in der menschlichen Natur. Sie haben grundsätzlich eine Bob-der-Baumeister-Mentalität („Können wir das schaffen? JA, wir schaffen das!“).
Es ist jedoch möglich, dies abzutrainieren, worauf wir als Eltern bewusst verzichten dürfen.

Niemand wird sich wohl selbst (gern) als Curling-Elternteil bezeichnen und doch sind wir alle nicht geschützt davor, solches Verhalten zu zeigen.

Weil’s schneller geht, ihnen die Schuhbänder selbst zu binden, obwohl sie es können.
Weil’s bequemer ist, sie schnell zu fahren, als das Gejammer auszuhalten.
Weil’s sauberer ist, sie selbst zu füttern, obwohl sie den Löffel halten können.
Weil’s leichter geht, sie den Berg rauf zu tragen, als sie zum Gehen zu motivieren.
Weil’s einfacher ist, dem Wunsch nachzugeben, als die Gegenwehr auszuhalten.

Ich nehme mich nicht aus. Auch ich bin in mancher Hinsicht ausbaufähig und könnte den Kids noch mehr zutrauen oder von ihnen verlangen. (Siehe „Wir sind eine WG, kein Hotel!“
Am Wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass wir das Bewusstsein dafür entwickeln, wo wir sie sinnvoller Weise unterstützen und wo wir ihenn Dinge unnötiger oder bequemer Weise abnehmen.

Es gibt diesen schönen Spruch: „Outside your comfort-zone is … where the magic happens!“

Was heißen soll: lasst uns selbst und unsere Kinder immer wieder raus aus unseren Komfortzonen, den inneren Schweinehund überwinden, den Curlingbesen im Schrank versperren, ins kalte Wasser springen, das Unmögliche wagen ….. (nenne es, wie du willst) 
… und lasst uns dann voll Freude darüber staunen, was möglich ist, was wir alles schaffen, was sie sich selbst zutrauen, wenn wir es ihnen zutrauen, wie wir alle zusammen über uns hinauswachsen und … die MAGIE dahinter spüren.

Hand auf’s Herz. 
Wo entdeckst du dich im Alltag mit dem Curling-Besen? 
Wo brauchst du mehr von der Bob-der-Baumeister-Mentalität?
Wo chillst du zu sehr in deiner Komfortzone?
Wo solltest du mal den Sprung ins kalte Wasser wagen?

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  • #1Jolanda (Mittwoch, 26 Februar 2020 21:10)Hallo Kerstin!
    Ich habe meine Kleinen heute zu einer „Frischluft Kur“ verdonnert, nachdem es endlich mal windstill und trocken war. Kaum draußen ist meine Tochter mit dem Scooter vom Weg abgekommen und hat sich aufgeschürft, mein Sohnemann hat einen Trotzanfall bekommen und ich war kurz davor retour zu gehen, alle beide ins Auto zu sitzen und nicht mehr zu Fuß einkaufen zu gehen!
    Aber – ich brauchte selber DRINGEND Frischluft, hab mich nochmal aufgerafft und so sind wir nach gutem Zureden doch noch marschiert ☺️
    Am Rückweg hat uns ein ordentlicher „Hagel-Schneesturm“ (Kinder Mund) erwischt und das Abenteuer war perfekt! Keine Spur mehr von Müdigkeit, Trotz oder „ich mag nicht mehr“ ☺️
    Einmal raus aus der Comfort Zone und man erlebt die schönsten kleinen feinen Abenteuer! Es war für uns alle ein lustiger Spaziergang und das einschlafen am Abend ging ganz, ganz problemlos �
    LG Jolanda
  • #2Kerstin Bamminger (Montag, 02 März 2020 16:52)Jolanda, das ist ja eine wunderbare Geschichte. Wir Mütter brauchen solche magischen Wendungen im Alltag eh ganz dringend. Schön, dass du das so erlebt hast! Alles Liebe und: let the magic happen 😉 Kerstin
Unverdienter Fisch. Statt Valentinsblumen.

Unverdienter Fisch. Statt Valentinsblumen.

Valentinstag, der Feiertag der Liebenden – weil der heilige Valentin als Patron der Liebenden verehrt wird. Die Überlieferung unterscheidet und vermischt zugleich zwischen einem Valentin von Terni und einem Valentin von Rom. Womöglich handelt es sich aber auch um ein und dieselbe Person.

Valentin von Terni soll als Bischof in Rom viele Leute für den christlichen Glauben gewonnen haben, der andere Valentin (von Rom) soll als Priester Liebespaare trotz des Verbots christlich getraut haben ( YEAH, es gab immer schon Querulanten!!) und deswegen am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Zudem habe Valentin den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. (Quelle: Wikipedia)

Daher auch die Tradition mit den Blumen. 

APROPOS BLUMEN.

Der Handel reibt sich die Hände, denn der Run auf Blumen, Süßes und Sonstwas wird gefühlt jedes Jahr stärker. Es wird uns so selbstverständlich erklärt, dass „es“ dazugehört, wenn man jemanden liebt, dass man sie oder ihn zu diesem Anlass (reich) beschenkt. Und wenn man schon keinen Beziehungspartner hat, dann bitte doch zumindest die Großmütter oder so. 

Egal eigentlich, Hauptsache, das Geldtaschl sitzt locker.

Wer mich kennt, weiß vielleicht: auf Geschenke leg ich nicht sonderlich viel Wert. Ich lass mich zwar gerne mal überraschen (was immer wieder mal wirklich gelingt!) und liebe Blumen – was ja perfekt zur Valentinstagsprozedur passen würde – doch eine von außen befeuerte Liebesbekundung durch diverse Konsumgüter: nein, danke. 

Da nehm‘ ich schon lieber unverdienten Fisch.

Was, bitte, ist UNVERDIENTER FISCH?

Rosemarie Welter-Enderlin beschreibt in ihrem Buch „Paare – Leidenschaft und Langeweile“ eine Erkenntnis aus der Tierbeobachtung.
Bei Delfinen, die ja bekanntlich gut zu dressieren sind, wird üblicherweise beim Erlernen von Kunststücken, oder wenn diese vorgeführt werden, eine gewünschte Handlung oder Bewegung mit einem Fisch belohnt, wenn sie gelungen ist. So lernen die Tiere, welches Verhalten gewünscht ist und welches nicht. (Es lebe die klassische Konditionierung.)

Nun haben Verhaltensforscher beobachtet, dass die Delfine brav ihre Übungen runterspulten und dafür ihre zugeworfenen Fische schnappten, doch sie wurden ob dieser Belohnung etwas gleichgültiger.

Man hat jedoch beobachtet, dass sie „… besonders auflebten, wenn man ihnen hin und wieder einen Fisch zuwarf, für den sie nicht hatten arbeiten müssen!“ … UNVERDIENTEN FISCH, also.

So oder so ähnlich sehe ich das auch mit den Valentins-Liebesbekundungen der modernen Gesellschaft, besonders mit dem dazugehörigen Kaufrausch.

Es ist keine große Kunst, sich am Tag des Patrons der Liebenden Blumen zu schenken, Pralinen, Parfüm oder was auch immer zu kaufen. Wenn jemand schon wochenlang vorher daran erinnert wird, ist das in meinen Augen keine Glanzleistung.

Ich wünsch mir deshalb ausdrücklich zum Valentinstag keine Blumen und werde (tatsächlich!! mindestens) einmal im Jahr mit einem schönen Blumenstrauß überrascht – ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich DANN darüber freue, an einem ganz gewöhnlichen und x-beliebigen Tag.

Großes Kompliment übrigens an dieser Stelle an meinen Göttergatten. 😉

Weil DAS viel wesentlicher ist: die Liebe auch im Alltag im Auge zu behalten. 

Zwischendurch und einfach so ….
… eine Wiesenblume pflücken und mit nach Hause nehmen.
… einen Zettel mit einer lieben Nachricht in der Sockenlade verstecken.
… den Lieblingskäse des Partners kaufen, auch wenn er mich selbst anstinkt.
… an einem ganz gewöhnlichen Tag Blumen heimbringen.
… etwas Besonderes kochen.
… eine Fußmassage verschenken.
… dem Anderen drei Dinge aufschreiben, die du an ihm oder ihr besonders schätzt.

Das kann soo viel mehr sein, als auf Kommando gekaufte Blumen.
Das kann so viel mehr sein als ein Date am 14. Februar.
Das kann so viel öfter stattfinden als nur an dem einen Tag im Jahr.

Wenn wir nur am Valentinstag darauf achten, unseren Liebsten unsere Zuneigung zu bekunden, dann ist das restliche Jahr eine lange Durststrecke. Nicht alle Beziehungen halten solche Dürreperioden auf Dauer aus.

Natürlich ist es fein, den Valentinstag zu feiern und den Segen des Liebespatrons auf sich regnen zu lassen. Umsonst haben wir hier nicht unserem ersten Kind auch diesen Namen gegeben. Auch Traditionen sind etwas Gutes. Also feiert eure Liebe! Schaut euch alte Fotos an! Sprecht über euer Kennenlernen und die erste gemeinsame Zeit! Trinkt ein Glas Wein zusammen! Schwelgt in euren besten Erinnerungen im gemeinsamen Leben! Sagt einander, was ihr an euch toll findet. 

Die meisten dieser Ideen kosten nichts. Und sind dennoch unbezahlbar wichtig.

Wie feiert ihr eure Liebe und habt ihr auch kleine Rituale? Lasst mal hören …. !?!

3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

3 Arbeitspakete und wie sie auszuhandeln sind

Das Zusammenleben in Familien ist oft herzerwärmend, stärkend und unfassbar lehrreich weil man so viel miteinander erlebt, sich aneinander entwickelt und voneinander profitiert.
Familie ist daneben auch ganz viel Arbeit. 
Wer übernimmt den Einkauf, wer schaut auf die Kinder, wer geht wann einer Erwerbsarbeit nach, wer wäscht, kocht, putzt, bügelt, wer kauft das Geschenk für den nächsten Geburtstag, wer organisiert den Babysitterdienst?

All diese Dinge lassen sich meiner Meinung in drei Pakete einteilen, die gut ausgehandelt werden sollen. Ein neuer Blick auf Arbeit ist dazu notwendig.
In Beratungen mit Paaren ist das immer ein heißes Thema. Die Aufteilung von Arbeit innerhalb einer Familie. Der größte Stolperstein dabei ist, wie ich finde, eine alte Sicht- und Denkweise, was als „Arbeit“ gesehen wird – und was nicht.

Lange, lange Zeit gab es ganz einfach festgeschriebene Rollen – ein Partner geht arbeiten, der andere kümmert sich um Kind und Haushalt (= die Hausfrau, wie der schöne Name ja sagt). Dieses Modell (Patriarchat) war ja sogar bis 1976 in Österreich geseztlich verankert, und bis zum Jahr 2000 konnten Frauen nicht arbeiten gehen, wenn der Mann damit nicht einverstanden war, weil sie es einmal anders vereinbart hatten.

Bei diesen Jahreszahlen stellt es mir immer wieder die Nackenhaare auf – und gleichzeitig bekomme ich ein klein wenig Verständnis dafür, warum wir immer noch so viel Klärungsbedarf in diesem Feld haben: es ist noch nicht sooo lange her, dass die Uhren ganz anders tickten.

Wir brauchen ein neues Bild von aufzuteilender Arbeit in Familien. Es sind nicht nur zwei Bereiche, sondern drei. Und es ist höchst an der Zeit, dieses Wissen und diese Haltung endlich bei uns allen sickern zu lassen.

PAKET #1: Erwerbsarbeit

Wenn man nicht gerade millionenschwer geerbt hat, ist es üblicherweise erforderlich, dass jemand in der Familie einer Erwerbstätigkeit nachgeht – also den Lebensunterhalt verdient. Wir leben Gott sei Dank in einer Zeit, in der relativ frei entschieden werden kann, WER diese Aufgabe übernimmt und WIE man sich die Erwerbsarbeit aufteilt. Das gesetzlich festgeschriebene Recht auf Elternteilzeit gilt für Mütter und Väter (!!) und auch Karenzzeiten können geschlechtsunabhängig und recht flexibel in Anspruch genommen werden, was schon mal sehr fortschrittlich ist.

Wäre da nicht der Gender-Pay-Gap, also die tendenziell schlechtere Bezahlung von Frauen (besonders in typischen Frauenberufen), die eine echte Wahlfreiheit einschränken. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Während bei Beamtinnen und Beamten lediglich knapp 4% Einkommensdifferenz besteht, verdienen Arbeiter fast 56% mehr als Arbeiterinnen. Da ist es dann relativ logisch, dass der Mann den Erwerb erledigt, wenn die Frau in der selben Zeit nur die Hälfte seines Bruttojahreseinkommens kassiert. Wer’s nicht glaubt, kann gern bei der Statistik Austria vorbeiklicken.

Zu Erwerbsarbeit in Familien sei auch noch gesagt: derjenige Partner, der diesen gesellschaftlich geschätztenTeil übernimmt, kann das NUR tun, wenn der andere die Care-Aufgaben schultert, der weder ausreichend bezahlt noch anerkannt wird. Was immer also in Familien erwirtschaftet wird, gehört beiden Elternteilen gleichermaßen. Das ist hoffentlich langsam selbstverständlich.

PAKET #2: Care-Arbeit

Unter Care-Arbeit wird jener Bereich verstanden, der mit dem Versorgen und Sich-Kümmern von Familienmitgliedern zu tun hat. Das umfasst zunächst natürlich die eigenen Kinder, später aber vielleicht auch irgendwann die Pflege von älteren Angehörigen, die auch auf die Erwerbsarbeit Auswirkungen hat.

Die Betreuung von Kindern, die ganze körperliche, emotionale und geistige Zuwendung, das Beaufsichtigen, sich beschäftigen ist hiermit gemeint. Der Taxidienst zum Ballet, die Vereinbarung des Kieferorthopädentermins, das Erinnern an die Klavierstunde, die Begleitung beim Üben für das Flötenkonzert, die Fahrten zum Tennistraining, zu Fußballturnieren, Übernachtungsparties (mit vorherigem Geschenkbesorgen), Freunde-Verabredungen, dem Nachkaufen zu kurz gewordener Hosen und T-shirts, gemeinsamen Aufräumnachmittagen in den Untiefen der Spielzimmer, dem Seelentrösten nach der verhauenen Mathe-Schularbeit und eskaliertem Freunde-Streit, dem Pflegeurlaub wegen krankem Kind bis zum Helfen oder Begleiten bei Schulveranstaltungen und CO …. you name it.

Diese Arbeit hat tausend Gesichter. Sie ist täglich variierend und manchmal einschläfernd eintönig. Sie ist nervenaufreibend und kräfteraubend, weil es stets um DAS geht, was vielen wohl das „wichtigste auf der Welt ist“ – um die Kinder (oder später die Pflegebedürftigen). Die meisten von uns wollen das hier wirklich gut machen und strengen sich an. Was zwar belohnt wird – hoffentlich – mit guten Beziehungen, emotionalen Erlebnissen und dem Gefühl ihnen eine „sichere Basis“ bieten zu können. Gesellschaftlich und wirtschaftlich, besonders im Hinblick auf unser Pensionskonto ist die Care-Arbeit aber so gut wie nichts wert. 

Dabei basiert das ganze Wirtschaftssystem auf der Tatsache, dass diese Arbeit unentgeltlich (von Frauen) gemacht wird. Think about it.

Wer diese Arbeit in Familien übernimmt, ist verhandelbar. Ich hab ja selbst – und mache es immer noch – den Großteil der Carearbeit gerne übernommen, weil es mir wichtig ist und war, für die Kinder da sein zu können und ich neben dem monetären Wert vor allem den menschlichen geschätzt hab.

Das ändert aber nichts an der Ungerechtigkeit, wenn diese Arbeit im Außen und wirtschaftlich derartig unterbewertet wird. Besonders, wenn wir über Paket #3 zu reden beginnen.

PAKET #3: Haushaltsmanagement

„Moment, das gehört doch zur Hausfrau dazu, wenn die eh nicht arbeiten geht, ist doch klar, dass sie den Haushalt machen muss!“

NEIN. EBEN NICHT. Das ist genau der Punkt, den wir erkennen dürfen: Care Arbeit ist ein Full-Time-Job, und was Energie und Aufwand betrifft jedenfalls einer Erwerbsarbeit (mindestens) gleichgesetzt. Und dann ist da noch der Haushalt.

Wer sammelt die Wäsche, sortiert sie farblich, startet die Waschmaschine, hängt die Wäsche auf, legt sie zusammen, bügelt (wenn unbedingt nötig), wer schreibt auf was eingekauft werden soll, wer geht ins Geschäft, wer räumt zuhause alles in den Kühlschrank, wer räumt auf, plant und kocht das Essen, wäscht ab, wer saugt den Boden, wer putzt das Klo, wer macht die Betten, lüftet am Morgen und so weiter und so fort? 
Während junge Paare ohne Kinder, die beide vollzeit erwerbstätig sind, zunehmend ebenbürtig und selbstverständlich diese Aufgaben aufteilen, fällt das oft ungeliebte Ressort bei Familien manchmal automatisch den Partnern zu, die sich um die Kinder kümmern. 

Dabei ist es ein eigenes, zusätzliches Paket, das auszuhandeln ist. Zunächst unter den beiden Partnern, später innerhalb der ganzen Familie (je nach Altern und Kompetenz).
Die Fülle an Aufgaben, die ein – sogar halbwegs intakter – Haushalt erfordert ist immens. Wer mehr dazu lesen will, kann mal unter dem Hashtag #mentalload nachschauen. 

Es braucht ehrliches Sichtbarmachen dieser Arbeit.
Es braucht öffentliche Wertschätzung dieser Tätigkeiten.
Es braucht ebenbürtige Aufteilung unter gleichberechtigten Partnern.

Arbeit ist unfassbar vielseitig und unterschiedlich beachtet. Jede und jeder von uns kann bestimmte Dinge besser als andere, macht bestimmte Tätigkeiten lieber als andere. Talente, Vorlieben und Wünsche können und sollen berücksichtigt werden in dieser Verteilungsdebatte. Vor allem jedoch erfordert es ganz viel Empathie und dann Organisationstalent, wenn man ebenbürtig, partnerschaftlich und gleichwürdig an diese Sache herangehen möchte.

Wir alle wollen was tun, wir wollen nützlich sein und wollen auch unseren Teil zum Gelingen des großen Ganzen beitragen. Arbeit ist etwas WICHTIGES und GUTES, sie gibt uns Sinn und erfüllt uns auch mit Dankbarkeit. Es kommt halt darauf an:



Auf das WIE.
Auf das WER.
Auf das WANN.
Auf das WO.
Auf das WIEVIEL.
Und wenn diese Dinge gut besprochen sind, ist das WARUM meist viel leichter zu ertragen.

Wir feilen grad (gefühlt) am meisten an Paket #3, wie es schon im Beitrag zu „Wir sind kein Hotel, sondern eine WG“ zu lesen gab.

Wo hängst du am meisten? Und was habt ihr schon passabel ausgehandelt? Let me know 😉