Mein Kopf explodiert beinahe, wenn ich mir am Ende dieses Jahres zu Gemüte führe, was alles in diese letzten zwölf Monate gepasst hat. Ich könnte einen Roman darüber schreiben, was sich businessmäßig getan hat – vieles davon hinter den Kulissen –, was ich in meiner Arbeit mit Klient:innen gelernt habe und was sich persönlich bei mir getan hat, lässt sich ohnehin kaum in Worte fassen.
2025 kam im Gewand eines unaufgeregten Jahres daher. Und hatte es dann doch ganz schön in sich.
Heute teile ich mit dir zwölf Lektionen aus diesem Jahr. Und wie sollte es anders sein: Es geht um Beziehungen. Um Nähe, Verantwortung, Grenzen, Loslassen und darum, wie viel Arbeit und Schönheit darin liegen.
JÄNNER-Lektion: „Lerne, Räume voller Möglichkeiten besser zu nutzen.“ Bei meinem Impulsvortrag leistete ich mir einen erstaunlichen Fehler. Das Haus war voll mit „Frau in der Wirtschaft“, ich war begeistert bei der Sache und schwärmte für Beziehungen in jedem erdenklichen Kontext. Und am Ende? Vergebe ich meine Chance zu pitchen. Keine Einladung, kein Hinweis auf meine Dienstleistung. Einfach ausgelassen.
Eine verpasste Gelegenheit, über die ich mich später noch grün und blau geärgert habe. Auch das ist Lernen.
FEBRUAR-Lektion: „Arbeite mit den Eltern, bevor du die Kinder angreifst.“ Wenn Erwachsene in der Beratung aufschlagen, die gern ihr Kind „repariert haben möchten“ (genau so sagen sie das nicht, aber in der Hoffnung), bin ich seit jeher skeptisch. Heuer hab ich mich wieder einmal darauf eingelassen und zu früh zugestimmt, dass das Kind mitkommt in die Beratung. Mir wurde bewusst, dass das Kind alles richtig macht und die Eltern das eigentliche Problem sind. Ich hab gerettet, was zu retten war, und das junge Mädel bestärkt, was das Zeug hält. Die Eltern hab ich dabei wohl verloren – sie kamen danach nicht wieder.
MÄRZ-Lektion: „Kümmere dich um dich selbst, sonst macht es niemand.“ Mein Terminkalender explodierte im März regelrecht, weil ich verabsäumt hatte, die automatisierten Buchungen einzuteilen. Freie Blöcke waren dann Mangelware und manchmal ging es nach einem vollen Beratungstag abends noch für drei Stunden Workshops in die Elternbildung. Ich hab sehr viel Energie, aber das war dann doch selbst mir zu steil. Da ging auch meine Routine verloren, jeden Tag eine Runde im Wald zu drehen. Lektion gelernt.
APRIL-Lektion: „Eine einzige Person kann eine ganze Gruppe vergiften.“ Innerhalb von zwei Monaten halte ich zehn Partnerkurse für Brautpaare. Ein Seminar, das mir grundsätzlich unfassbar viel Freude bereitet. In einer Gruppe saß Anfang April ein Mann, der mir gründlich in die Suppe spuckte. Es ist nicht zu glauben, wie passiv-aggressiv man sich mit Körpersprache, Mimik und einsilbigen Wortmeldungen zum Gift einer Gruppe machen kann. Erst am Nachmittag zog ich eine deutliche Grenze und wies den guten Mann in verbale Schranken. Dieser Tag kostete mich so viel Kraft wie alle anderen Kurse zusammen. Ich schüttle immer noch den Kopf über so dummes und kindliches Verhalten und erkenne leider an: Eine Person reicht, um das soziale Klima einer ganzen Gruppe zu vergiften.
MAI-Lektion: „Beziehungsarbeit ist ein Knochenjob. Auch nach 20 Jahren.“ Ein Konflikt in der Paarbeziehung bricht im öffentlichen Raum vom Zaun, und vor den Augen vieler anderer geraten wir in ein Wortgefecht, das mich an den Rand der Verzweiflung treibt. Die Aufarbeitung dieser emotionalen Achterbahnfahrt hat mich enorme Kraft gekostet. Ich hab noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir als Paar genauso unsere Kämpfe auszutragen haben wie andere. Was wir aber klugerweise schon können: uns in solchen Krisen professionelle Hilfe holen. Geht’s dann locker-lässig? Nein, es bleibt teilweise echt harte Arbeit. Aber es ist eine große Entlastung, eine neutrale, emotional unbeteiligte Person dabei zu haben, die hilft, durch den Nebel zu manövrieren.
JUNI-Lektion: „Gib ihnen Wurzeln. Und dann gib ihnen Flügel.“ Unsere Mittlere meistert mit Bravour ihre Matura, und ich stehe als Mama mit Tränen und voller Stolz daneben und beobachte, wie sie ihr Leben jeden Tag mehr selbst in die Hand nimmt. Ich gebe das zweite Lebensbüchlein aus der Hand, das ich für jedes meiner Kinder geschrieben hab, und damit ihr ihre Lebensgeschichte. Ein bewegender Moment. Ich liebe alles daran, große Kinder zu haben. Was aber immer noch ist – wie mit kleinen Kindern –: die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gefühle. Sie machen mich lebendig.
JULI „Geteilte Freude ist doppelte Freude. Oder noch mehr.“ Beruflich starre ich in ein beschissen großes Sommerloch. Dafür hab ich Zeit, mich mit Haut und Haaren in die Arbeit um das Geburtstagsvideo meiner jüngsten Schwester zu werfen. Wie mag ich ihre Geschichte erzählen, wie verpacke ich Botschaften und kleine geheime Infos in Musik und Bildern – wie kann ich vermitteln, was für eine großartige Persönlichkeit sie ist? Zwei Tage komme ich aus dem Pyjama nicht mal raus, weil ich so im Workflow bin und einfach die allergrößte Freude hab, jemandem so eine Überraschung zu bereiten. (Und ja, sie hat alle Easter Eggs entdeckt und gefeiert und wertgeschätzt. Hurra!)
AUGUST „Die Liebe ist immer für Überraschungen gut.“ Völlig überarbeitet, aber ohne wirklich gut abgeschaltet zu haben, ging es im August gen Süden. Zum ersten Mal ein Sommerurlaub nur zu zweit, ohne Kinder. Nach zwanzig Jahren Ehe haben wir uns selbst überrascht, wie sehr wir diesen Urlaub für uns genießen konnten. Wir haben uns so richtig wiedergefunden und unsere starke Verbindung zueinander zu neuem Leben erweckt. Der Alltag ist ein verrücktes Spiel und gefährlich kräftezehrend. Wir haben uns in Portugal geschworen: Dieses neue Level an Qualität in der Beziehung geben wir nicht mehr her.
SEPTEMBER „Schönheit, Wert und Zerbrechlichkeit – Porzellan soll gefeiert werden.“ Selten hab ich ein Ehejubiläum so gefühlt wie die Porzellanhochzeit. Mitten im Trubel der Feierlichkeiten haben wir unserer Toni tatsächlich Flügel verliehen und sie in ihr Au-pair-Abenteuer verabschiedet. Ich hab noch immer kein Wort für das Gefühl an dem Bahnsteig. Es war irgendwas zwischen Begeisterung, Stolz und Ohnmacht. Ich hab’s schon länger geahnt, und nach und nach erlebe ich es: Die eigenen Kinder tatsächlich loszulassen ist wohl die größte und herausforderndste elterliche Übung.
OKTOBER „Integrität ist mehr wert und wichtiger als das offene Honorar.“ Mitten in einer Paarberatung hab ich scharfe Kritik an einem zukünftigen Plan eines Paares geübt – mit dem Risiko, sowohl den Prozess mit ihnen als auch mein Honorar zu verlieren (das war nämlich noch nicht bezahlt). Es ging um einen weiteren Kinderwunsch, den eine Person hatte, die andere deutlich nicht. Ein Mädchen soll die Leiden und Verletzungen (die beim jüngsten Sohn entstanden waren) „ausbügeln“, weil das so ein schweres Los war. „Bei allem Respekt – bei dieser Entscheidung geht es verdammt noch mal nicht um euch zwei. Sondern um ein ungeborenes Kind. Niemand sollte mit einer derartigen Verantwortung auf die Welt kommen müssen. Schon gar nicht, wenn dann auch noch eure Beziehung auf dem Spiel steht.“ Das waren meine Worte. Kinder sind kein beliebiges Spielzeug, kein Beziehungskitt und kein Trostpflaster. Das musste an dieser Stelle gesagt werden – für meinen Seelenfrieden.
NOVEMBER „Familie wirkt. Ob wir das nun gut finden oder nicht.“ In meinen ersten zwölf Wingwave-Sessions kam erstaunlich klar zum Vorschein, was ohnehin landläufig bekannt ist. Die Prägungen und Erfahrungen in unseren Herkunftsfamilien picken so fest, dass uns oft weniger lieb wäre. Emotionale Verstrickungen, fehlgeleitete Dynamik und manipulatives Verhalten erschweren oft bis ins hohe Erwachsenenalter die Beziehung zu unseren Eltern und Geschwistern. Wie gut, dass es verschiedene Wege und Methoden gibt, darauf zu antworten, denn NEIN: Du bist deiner Geschichte nicht hilflos ausgeliefert. Und JA: Es wirkt auf dich, egal ob dir das bewusst ist oder nicht.
DEZEMBER „Hilflosigkeit ist was Hässliches, und die Klappe halten ist schwierig.“ Gerade wenn es im engeren Umfeld Beziehungsbrösel gibt, ist das schwer auszuhalten. Besonders mit meiner Profession. Anerkennen, dass man hier nicht helfen kann, lässt sich kaum ertragen. Zuschauen, wie Dinge zunehmend schwierig werden, noch mehr. Ich lerne gerade, mich auf meine Rolle in meinen Systemen zu konzentrieren und nicht mehr zu wollen als andere Beteiligte. So viel kann ich schon sagen: Ich reiße lieber alles nieder und verausgabe mich bis zum Umfallen, als in krisenhaften Situationen auf der Zuschauerbank zu sitzen. Das erklärt wohl, warum ich diesen Beruf ausübe.
Im Vergleich zu anderen Jahren war 2025 verdächtig ruhig. Bei genauerer Betrachtung hatten es diese 365 Tage ganz schön in sich. Ich bin wieder ein Jahr älter und merke zunehmend: Ich hab keinen Bock und keine Nerven mehr für halbe Sachen. Oberflächlichkeiten und belanglose Verbindungen kommen auf den Prüfstand. Ich will dem Leben in die Augen sehen. Meine Zeit auf die Menschen und Tätigkeiten verwenden, die wertvoll, sinnstiftend und inspirierend sind. Und meine Energie dahin stecken, wo ich sie gut investiert sehe: in meine wichtigsten Beziehungen, meine Arbeit und meine körperliche, emotionale und geistige Gesundheit.
2026. I am ready for you. Bring it on.
Was hast du 2025 gelernt? Schreib mir gern, welche Beziehungserkenntnis dich weiter gebracht hat! Ich freu mich über dein Kommentar.
Nach 21 Jahren Mama-Sein ziehe ich Bilanz: Was ich heute als Mutter anders machen würde, welche Fehler ich nicht mehr wiederholen würde – und worauf ich trotzdem stolz bin.
🎂 Geburtstage – mehr als Torte und Kerzen
Sie sind eine Einladung – nicht nur zum Feiern, sondern auch zum Zurückblicken und Reflektieren.
Als unsere Erstgeborene ihren 21. Geburtstag feierte, spürte ich diesen Impuls wieder mal besonders intensiv: Ich wollte verstehen, was wir als Eltern gut gemacht haben – und wo wir heute vielleicht anders handeln würden. Meine 5 größten Fehler als Mama füllen einen anderen Beitrag.
Elternschaft – eine Reise ohne Landkarte
Elternschaft ist eine wilde Reise – von der man (bevor sie beginnt) in Wahrheit reichlich wenig Ahnung hat. Ich hab Erzählungen anderer Eltern nicht geglaubt („Ich stell mich ja sicher mal nicht so blöd an!“) und dachte mit vier jüngeren Schwestern und als gelernte Kleinkindpädagogin hab ich alle Weisheit auf meiner Seite. Was soll schon passieren?
Wenn du schon Elternteil bist, wirst du schon an dieser Stelle milde lächeln und dich womöglich selbst wieder erkennen. Ich will ehrlich sein: NEIN, wir haben nicht alles falsch gemacht. JA, ich hatte Vorteile, weil ich Babypflege und-betreuung schon aus nächster Nähe miterlebt hatte. JA, die pädagogische Ausbildung war gold wert. JA, ich bin sehr stolz auf das Allermeiste, was wir als Eltern geleistet haben. NEIN, wir waren auf die Realität trotzdem nicht vorbereitet.
Als ich mein 22. Jahr Elternschaft begann, habe ich mich gefragt: „Was würde ich anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte?“ Elternschaft konfrontiert dich mit dir selbst, deinen Grenzen, deinen Schatten – und deinem Herzen.
Wenn du schon Mama oder Papa bist, nickst du wahrscheinlich gerade. Denn du weißt, wie es ist, voller Überzeugung loszugehen – und dann ganz neu lernen zu müssen.
Und auch wenn ich heute weiß, dass wir vieles richtig gemacht haben: Wir waren nicht vorbereitet auf die Realität.
Die Antworten auf meine Frage sind ehrlich. Manchmal unbequem. Aber befreiend.
WÜRDE ICH ELTERN SEIN VON VORN BEGINNEN KÖNNEN, WÜRDE ICH …
1️⃣ Ich würde die unangenehmen Gespräche zuerst führen.
Eine Familie zu werden ist so unendlich idyllisch aufgeladen. Die allermeisten Menschen vergessen über dem Zauber des heranwachsenden Lebens, zentrale Dinge vorab zu klären. Und JA: da müssen Dinge besprochen werden. Ich würde also darauf bestehen, grundsästzliche Fragen zum Eltern sein mit meinem Partner durchzugehen, wie:
Wie wollen wir die Arbeitslast eines Kindes (Care Arbeit) fair auf uns zwei verteilen? Denn nein, Care Arbeit ist niemals nach 40 Wochenstunden erledigt und beide sind zuständig und fähig diese Arbeit zu tun.
Wie wollen wir unsere Rollen als Vater / als Mutter generell anlegen und leben? Wenn wir das nicht bewusst gestalten, finden wir uns schneller als uns lieb ist in den vorgelebten und womöglich sehr veralteten, traditionellen Rollenmustern wieder, die wir vielleicht so gar nie haben wollten.
Wie sorgen wir für finanzielle Fairness, wenn einer mehr unbezahlte Arbeit (auch Haushalt) erledigt als der andere? Wenn im Bereich Finanzen eine Schieflage entsteht, die nicht mit absoluter Wertschätzung und Offenheit behandelt wird, prägt das andere Lebensbereiche verlässlich negativ mit.
Werden wir ein Pensionssplitting vereinbaren? Oder anders gefragt: sind wir bereit unsere Einzahlungen fair zu verteilen, wenn wir unterschiedlich viel unbezahlte Arbeit leisten – haben wir die nötige Wertschätzung für BEIDE notwendigen Lebensbereiche?
Wie wollen wir dem potenziellen Schlafmangel entgegen treten? Sollten die Nächte sehr fordernd sein, müsst ihr euch als Team verstehen. Sonst verliert einer nicht nur den Schlaf, sondern auch bald den Verstand und jede Kooperationsfähigkeit.
Wo werden wir lernen, was es braucht, um gute Eltern zu sein? Denn, NEIN. Eltern sein ist nicht angeboren oder instinktiv zu erledigen. Es braucht unglaublich viel Know-How, Fachwissen und Bildung, um dem herausforderndsten, komplexesten und bedeutendsten Job der Welt halbwegs passabel erledigen zu können. Ja, du brauchst auch dein Gefühl – aber weitaus mehr erzieherische Kompetenz als du meinst.
Welche Werte möchten wir in unserer Begleitung der Kinder hoch halten? Wenn klar ist und regelmäßig geklärt wird, welche Werte oberste Priorität haben, fällt das Entscheidungen treffen leichter. Und du wirst sehr viele Entscheidungen treffen. Jeden Tag. Werte sind dein Kompass und dein Anker – du solltest sie im Schlaf aufsagen können.
Wie verteilen wir den Mental Load, der sich durch Elternschaft potenziert, fair? Wenn die ganze Denkarbeit an einer Person hängen bleibt, kann das Gefüge sehr schnell kippen und in die Überforderung führen. Es zahlt sich aus, erst gar nicht in diese Falle zu tappen versuchen – sollte das möglich sein.
Wie sorgen wir für absolute finanzielle Transparenz und Gleichwürdigkeit? Besonders in Zeiten, wo wir nicht beide vollerwerbstätig sind, weil Kinder Zeit und Betreuung von uns brauchen? Finanzielle Offenheit und gleichwürdiger Umgang sollten bare minimum sein, ist es aber oft nicht. Wer darauf nicht achtet findet sich schneller in Machtspielchen beim Tarnen und Täuschen wieder, als einem lieb ist. Das könnte ein großes Aua geben.
Hinter jeder einzelnen Frage steckt so viel. Nein, wir haben keine einzige dieser Fragen vor unserem ersten Kind geklärt – sondern als die Themen laut an unsere Tür geklopft haben. Wir haben erst viel zu spät bemerkt, wie stark wir ins Thema Eltern sein rein gerutscht sind, ohne bewusst zu machen, was da mit uns passiert. Das tut im Nachhinein ein bisschen weh.
Wir haben überlebt. Weil wir uns den unangenehmen Gesprächen gestellt haben. Kann sein, dass eine von uns nicht aufgegeben hat, diese Fragen auf den Tisch zu bringen. Ups.
Glücklicherweise hatten wir ähnliche Vorstellungen von dem, wie Familie für uns aussehen sollte. Wir lebten lang ein traditionelles Rollenmodell, für das wir uns beide mehr oder weniger bewusst entschieden hatten. Trotz aller finanziellen Nachteile würde ich immer wieder den Weg gehen, die Kinder in den ersten (mindestens drei) Jahren selbst zu betreuen – für mich eine der besten Entscheidungen, wenn ich zurück schaue. Alles was es an Ausgleich dazu gebraucht hat, haben wir dann in harten Verhandlungen später fest gelegt. Den Teil hätte ich uns gern erspart – auch wenn er notwendig war.
Was ich noch anders machen würde?
2️⃣ Ich würde ein riesiges Familienbett anschaffen.
Nach kurzen Bemühungen bei Kind 1 es nach einigen Monaten im Babybett anzugewöhnen (wir scheiterten natürlich kläglich), schliefen wir überwiegender Weise in unserem Doppelbett. Zu dritt, zu viert, ganz selten zu fünft (da waren die Älteren dann schon raus).
Da wir in zahllosen Nächten zu wenig Platz hatten, würd ich aus heutiger Sicht in ein gigantisches Familienbett investieren (mindestens 3,5 m breit), wo alle nebeneinander einen gemütlichen Schlafplatz haben. In meiner Vorstellung wären die Nächte dann entspannter gewesen als mit der Notlösung, die wir aufbrachten: wir haben einfach ein Einzelbett mit Kabelbindern für ein, zwei Jahre an unser Ehebett dran gebunden.
3️⃣ Ich würde Besuche verschieben und das Wochenbett heilig halten.
Die Vorstellung, so früh wie möglich wieder „wie vorher“ zu funktionieren, weil das ein Zeichen dafür wär, es als Mutter besonders gut zu machen ist kompletter Bullshit. Keine Ahnung, wer sie mir in den Kopf gesetzt hat, aber sie war da. Erst bei Kind Nummer drei hatte ich die Coolness, Ruhe und Abgeklärtheit, allen zu sagen, dass es mir nicht gut ging (was eine reine Lüge war, mir ging’s blendend). Diese Aussage hält verlässlich alle ungebetenen Besucher*innen fern und garantiere mir ein super entspanntes Wochenbett. Und die liebsten Freundinnen, Schwestern und engste Familie … über die freut man sich im besten Fall sowieso. wenn sie verstanden haben, wie ein guter Wochenbettbesuch aussieht! Rückblickend wünschte ich, das schon beim ersten Kind verstanden zu haben. Es „brauchte“ leider zwei, drei Brustentzündungen und eine ausgewachsene Erkältung, bis ich checkte, dass ich niemandem was beweisen muss. Schon gar nicht mir selbst. Und dass die ersten Wochen eine heilige Zeit sein dürfen, die so störungsfrei und ruhig wie möglich ablaufen dürfen.
Rückblickend: So viel richtig gemacht
Beim Zusammentragen dieser Erkenntnisse wurde mir vor allem aber eins klar: ich hab SO SO SO viel richtig gemacht, gut entschieden und mega bewältigt. Ich war 24 Jahre jung und hatte ein fantastisches Gespür für meine Babies, war so präsent und hab feinfühlig beantwortet. Die ersten Jahre sind fürchterlich anstrengend, doch es ist das beste Return on investment, das ich mir vorstellen kann. Wir haben so viel gelacht und miteinander erlebt. Wann immer ich ein altes Familienvideo aus der Schublade krame (Ja, das waren noch DVDs!), hören meine Kinder diesen Satz am häufigsten: „Ma, ham’s wir schön g’habt.“ Mir stehen jetzt wieder die Tränen in den Augen, während ich das schreibe.
Denn: JA – manches würd ich heut anders machen. Aber auf noch viel mehr in diesen 21 Jahren Elternschaft bin ich unglaublich stolz.
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Langeweile fühlt sich für viele Eltern nach Versagen an – und für Kinder wie eine Zumutung. Doch was, wenn genau darin ein Schatz liegt? In diesem Beitrag zeige ich dir, warum nichts tun manchmal das Beste ist, was deinem Kind passieren kann, wie du es dabei liebevoll begleitest und was das mit diesem vierzig Jahre alten Bild zu tun hat.
Mir ist soooooo fad!
Kaum ein Satz lässt mich als Mama von drei Kindern so widersprüchlich fühlen wie dieser eine. Einerseits bekomme ich augenblicklich ein schlechtes Gewissen: „Bemühe ich mich am Ende nicht ausreichend, meinen Kindern ein anregendes Umfeld zu schaffen?“ Andererseits kocht im selben Moment Wut hoch, weil ich mir zwischen unbezwingbaren Wäschebergen, endlosen Aufräumarbeiten und fordernder Erwerbsarbeit denke: „Mir wär auch gern mal wieder langweilig – an dieses Gefühl kann ich mich gar nicht erinnern!!! Bitte, lass uns tauschen..“.
Im besten Fall folgt dieser inneren Alarmiertheit und meinen Gedanken
„Was sollen wir tun?“
„Muss ich etwas anbieten?“
„Bin ich zu wenig präsent?“
eine abgeklärtere Denkweise aus meinem erwachsenen Pädagoginnengehirn. Das weiß nämlich sehr genau: Langeweile ist kein Zeichen von Mangel. Sondern ein wichtiger Motor für Entwicklung und Kreativität. Unsere Kinder, die mittlerweile fast bis ganz erwachsen sind, wuchsen noch ohne Smartphones und Tablets auf. Seit Bildschirme allgegenwärtig sind, ist die Verlockung enorm, jede Sekunde „sinnloser“ oder ungenutzter Zeit mit Inhalt vollzustopfen. Das verwehrt der nächsten Generation die Entwicklung einer bedeutenden Superkraft: Langeweile auszuhalten.
1. Warum Langeweile eine unterschätzte Superkraft ist
Kreativität wächst auf dem Boden der Langeweile
Wenn meine Kinder einen Satz von mir als Mama besonders gehasst haben, dann den: „Oh, dir ist fad – wie wunderbar. Dir fällt bestimmt demnächst etwas Tolles ein!“ Ich wusste, nachdem ich meine Alarmbereitschaft, wie oben beschrieben veratmet hatte, wie ich reagieren wollte: ihren Gehirnen Zeit geben, eigene Ideen zu entwickeln, ohne vorschnell Reize vorzugeben oder ein Spiel anzuregen.
Ohne sofortige Ablenkung durch Medien oder Aktivitäten (durch Erwachsene initiiert) beginnt die kindliche graue Masse selbst kreativ zu werden – ganz im Sinn eines freien Spiels. Nein, das geht nicht auf Knopfdruck. Ja, die Zeit bis dorthin ist für mich als erfolgsorientierte, durchgetaktete und effiziente Erwachsene oft schwer auszuhalten.
Langeweile als emotionaler Spiegel
Genau dieses „schwer aushalten“ ist schon die nächsten Kompetenz, die dabei trainiert wird (auch bei mir als erwachsene Begleitung!). Mit innerer Leere, Frust und Unruhe umgehen zu können, ist eine wichtige Basiskompetenz beim kreativen Problemlösen und das werden wir bei Gott in einer immer komplexer werdenden Welt gut brauchen können.
Emotionale Entwicklung fördern bedeutet für mich auch, einer anderen Person (auch nicht dem geliebten Kind) jedes unangenehme Gefühl sofort abnehmen zu wollen. Das einzige was wirklich wichtig ist: in Verbindung bleiben und verfügbar sein, damit das Kind erfährt: ich bin auch okay, wenn ich frustriert, gelangweilt und unrund bin.
Wenn ich mich als Mama zurückhalte und es nicht gleich für mein Kind „besser weiß“, kann das junge Leben seine Selbstwahrnehmung entwickeln und für sich selbst nach und nach herausfinden: „Was tut mir gut?“
Selbstwirksamkeit statt Dauerbespaßung
Ich habe mich lange erfolgreich gegen Spielkonsolen und portable Dauerbespaßung in unserer Familie gewehrt. Unsere Kinder liefen dadurch zu kreativen Höchstleistungen auf – zum Beispiel, indem sie alle Geräte, die wir ihnen nicht gönnten einfach selbst bastelten. Ein wenig Karton, Kleber und Kinderfantasie und die erlebte Handlungsfähigkeit wuchs ins Unermessliche. Kinder, die erleben, dass sie sich selbst aus der Langeweile „herausmanövrieren“ können, entwickeln überdies ein stärkeres Selbstvertrauen.
2. Was uns als Eltern so schwerfällt – und warum
Wenn du bis hierher gelesen hast, denkst du vielleicht „wie konnte ich Langeweile jemals negativ empfinden“? Das ALLES will ich unbedingt für mein Kind!
Die Angst vor Stillstand.
In unserer durchgetakteten Welt gibt es Glaubenssätze, die wirksam und nachhaltig dafür sorgen, dass wir Leere oder Stillstand als Rückschritt erleben. Wir leben nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft – leisten allein reicht gefühlt schon längst nicht mehr. Wir sind eine Erfolgsgesellschaft – alles muss effizient, ertragreich und extragut sein. So geht Kindheit jedoch nicht. Oft projizieren Eltern ihre eigenen Unruhe auf die Kinder und stopfen jedes Loch im Kalender mit (gutgemeinten) Aktivitäten, Erlebnissen und Programm voll.
Das ist ein ausdrückliches Plädoyer für „faule Elternschaft“ in der richtigen Art und Weise – es gibt ein hervorragendes Buch dazu von Tom Hodgekins , das ich wärmstens empfehle.
Das schlechte Gewissen.
Die meisten Eltern wollen für ihre Kinder das absolut Beste. Dafür strengen sie sich auch oft an. Entwickelt hat sich eine Bespaßungsmentalität, die nicht zuletzt auf Social Media befeuert wird und gleichzeitig tatsächlich relevante elterliche Kompetenzen völlig vermissen lässt.
Schlechtes Gewissen sollten wir haben, wenn wir unsere Kinder nicht gut co-regulieren, unsere eigenen unangenehmen Gefühle nicht managen können oder die Verbindung zum Kind trennen, weil sie nicht unserem Idealbild entsprechen. Definitiv aber nicht, weil wir keinen Ausflug machen, keine Freunde einladen oder keine instagrammable Abenteuer inszenieren.
Die Verwechslung von Bedürfnissen und Wünschen.
Nicht jede geäußerte Idee eines Kindes ist ein echtes Bedürfnis. „Mir ist fad!“ kann bedeuten:
Ich brauche Verbindung.
Ich fühle mich unwirksam / ohnmächtig / hilflos / leer.
Ich bin überreizt und finde keinen Weg heraus.
Eltern brauchen sehr viel Feinfühligkeit, um Kinder hier gut zu begleiten und ihre Aufmerksamkeit nach innen zu richten statt im Außen einfach zu überdecken. Ein Prozess, der Frustration und innere Unruhe einschließt. Die Entwicklungsaufgabe ist, nicht jede „unangenehme“ Emotion lösen zu müssen und die Frustationstoleranz zu erhöhen, damit das Kind lernt in die Selbstwirksamkeit zu kommen.
3. STRATEGIEN für den ALLTAG – wie schaffen wir das nun mit der Langeweile?
„Ich sehe dich“ – ohne eine Lösung anzubieten
Was jedem Menschen gut tut: wenn jemand anerkennt und sieht (auch mit Worten), wie es uns geht: „Aha, dir ist langweilig. Das fühlt sich bestimmt doof an.“ Wirklich hinsehen und hinfühlen hilft. Kein sofortiges Eingreifen und mit einer Idee um die Ecke kommen! Es gilt: genau beobachten, ob und wie viel Impuls nötig ist. Meistens ist weniger mehr und es reicht eine kindgerechte, anregende Umgebung, um den Spieltrieb und die Kreativität zu aktivieren.
Ideenräume statt Entertainment
Lass mich dir als gelernte Elementarpädagogin sagen: wir sind nicht die Alleinunterhalter unserer Kinder! Ich hab praktisch nie in all den Kinderjahren aus eigenem Antrieb eine Bastelarbeit angefangen. Jedes kreative Werk hab ich aber so gut wie möglich unterstützt und begleitet. Was es braucht, damit Ideen entstehen können? Einfache Materialien: Zettel, Schnüre, Kleber, Locher und Stifte. Ein Tisch, wo sie werken können und ganz oft waren Verpackungsmaterial, leere Klopapierrollen oder Jogurtbecher ein fantastischer Zeitvertreib. Von Kastanienrutschen, Bügelperlenapotheken und Jogurtbecher Cocktailbars ist dabei so viel Großartiges entstanden, dass ich heute noch vor Freude heule, wenn ich daran denke.
Ja, das Chaos war zeitweilig selbst für mich (kreativen Geist) unerträglich. Manchmal landete Farbe auf dem neuen Terrassenboden, der ganze Küchentisch war voller Klebstoff und Locherschnipsel verteilten sich bis in die letzte Möbelritze. Und es war jede Sekunde des Aufräumens wert, sie so im Flow zu erleben statt vor platten Bildschirmen geparkt zeitliche Lücken zu füllen.
3 PROFI TIPPS:
Zweckentfremdung von Materialien und Gegenständen zulassen bzw. fördern (Stühle als Zugabteil einsetzen, Schachteln als Spielhäuser, Erde & Sand für die „Matschküche“ erlauben)
Auf vielseitig bespielbares Spielmaterial (Kappla, Konstruktionsmaterial usw) setzen (keine Legosets, wo beinah jeder Baustein nur eine mögliche Verwendung zulässt!)
Konservierung von Spielszenen ermöglichen (nicht jeden Abend alles wegräumen müssen – hat mehrere Vorteile!)
Ich hab schon einmal berichtet, wie mich ein Bastelvorhaben unserer Mittleren komplett ausrasten hat lassen. Überforderung auf beiden Seiten, die mangelnde Umsetztbarkeit und fehlende Skills waren der Grund, warum in dem Fall kein FLOW-Zustand entstand.
Das gelingt, wenn es herausfordernd genug, aber nicht zu schwierig ist und meine Fertigkeiten, Talente und die Übung in balance sind.
Wenn wir als ERwachsene Kinder begleiten, ist es definitiv besser, das Kind mit Fragen zur Reflexion anregen und damit Ressourcen zu aktivieren, statt ihnen „unsere“ gute Lösung auf das Auge zu drücken.
Was hast du denn letztes Mal gemacht, als dir langweilig war?
Was würde deinem Freund x dir raten, was du machen kannst?
Wobei hattest du zuletzt viel Spaß, als du es (allein) gemacht hast?
So oder so ähnlich kann es klingen. Was wir damit machen: uns selbst auf Augenhöhe mit dem Kind begeben und ihm zwischen den Zeilen zu sagen: Ich bin überzeugt, du trägst die Lösung in dir. Du schaffst es, dir selbst heraus zu helfen aus diesem unangenhmen Gefühl. Ich bin da, glaub an dich und halte es mit dir aus.
Ein alter Tisch, eine provisorische Holzstufe und eine ausgediente Leiter waren vor knapp vierzig Jahren die Basis für eine Spielidee, die in den leuchtendsten Farben in meinem Gedächtnis aufgehoben ist. Meine beiden Cousins, meine Schwester und ich konnten oft aus Nichts die tollsten Ideen entwickeln, in diesem Fall eine Feuerwehr samt Drehleiter und Schläuchen. Wir haben alles aus den letzten Ecken des großelterlichen Bauernhofs zusammengekarrt, aufeinander gestapelt und sind darauf herumgeturnt. Verantwortungslos? Könnte man heutzutage gleich mal hören. Ich sehe hinter dem Bild auch Erwachsene, die folgendes konnten: ZUTRAUEN, ZUMUTEN und ZUVERSICHTLICH sein, dass die Kinder sich selbst beschäftigen. Ja, eine andere Zeit für Kindheit. Aber genau dieselben Qualitäten brauchen wir heut noch, vier Jahrzehnte später und ich wage mich mal weit hinaus: das werden wir immer brauchen.
Spielräume (im pädagogischen Sinn) ermöglichen Autonomie, Entscheidungskraft und Selbstorganisation. Solche Räume tun sich auf, wenn Langeweile anklopft. Somit ist Langeweile kein Notfall, sondern ein Geschenk – verpackt in leicht nörgelndem, genervten Tonfall. Wenn wir Eltern diesem Präsent mit Vertrauen, Gelassenheit und liebevoller Präsenz („Ich bin da und ich mach nicht alles weg!“) begegnen, schenken wir unseren Kindern etwas ganz Wertvolles: die Erlaubnis, sich selbst zu entdecken.
🗣️ ERSTE HILFE KOFFER: 5 Dinge, die du sagen kannst, statt sofort zu reagieren
„Hm, das klingt gerade nicht so angenehm. Magst du mir erzählen, wie sich das für dich anfühlt?“ ➡ Fördert emotionale Sprache und Selbstwahrnehmung
„Langeweile ist manchmal wie ein leerer Raum – ich bin gespannt, was dir gleich einfällt.“ ➡ Bringt Vertrauen in die eigene Kreativität des Kindes zum Ausdruck
„Du darfst dich auch mal langweilen. Oft kommt dann etwas richtig Spannendes aus dir selbst.“ ➡ Normalisiert das Gefühl und gibt inneren Prozessen Raum
„Ich bin in der Nähe, wenn du mich brauchst – aber du darfst erstmal selbst schauen, was du machen möchtest.“ ➡ Signalisierst emotionale Präsenz, ohne das Problem zu übernehmen
„Weißt du noch, als du beim letzten Mal was Cooles gemacht hast, als dir langweilig war? Was war das nochmal?“ ➡ Fördert Erinnerung an eigene Lösungsstrategien = Selbstwirksamkeit stärken
Wenn du (in den Ferien) Entlastung oder Unterstützung als Elternteil möchtest:
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Reinhard Mey drückt in seinen Worten etwas aus, das viele von uns Eltern nur zu gut kennen: Warum gibt es für so vieles im Leben eine Ausbildung, aber für das Elternsein – die wohl anspruchsvollste Rolle – wird erwartet, dass man es einfach kann? Und dabei wird oft angenommen, dass das Wissen über Erziehung und den Umgang mit Kindern einfach „intuitiv“ vorhanden ist. Doch wie oft haben wir uns schon gedacht, dass das Leben mit Kindern sicher nicht so kompliziert sein wird, wie es bei anderen Eltern aussieht? „Bei uns wird das schon ganz anders laufen!“ – diesen Gedanken hatte ich definitiv früher und vielleicht kennst du ihn auch.
NACH DEN ERSTEN SCHRITTEN IST VOR DEM LEBEN
Eltern zu sein bedeutet weit mehr als die bloße Geburt eines Kindes. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der viele Herausforderungen bereithält – und das nicht nur für Eltern von Neugeborenen. Sicher, es ist wichtig, mit Leichtigkeit und einem gesunden Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten an die Sache heranzugehen, aber oft wird der Alltag mit Kindern ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Vom ersten Schultag bis zum ständigen Auf und Ab der Pubertät – die Reise ist lang und vielfältig.
HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN
Auch wenn das Leben mit Kindern oft öffentlich sichtbar ist, finden viele der echten Herausforderungen hinter verschlossenen Türen statt. Ob es die schlaflosen Nächte sind, in denen man ein fieberndes Kleinkind beruhigt, oder die stillen Momente, in denen man mit einem schulgestressten Kind spricht – diese Szenen sieht oft niemand. Es sind die alltäglichen, manchmal einsamen Kämpfe, die das Elternsein prägen.
DIE ROLLE DEINES LEBENS
Kinder großzuziehen ist keine leichte Aufgabe. Es gibt keine festen Regeln, und vieles muss man im Laufe der Zeit lernen. Ob es nun die endlosen Diskussionen über Bildschirmzeiten sind, die ständigen Wäscheberge oder das Jonglieren von Terminen zwischen Schule, Sport und Spielverabredungen – Eltern brauchen besondere Talente, um diese Herausforderungen zu meistern. Vor allem, wenn es um die WICHTIGSTE aller Aufgaben geht: das Managen von Emotionen. Damit uns das gut gelingt und wir stets bzw. immer wieder in tragfähiger Verbindung mit unserem Kind sind, brauchen wir folgende Talente.
TALENT 1: BEOBACHTEN
Wie kann man sein Kind wirklich verstehen? Durch Beobachten. Dieses Talent ist entscheidend, egal wie alt das Kind ist. Denn nur durch aufmerksames Beobachten können wir herausfinden, was unser Kind gerade beschäftigt, was es freut oder ärgert. Ob es sich um den Stress in der Schule oder die Unsicherheiten im Freundeskreis handelt – wachsame Augen und ein offenes Herz sind hier unerlässlich.
Aber Vorsicht: Dieses Talent leidet besonders, wenn der Alltag zu hektisch ist, wir ständig auf unsere Bildschirme starren oder einfach zu gestresst sind, um wirklich hinzusehen.
TALENT 2: WAHRNEHMEN
Beobachten ist der erste Schritt, Wahrnehmen der zweite. Hier geht es darum, das Gesehene auch wirklich ernst zu nehmen. Wenn das Kind abends beim Zubettgehen erzählt, dass es in der Schule ausgegrenzt wurde, dann ist es wichtig, dies als seine Wahrheit anzuerkennen – auch wenn es schwerfällt. „Das kann doch nicht so schlimm sein!“ oder „Das passiert doch jedem mal“ sind Reaktionen, die nicht weiterhelfen.
Dieses Talent leidet besonders, wenn wir zu sehr mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind oder die Gefühle unserer Kinder nicht ernst genug nehmen.
TALENT 3: INTERPRETIEREN
Besonders bei kleinen Kindern, die ihre Gefühle und Bedürfnisse noch nicht gut in Worte fassen können, müssen Eltern oft zwischen den Zeilen lesen. Warum zieht sich mein Kind zurück? Ist es müde oder bedrückt? Diese Interpretationsarbeit bleibt ein wichtiger Bestandteil des Elternseins – vom Kleinkindalter bis in die Teenagerjahre. Und ist der Teil, wo wir wohl am häufigsten Fehler machen.
Dieses Talent leidet, wenn wir uns zu sehr von außen beeinflussen lassen und unsere eigene Intuition untergraben wird.
TALENT 4: BEANTWORTEN
Jede Beobachtung und Wahrnehmung muss schließlich in eine Handlung münden. Oft ist es leichter, auf die Bedürfnisse eines Kleinkindes zu reagieren: Hunger, Müdigkeit, Trost – alles ist ziemlich klar. Doch je älter die Kinder werden, desto komplexer werden auch die Antworten, die sie brauchen. Manchmal reicht ein Gespräch, das Aushalten und Mittragen von heftigen Gefühlen, manchmal braucht es mehr. Aber immer geht es darum, die Not des Kindes zu erkennen und darauf zu reagieren.
Dieses Talent leidet, wenn wir uns selbst zu sehr einschränken, wenn wir uns allein fühlen oder wenn unsere Ressourcen aufgebraucht sind. Darum: Selbstfürsorge bedenken!
TALENT 5: LOCKER BLEIBEN
Das klingt so einfach, ist aber oft das Schwierigste: Locker bleiben. Besonders wenn der Alltag hektisch wird, wenn die Probleme sich häufen oder wenn die Erwartungen – sei es von uns selbst oder von anderen – überhandnehmen. Es braucht Übung und Zeit, um auch in stressigen Momenten die Ruhe zu bewahren und den Humor nicht zu verlieren.
Dieses Talent leidet, wenn die Anforderungen übermäßig hoch sind oder wenn wir uns zu sehr mit anderen vergleichen.
POTENZIALENTFALTUNG
Elternsein ist ein stetiger Prozess der Weiterentwicklung. Die hier beschriebenen Talente sind nur ein kleiner Teil dessen, was wir im Laufe der Jahre lernen und verfeinern. Auch wenn es keine „Befähigungslizenz“ für Eltern gibt, sollten wir nie aufhören, uns weiterzubilden und zu hinterfragen. Denn: Die Erwachsenen von morgen werden von uns geprägt. Sie sind die Entscheidungsträger, Gestalterinnen und Zukunftsmacherinnen. Für sie sollten wir diese Talente entwickeln – und das Beste aus uns herausholen.
Danke, dass du dir die Zeit nimmst, diese Talente zu entwicklen und noch besser darin zu werden. Dein Kind wird es dir DANKEN!
Tränen der Freude, berührende Momente und eine Extraportion Liebe. Diese drei Dinge waren zwar nicht in Papier verpackt, beschriftet und in den alten Lederkoffer geworfen. Und doch bildeten sie den Rahmen für die familiäre Tradition anlässlich der Firmung unseres Jüngsten zu Pfingsten 2024.
Wie schon bei der großen Schwester und unserer Mittleren haben wir das „Erwachsenwerden“ des Kindes im Glauben – die Firmung – genützt, um unserem Kind zu verdeutlichen, was wir ihm gerne mitgeben möchten, für den zunehmend eigenständigen Weg ins Leben. Das langsame Loslassen der Kinder fordert mich als Mutter zeitweilig sehr. Nicht nur, weil die Kontrolle nach und nach verloren geht (die hatten wir in Wirklichkeit NIE ganz!), sondern weil es auch viel Segen, Glück und Vertrauen braucht, dass ihnen gelingt, wovon sie träumen.
Hier liest du – in gewohnter Art und Weise – was wir unserem Sohn in dem Koffer überreicht haben. Es gab jeweils ein kleines symbolisches Geschenk, das fein säuberlich nummeriert und mit einer Überschrift versehen war. Er suchte das verpackte Paket mit der Nummer, las uns die Eigenschaft / Haltung vor. Dann folgte der Text von uns Eltern (abwechselnd gelesen) und anschließend durfte er das kleine Präsent auspacken.
Hier liest du – in gewohnter Art und Weise – was wir unserem Sohn in dem Koffer überreicht haben. Es gab jeweils ein kleines symbolisches Geschenk, das fein säuberlich nummeriert und mit einer Überschrift versehen war. Er suchte das verpackte Paket mit der Nummer, las uns die Eigenschaft / Haltung vor. Dann folgte der Text von uns Eltern (abwechselnd gelesen) und anschließend durfte er das kleine Präsent auspacken.
WAS WIR MITGEBEN WOLLTEN:
Für jede angenehme Reise ist es gut, sinnvoll und klug zu packen. Damit man die wichtigen Dinge dabei hat und trotzdem nicht schwer schleppen muss. Wie es schon familiäre Tradition ist, haben wir für dich auch einen Koffer für’s Leben gepackt. Mit kleinen Dingen, die symbolisch für Eigenschaften, Haltungen und Ideen stehen, die wir dir mitgeben möchten.
Durchhaltevermögen & Geduld (Batterien)
Wir leben in einer Zeit, wo wir fast alles Jetzt! Sofort! Haben! Wissen! Können! Wollen. Und wenn es mal länger dauert, bis etwas gelingt, du wütend oder antriebslos wirst, weil Erfolge auf sich warten lassen, dann sei wie ein Duracell Hase und höre niemals auf, zu gehen. Seien die Schritte auch noch so klein. Lade dich auf und bleib dran, dann wirst du dich selbst nie enttäuschen!
Was uns lebendig macht, sind unsere Gefühle. Erlaube dir, alles zu fühlen, was dir im Leben unterkommt. Koste die angenehmen Gefühle aus und lasse dich auch in unangenehme fallen. Sie sind da, um gefühlt zu werden und verschwinden auch wieder, wenn wir ihnen genug Raum gegeben haben. Vor allem jedoch: nimm auch andere Menschen in ihrem Gefühl wahr und ernst.
Und merke dir: in den dunkelsten aller Momente, sei das Licht, das für dich und andere leuchtet.
Respekt (Regenbogenfarben – Stifte)
Jeder Mensch hat eine Geschichte, die ihn zu der Person macht, die er oder sie ist. Diese Geschichten oder innere Landkarten sind so einzigartig, bunt und schillernd wie die Farben des Regenbogens. Dir muss nicht jeder Mensch gefallen. Wir wünschen dir aber, dass du jedem mit dem nötigen Respekt und genügend Achtung begegnen kannst. Beurteile dich selbst und andere nicht nach Oberflächlichkeiten wie Statussymbolen, Erfolg oder Hautfarbe sondern stets nach der Größe ihres Herzens.
Anstrengungsbereitschaft (Kettlebell)
Vieles ist dir bisher im Leben wunderbar leicht von der Hand gegangen. Es darf leicht gehen. Und wenn dir das Leben schwerere Brocken in den Weg legt, dann sei bereit, dich anzustrengen. Sei dir sicher: Übung schlägt Talent. Wer bereit ist, mehr aus sich heraus zu holen statt sich auf Gaben der Natur auszuruhen, wird weiter kommen im Leben.
Grips & Vernunft (Train your brain Rätsel)
In einer komplexen Welt brauchst du immer wieder die Fähigkeit, Dinge auseinander zu dividieren und zusammen zu bringen. Hinterfragen, kritisch sein, wachsam bleiben – besonders auch in gesellscahftlichen Belangen, das war schon immer von Bedeutung und wird es auch in Zukunft bleiben. Bediene dich deines Verstandes, nütze ihn für dich und merke dir: Never be so clever, you forget to be kind. Never be so kind you forget to be clever.
Achtsamkeit für die kleinen Dinge (Bettwäsche)
In der Flut der Sinneseindrücke unserer Realität ist es oft schwer, sich eine gute Wahrnehmung zu erhalten. Verlasse dich in hektischen Zeiten auf deine Sinne, sie holen dich schnell ins Jetzt, in den einzigen Moment, der zählt. Und denke immer dran: es sind die kleinen Dinge, die oft einen großen Unterschied ausmachen, wie zum Beispiel morgens das Bett zu machen.
If you want to change the world, start by making your bed. If you can‘t do the little things right, you will never be able to do the big things right.
Teamgeist (Badehose)
Die größte Stärke von uns Menschen ist, Dinge gemeinsam zu bewältigen. Die herausfordernsten Krisen unserer Spezies konnten nur überlebt werden, indem wir zusammen halfen. Du wirst erfahren, dass es im Leben (anders als in der Schule) oft darauf ankommt, wie teamfähig du bist. Keiner muss alles können. Jeder darf eigene Stärken haben. Und gemeinsam wird man dann fast unschlagbar. Du kannst die Welt nicht allein verändern. Such dir jemanden, der sich mit dir ins Boot setzt und gemeinsam rudert.
Humor (Seifenblasenpistole)
Im Erwachsenenleben (und auch schon in Ausbildungszeiten) geht es oft um Leistung, Arbeit und Ernsthaftigkeit. Besonders, wenn einem das Lachen vergeht, ist Humor eine entwaffnende Fähigkeit, die wir auspacken können. Manchmal bleibt uns fast nichts anderes übrig. Wir wünschen dir einen guten Sinn für Humor, der sich wie schillernde Seifenblasen über die Ernsthaftigkeit legt. Dass du auch über dich selbst lachen kannst und dich nicht über Defizite und Eigenheiten anderer Menschen lustig machst, besonders, wenn es sich um schwächere Mitglieder unserer Gesellschaft handelt.
Kommunikationskultur (Buchstabennudeln)
Der Unterschied zwischen primitiven Tieren und uns Menschen: wir können miteinander reden. Dass du in allen Lebenslagen die richtigen Worte findest, deinen Gefühlen und Bedürfnissen Ausdruck verleihen kannst und stets auf ein Gegenüber triffst, das dich ehrlich hören und sehen versucht, das wünschen wir dir.
Zuversicht & Hoffnung (Spritzkerze)
Das Leben ist Licht und Schatten. In den einsamen, traurigen, ohnmächtigen Stunden brauchen wir ganz besonders die Kraft der Hoffnung. Sei du die Person, die anfängt, den Funken der Hoffnung zu verbreiten. Glaube so fest daran, dass du andere damit ansteckst, mitreißt und begeisterst, auch wenn sie ebenso tief im Sumpf stecken wie du. Start singing when you are up to your head in mud.
Freiheit & Verantwortungsbewusstsein (Planeten)
In den nächsten Jahren wird sich dir die Welt zu Füßen legen. Du wirst sie auf deine Art und Weise begreifen und erfahren. Erlaube dir die Freiheit, dir selbst ein Bild zu machen von diesem Universum anstatt Meinungen zu kopieren. Und hab dabei immer in Herz und Hirn, dass wir auch dafür verantwortlich sind, was uns gegeben ist. Sei sorgsam mit unserem Planeten und gib auf dich und alles Leben acht – sonst ist die Freiheit schneller weg als man denken kann.
Flexibilität (Multifunktionswerkzeug)
Leben ist Veränderung und in den letzten Jahren passiert das mit rasanter Geschwindigkeit. Mit künstlicher Intelligenz, zunehmender Digitalisierung und immer extremeren Lebensumständen werden wir sehr viel Flexibilität im Denken und Handeln brauchen, um in Zukunft bestehen zu können. Sei dir sicher, dass du ganz viel beitragen kannst, um ein gutes Leben für dich und andere zu ermöglichen und wisse: du kannst alles lernen, was du (noch) nicht kannst!
Wir finden: das Leben ist nicht immer fair. Manchmal kannst du noch so gut vorbereitet sein, noch so gewappnet, noch so erfolgreich – hinfallen wird Teil deines Weges sein. Leben ist nicht so gemeint, dass es fehlerlos klappt. Sonst wäre es vermutlich zu langweilig.
Sei dir immer bewusst: Fallen gehört dazu. Fehler gehören dazu. Scheitern gehört dazu. Wie Brösel zu Keksen. Wichtig ist nur, dass du weißt, wie du wieder aufstehst. Dass du überzeugt bist, dass du stark genug bist, um weiter zu gehen. Und dass du dir entweder selbst helfen kannst oder um Hilfe bitten darfst. Dann machst du auch noch jemandem eine Freude – dem, der dir helfen darf.
Vielleicht sind diese Dinge noch nicht alles, was du auf deinem Weg, deiner Reise durch’s Leben brauchen wirst. Du wirst deine eigenen Pfade betreten, Dinge tun, von denen wir nicht viel wissen. Daher wollen wir dir zum Schluss sagen: Wir glauben fest daran, dass du alles in dir trägst, was du für ein glückliches, zufriedenes und wunderbares Leben brauchst. Hab immer wieder den Mut, in dir selbst zu graben, dich auf die Suche zu machen und dich zu entwickeln. Lass den Geist Gottes in dir und durch dich wirken!
Finde immer wieder Sinn in den Dingen, die du tust, und denke immer dran: du bist – auch wenn du erwachsen bist – nie allein.
Die Tür zu unserer Wohnung und besonders unseren Herzen wird immer offen stehen für dich. Ganz egal, was du ausgefressen hast. Hier ist dein sicherer Hafen, dein geschütztes Nest und deine verlässliche Tankstelle. Immer für dich geöffnet.
Wir freuen uns auf alles, was da noch kommt.
Was wir noch mit dir erleben dürfen.
Wohin du uns noch bringst und mitnimmst und sind jetzt schon dankbar.
Für dich und alles, was du in unser Leben bringst!
Wieviel unsere Kinder von dem, was wir ihnen mitgeben möchten, auch wirklich nehmen, bleibt ihnen überlassen. Sie haben die Freiheit, selbst zu entscheiden, was für sie gut und wichtig ist. In der Hoffnung, dass wir ihnen nicht nur in Worten und Taten sondern vor allem durch unser gelebtes Leben bis hier her ein Vorbild sein konnten, wollen wir sie Stück für Stück entlassen.
In neue Freiheiten, in neue Lebensabschnitte, in neue Abenteuer. Denn schließlich ist das Leben da, um gelebt zu werden. So, und ich hole mir jetzt die Taschentücher. Loslassen kann so schön und traurig zugleich sein – genieße dieses Gefühl.
ANMERKUNG: Diese Idee ist ausdrücklich zum Nachmachen empfohlen! Ich freue mich über jeden Koffer, der so oder so ähnlich voller liebevoller Gedanken an eine(n) Jugendliche(n) übergeben wird! VIEL FREUDE bei der Zeremonie!
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