von Kerstin Bamminger | Okt. 25, 2019 | Allgemein, Gute Worte, Hilfreich, Leben, Selbstfürsorge
Wir sitzen im Nebel. Vielleicht nicht alle von uns, aber viele. Diese Herbsttage an denen das Grau einfach nicht aufgeht, schlagen manchmal ganz schön aufs Gemüt und lassen uns stimmungsmäßig in den Keller sinken. Die Fotos, die man dann in den sozialen Medien sieht von Berggipfeln, die sich über der Nebelsuppe erheben und die Kraxler in der schmeichelnden Herbstsonne zeigen sind da leider auch nicht förderlich. Schnell werde ich missmutig und wünsche mir auch die Sonne her, ohne zu bedenken, dass sie eh da ist – auch wenn wir sie gerade nicht sehen.
So geht’s mir auch manchmal mit meiner Dankbarkeit. Vor lauter Nebel (sich beschweren, jammern, klagen, …) vergesse ich, dass ich trotzdem genügend Grund hab, dankbar zu sein. Weil die Sonne scheint, auch wenn wir sie gerade nicht sehen können. So hab ich heute für dich 5 Anregungen, die dich zu mehr Dankbarkeit anstiften können. Wenn du vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr siehst.
Solltest du lieber schlechte Laune haben wollen, hör bitte HIER auf zu lesen!
Kinder
In Gesprächen mit anderen Müttern und in Beratungen geht es oft um die Anstrengungen, die mit unseren Kindern verbunden sind. Ihre Wutanfälle aushalten, sie gefühlt von Kopf bis Fuß zu bedienen, die unzähligen Handgriffe, die wir tagtäglich für sie erledigen, andernorts die durchwachten Nächte, anstrengende Körpernähe oder das Gefühl immer nur am Schimpfen zu sein.
Dabei könnten wir unsere Kinder auch einfach ein wenig mehr genießen. So viele Paare würden sich wünschen, ein Kind zu haben, das sie nervt. Für viele der Konflikte, die wir täglich erleben oder begleiten sollen, gibt es einfache Lösungen, wenn man mal die Perspektive wechselt und etwas Anderes probiert. Kinder machen uns menschlich, weise, mitfühlend, sie bringen uns zum Lachen und halten uns den Spiegel vor, sie versetzen uns in Staunen und bereichern unseren Alltag. Ja, es ist auch anstrengend, Kinder zu haben. Doch noch mehr ist es belebend, erfüllend und sinnstifend.
Haushalt
Oje. Meine schwerste Übung, weil ich diese Tätigkeiten so gar nicht mag. Putzen, kochen, waschen, bügeln – eher ein lästiges Muss als ein Juhuu-ichdarf! Dennoch: ich wache morgens auf, liege in einem warmen Bett, hab ein Dach über dem Kopf, im Bad fließt Wasser aus der Leitung und im Kühlschrank findet sich essenswertes. Es ist kein ich-muss-aufstehen, ich-muss-putzen, ich-muss-bügeln, sondern ein: „Ich tu’s, weil es mir wichtig ist. Weil ich möchte, dass ich meinen Tag nütze, weil ich möchte, dass die Wohnung halbwegs sauber ist und weil ich möchte, dass mein Gewand ordentlich ausschaut.“
Nur gleich zur Erläuterung … natürlich bin es nicht nur ICH sonder WIR (die diese Arbeit erledigen), auch wenn das oft ein kleiner Kraftakt ist, weil andere Menschen in der Familie andere Werteordnungen haben.
Ich erinnere mich hiermit, dass viel Wäsche zu waschen heißt, dass wir genug Gewand haben. Jeden Tag zu kochen heißt, ausreichend Essen zu haben. Und viel putzen zu können bedeutet, viel Platz zu haben, den man bewohnen und genießen kann.
Wetter
Der Nebel war ja schon eingangs das Thema. Wie oft beschweren wir uns über das Wetter … es ist zu nebelig, zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu regnerisch, zu …. . Mal ehrlich: so richtig recht machen kann’s uns das Wetter nicht.
Statt dem ewigen Jammern könnten wir uns darüber freuen, dass wir so viel verschiedenes Wetter erleben, dass wir an einem Ort leben, wo es vier Jahreszeiten gibt, jede mit ihrer eigenen Schönheit und dass jeder Tag einzigartig ist und richtig, so wie er ist. Wir haben warme Kleidung um uns vor Kälte zu schützen, wir haben Regenjacken und -schirme, wenn es mal kübelt und wir können hochsommerliche Temperaturen in der Sonne genießen oder den Schatten der Bäume nützen. Wir können uns bei Nebel zuhause einkuscheln und es uns gemütlich machen.
Es ist eine Frage der Perspektive, wie wir das Wetter anschauen und, mal ehrlich: tagein, tagaus immer Sonnenschein und blauer Himmel? Wär doch langweilig!
Partner
Wenn wir mit Partnern zusammenleben (und Familien haben) dann ist das meistens so, weil wir den überwiegenden Teil daran gut finden. Ich ertappe mich auch dabei, wie mich Dinge am Gegenüber nerven, wie verschiedene Verhaltensweisen mich verärgern und meine Stimmung deshalb alles andere als erfreulich ist. Wie bei den Kindern vergessen wir auch hier, dass wir (hoffentlich) reichlich Gründe haben, dankbar zu sein.
Dass wir jemand haben, mit dem wir das Leben teilen wollen, der uns wichtig ist, den wir respektieren und wertschätzen. Der anders ist als wir und diese Verschiedenartigkeit uns bereichern kann und dass wir nicht mit allem einverstanden sein müssen, um die Person trotzdem gut finden zu können. Meist ist es die fehlende Zeit füreinander, das Ausbleiben von liebevollen Gesten, die für selbstverständlich genommene Anwesenheit des Partners / der Partnerin, die zu Unzufriedenheit führt. Bewusst verbrachte gemeinsame Zeit ist ein guter Weg, diese Beziehung wieder zu stärken und die Dankbarkeit zu spüren, von der Pizzera & Jaus singen: „Dass du ohne mi kannst, aber net ohne mi wüllst!“
Arbeit
Wenn man in die Gesichter von Autofahrer*innen am Morgen blickt, bekommt man den Eindruck, die fahren alle ins Verderben. Klar, nicht jede*r hat das Privileg, einen Beruf auszuüben, der einem auch Spaß macht, die eigenen Stärken zum Vorschein bringt und für den man Wertschätzung bekommt. Doch auch, wenn dich dein Job „angeht“: du bist nicht verpflichtet hinzugehen. Nein! Niemand zwingt dich! Wenn du nicht mehr kommst, hat das allerdings Folgen – du wirst vermutich gekündigt, bekommst dann nach einer Weile kein Geld mehr und hast wahrscheinlich (solltest du nicht auf einem fetten Erbteil sitzen) Probleme, dein Leben zu finanzieren.
Also. Wir wollen arbeiten. Weil wir nützlich sein wollen. Weil wir etwas Sinnvolles tun wollen. Weil wir zeigen wollen, was wir können. Weil wir mitgestalten wollen. Und zumindest: weil wir dafür Wertschätzung in finanzieller Form bekommen. Es gibt gute Gründe, zu arbeiten. Für jede*n von uns. Diese Gründe können sehr unterschiedlich sein. Wer keinen einzigen guten Grund findet, seinen jetzigen Job zu machen, hat auch die Freiheit zu wechseln. Oder weiter zu jammern.
Man kann sagen: ja, bitte – wenn ich mich immer damit tröste, wie schlecht alles sein könnte bringt mich das nicht weiter. Stimmt. Wenn ich mir dauernd vorstelle, was alles noch viel besser sein könnte aber auch nicht.
Es ist eine Entscheidung. Dankbar zu sein. Es ist eine Haltung. Man kann das lernen und trainieren. Man muss nicht. In der Entscheidung, dankbar zu sein liegt allerdings eine gute Kraft, die zufrieden macht und uns selbst vermittelt: wir sind gut, so wie wir sind.
Das Leben ist gut, so wie es ist.
Die Kinder sind gut, so wie sie sind.
Der Alltag ist gut, so wie er ist.
Das Wetter ist gut, so wie es ist.
Der Partner ist gut, so wie er ist.
Und für alles was nicht gut ist, hast du die Möglichkeit, etwas zu verändern. Dich zu entwickeln und dazuzulernen.
Danke, dass du bis hierher gelesen hast und dankbarer sein möchtest.
Wofür bist du heute schon dankbar? Was macht dich glücklich und zufrieden?
Schreib in die Kommentare, wenn du etwas davon hier und jetzt teilen möchtest!
Kommentar schreibenKommentare: 2
von Kerstin Bamminger | Okt. 15, 2019 | Allgemein, Frauenstärke, Hilfreich, Leben, Selbstfürsorge
Als Heldin bezeichnet man laut Wikipedia eine Frau, die außergewöhnliche Leistungen erbringt – entweder körperlicher oder geistiger Natur. Sie verfügt über heroische Eigenschaften wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Mut, Aufopferungsbereitschaft und Tugendhaftigkeit, sie kämpfen für Ideale und zeigen dabei hohe Einsatzbereitschaft für Menschen.
Ein Kind zu gebären, es zu stillen und monate- (oder jahrelang) mit einem Schlafdefizit klarzukommen, ist eine körperliche Höchstleistung. Wir brauchen alle oben genannten Eigenschaften in unserer täglichen Rolle als Mutter – wir setzen uns bis an unsere Belastbarkeitsgrenzen ein, wenn es um unsere Kinder geht, um unsere Familien.
Am Muttertag ernten wir dann kurz den Applaus für 364 Tage Einsatz.
So weit ist alles klar – kaum jemand erhebt hier Einspruch.
Interessant wird es allerdings, wenn wir über Arbeit, Anerkennung und Selbstbestimmung reden.
Wenn wir über ARBEIT reden, meinen wir Erwerbsarbeit, für die man ein Gehalt bekommt. Wir meinen die Zeit, die wir in einem Beruf verbringen, für den wir professionell ausgebildet wurden, wo es eine vertragliche Vereinbarung gibt und wir am Ende eines Monats Wertschätzung in Form von Geld bekommen.
Wie kommen wir eigentlich dazu, die Arbeit einer Mutter derartig abzuwerten?
Der Beruf der Mutter ist mindestens gleichwertig und gleichwürdig zu jeder anderen Erwerbsarbeit, wenn nicht sogar noch wichtiger, in jedem Fall aber zukunftsprägend. (Die des Vaters übrigens auch.) Kinderbetreuungsaufgaben zu übernehmen ist nicht „Urlaub vom Job“ – viele Mütter berschreiben es genau umgekehrt: „Wenn ich arbeitn geh, ist das wie Erholung von daheim!“ „Da kann ich Dinge fertig machen und erledigen, es gibt einen Anfang und ein Ende.“
Wir brauchen dringend ein neues Bild, was „ARBEIT“ ist und wie wir diese Tätigkeiten honorieren und wertschätzen wollen, denn sonst kommen wir nie zu echter Wahlfreiheit, was Familienmodelle angeht, weil es viel zu oft eine wirtschaftliche Entscheidung ist, wann und in welchem Ausmaß Eltern erwerbstätig sind. Ja, Teilzeitarbeit ist eine Gefahr und die Lücken am Pensionskonto führen vermutlich zu Altersarmut, aber doch nicht weil wir Mütter nicht arbeiten WOLLEN, sondern weil unsere Arbeit nicht entsprechend wertgeschätzt wird – nämlich entlohnt! Wir brauchen nicht den Drill, alle früh wieder in Lohnarbeit zurück zu gehen, sondern neue Modelle der Anerkennung der Familienarbeit bzw. Carearbeit.
Wenn wir über SELBSTBESTIMMUNG der Frau reden, meinen wir: sie müsse früh die Möglichkeit haben, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Dem folgt der laute Ruf nach mehr und längerer institutioneller Kinderbetreuung verbunden mit der Annahme, dass alle Frauen das ehest möglich tun wollen. Denn: die armen Mütter müssen ja so lang hinter dem Herd ausharren.
Wie kommen wir dazu, uns allen dieses Modell überzustülpen?
Selbstbestimmung sollte vielmehr heißen, dass wir eben selbst bestimmen dürfen!
Was wir wollen,
was wir gut finden und
wofür wir uns entscheiden
und dass es eben NICHT eine Luxus-Entscheidung sein sollte, Kinderbetreuungsaufgaben selbst zu übernehmen. Wirtschaftliche Argumente sollten niemals die menschlichen schlagen und Frauen (und Kinder!!) in eine Doppelbelastung drängen, obwohl sie etwas Anderes lieber hätten.
Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass man gern Familienarbeit übernimmt.
Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass diese Arbeit sinnstiftend ist.
Ich wünsche mir, dass man laut sagen darf, dass auch diese Entscheidung selbstbestimmt sein kann (und wir nicht von unseren Männern gezwungen werden ;-)!).
Ich sehe so viele kluge, gut ausgebildete, reflektierte und tolle Frauen in meinem Umfeld und in meinen Workshops, die sich viele Gedanken zum Thema Begleitung und Beziehung mit Kindern machen. Viele von ihnen haben mehr pädagogisches Gespür im kleinen Finger als so manche Lehrerin oder Kindergartenpädagogin, die ich kennengelernt habe und ich finde eindeutig, dass diese Form der Arbeit in der Familie mehr wert sein sollte.
Durch die vorgepredigte Marschrichtung „alle Frauen zurück in den Job“ bewerten wir Erwerbsarbeit höher als Familienarbeit und das ist unfair.
Wenn wir über ANERKENNUNG reden, dann sind wir ganz schnell bei den Frauen, die uns vorleben, wie „Kind und Karriere“ geht und erklären sie dann zu Nachahmungsmodellen. Soll ich ehrlich sein? Ich kann es nicht mehr hören.
Wir brauchen die menschlichen Erfolgsgeschichten, von denen, die mutig genug waren, sich gegen Trends und gesellschaftliche Vorgaben zu entscheiden. Mütter, die sich gut überlegt haben, „wie will ich das denn haben … mit meinen verschiedenen Rollen“ und bewusst und individuell Wege gehen, die nicht von Politik und Wirtschaft bereitet wurden, sondern die manchmal steinig sind, aber dafür den eigenen Überzeugungen entsprechen und sich an dem Wertekompass orientieren, dem man folgen will. Diese Entscheidungen betreffen Mütter und Väter gleichermaßen. Es braucht auch Diskussionen auf Augenhöhe, ebenbürtig, gleichwürdig und gleichwertig, wie die Aufteilung von Arbeit und Zeit gelingen kann.
Wir wollen unsere Berufe leben, etwas gestalten, haben Ziele in unserer Erwerbstätigkeit und möchten diese erreichen. Und wir brauchen GLEICHZEITZIG die Anerkennung in finanzieller und rechtlicher Hinsicht für Familienarbeit, die wir leisten.
Im Übrigen trifft diese geschlechtermäßig ungleiche Bewertung von Arbeit auch die Väter enorm, denn die sind auch in vorgeformte Rollen gepresst und können sich oft nicht dafür entscheiden, wenn sie etwas Anderes wollen. Ich bin überzeugt, dass auch viele Väter sich echte Wahlfreiheit wünschen würden und mehr Chancen, sich in der Familienarbeit einbringen zu können, ohne dabei wirtschaftlich schlecht auszusteigen, weil sie nun mal diejenigen mit dem besseren Gehalt sind und daher für den größeren Teil des Familieneinkommens Sorge tragen.
Es liegt an uns. Wir sind diejenigen, die jetzt Weichen stellen können für die Zukunft.
Dafür, dass wir GLEICHWERTIG auf Familienmodelle schauen.
Dass wir GLEICHWERTIG über Familienmodelle sprechen.
Und dass sie GLEICHWERTIG anerkannt werden.
Damit Mütter und Väter GLEICHWERTIG nebeneinander stehen können und ihren Kindern vermitteln:
wir sind beide GLEICH viel WERT, gleich gut und gleichwürdig – jeder von uns kann etwas Anderes gut und diese persönlichen, individuellen Stärken von Frauen und Männern können zusammen zu unabhängigen, zufriedenen, und überzeugten Lebensmodellen als Familie führen.
Wir brauchen Lösungen! Welche Idee hast du, um Familienarbeit aufzuwerten??
Kommentar schreibenKommentare: 2
von Kerstin Bamminger | Okt. 10, 2019 | Allgemein, Gute Worte, Leben, Selbstfürsorge
Es gibt Tage im Leben einer Mutter, die stehen einfach unter keinem guten Stern. Man kann auch sagen, manchmal hat man mieses Karma, steht mit dem verkehrten Fuß auf usw.
Gestern war wieder mal so einer und auch in den letzten Wochen gabs öfter mal Situationen, wo nur mehr Humor hilft, weil es für alles andere zu spät ist.
Der Start in den Herbst verlief grundsätzlich recht geschmeidig. Triple-Schulstart … kein Problem, da bin ich schon routiniert, auch der Schulwechsel des älteren Kindes geht sang- und klanglos vor sich. Ja, der Terminkalender ist wieder zunehmend zugepflastert, da die Kinder nun noch öfter das Tanzbein schwingen, das runde Leder treten und ich (mit großartiger Unterstützung meines „Dorfes“) den Uber von Stadl-Paura mime. Alles in Ordnung, denk ich mir – ich bin ein Termin-Tetris Pro, das schaff ich schon wunderbar.
Instruiere die Tochter noch, mittags mit dem Zug nur bis Wels zu fahren, briefe die zwei Jüngeren, dass ich gleich nach dem Mittagessen wegfahre, weil Kieferorthopädentermin und gebe am späten Vormittag noch in der Schule die Details für das digitale Klassenbuch bekannt, wegen der Abwesenheit. Ich bin die Checkerin. Nach einem produktiven Vormittag mache ich mich an die Arbeit und schupfe Palatschinken, damit die hungrige Meute beim Heimkommen beruhigt werden kann. Reste der letzten Mittagessen ebenfalls aufgewärmt, dann sorgfältig die Küche in Originalzustand zurückgebracht. Hach, denk ich mir. Ein wenig Selbstfürsorge – ich klink‘ mich aus und leg mich eine halbe Stunde aufs Ohr (ich hab erfolgreich gelernt zu Powernappen – darauf bin ich sehr stolz!)
Scheinbar dürfte der Dunst beim Palatschinkenwenden einen Nebel des Vergessens über meine nächsten To-Dos gelegt haben. Die Mittlere reißt mich aus dem Schläfchen – wo ich denn bleibe, lässt das Ältere Kind am Telefon fragen, während sie am Bahnhof auf mich wartet.
Ein Blitz durchfährt mich und wie von der Tarantel gestochen zische ich in die Garage, ab ins Auto, wüst schimpfend … ich hab alles genommen, was ich in meiner „Schimpfwörterschublade“ fand. Hoffentlich hat mich niemand beobachtet, es wäre auch nicht besonders ansehnlich gewesen.
In Sekundenschnelle alle Optionen gecheckt und via Freisprech den Mann, glücklicherweise in Wels stationiert, für einen Taxidienst eingeteilt. Ich hatte schon entspanntere Autofahrten als diese.
Letzte Woche, ebenfalls Tatort Küche: der Sohn bringt einen Karton frischer Eier und versucht sie mit entsprechender Coolness eines Neunjährigen auf der Anrichte zu platzieren. Leider mit dem Erfolg, dass alle 10e am Boden landeten. Andere Mütter holen panisch das Putzzeug, wischen und sterilisieren (bitte keine Salmonellen). Ich zücke das Handy und fange erstmal die Situation ein, während der Sohn wütend abdampft. (Ich hab mich später um seine Wut gekümmert.) Wie bekommt man so viele Eier am effizientesten vom Boden weg und selbigen wieder sauber?
Auch letzte Woche, Tatort Auto: als Uber vom Dienst jongliere ich gekonnt die Fahrten von und zur Tanzschule, kombiniere sie geschickt mit Notwendigkeiten wie Einkauf und Besorgungen und bastle minutengenaue Pläne, die auch meistens aufgehen. (Wenn ich nicht grad power-nappe.)
Raus aus dem Parkhaus, nach dem Schranken über die erste kleine Querstraße, will gerade zum Sicherheitsgurt greifen, schießt mich fast die Polizei von rechts ab. Oder … ich sie? Ich bremse und katapultiere das Kind fast aus dem Sitz, das vor lauter Hitze noch schnell die Jacke ausziehen wollte und auch noch nicht wieder angeschnallt war. Na bravo. Die Kontrolle folgt prompt, in der Aufregung find ich natürlich mein Pannendreieck und das Verbandspaket NICHT, dafür hätte ich in etwa siebenhundert Stoffbeutel und wiederverwendbare Gemüse- und Obstsackerl dabei. Leider gelten die weder als Pannendreieck noch als Verbandszeug. Die Tochter befürchtet während dieser Prozedur die ganze Zeit, dass wir nun verhaftet und abgeführt werden. So scharf war die Polizistin dann doch nicht.
Da ich nun wieder weiß, wo sich meine „Fahrzeugausstattung“ befindet, überleg ich ernsthaft, am Wochenende ins Planquadrat zu fahren und alles stolz zu präsentieren.
Ja, ich hab mich in solchen Situationen auch schon fürchterlich geärgert.
Ja, es hilft mir diesen Ärger auch rauszulassen und (mit mir selbst) zu schimpfen.
Ja, manchmal frage ich mich schon, wie so etwas passieren kann.
Und dann, wenn die erste Wut verraucht ist und ein bisschen Zeit vergeht, merke ich: das ist doch eigentlich zum Lachen.
Es ist nichts Ernsthaftes passiert, einmal durchatmen bitte.
So ist halt das Leben.
Lass dir wenigstens nicht die Erfahrung daraus entgehen.
In meinem Fall sind das folgende Erkenntnisse:
Ich brauche wieder einen Stehkalender, kein Buch das zwar gut aussieht, aber wenig übersichtlich ist.
Das beugt dem Terminevergessen vor. Hoffentlich.
Kenne dein Fahrzeug in und auswendig und achte wieder genauer darauf, dass die Kinder angeschnallt sind, BEVOR sich das Fahrzeug in Bewegung setzt.
Kommt Zeit, kommt Humor. Manchmal braucht es ein wenig, bis man über solche Episonden lachen kann, über eigene Unzulänglichkeiten, über gemachte Fehler. Dann aber ist „einmal darüber lachen können“, sehr heilsam.
Seien wir dennoch gnädig mit uns selbst, verzeihen wir, entschuldigen wir uns.
So ist das Leben. Unberechenbar und überraschend. Ungezähmt und aufregend. Abwechslungsreich und lebendig. So wie wir.
Worüber kannst du jetzt lachen, was dich im ersten Moment geärgert hat? Erzähl es mir!
von Kerstin Bamminger | Okt. 4, 2019 | Allgemein, Frauenstärke, Gute Worte, Hilfreich, Leben, Selbstfürsorge
Kind und Karriere unter einen Hut bringen. Ein gesellschaftlich propagiertes Ziel, unterstützt von Politik und Wirtschaft, verbunden mit ewigen Forderungen nach immer mehr und immer länger geöffneten Kinderbetreuungseinrichtungen, weil anscheinend alle Frauen beides wollen sollen.
Dabei bekommen wir oft Rollenmodelle vorgesetzt, die mit der Realität einer durchschnittlichen Familie nichts zu tun haben und für alle heißt’s aber: so geht’s!
Ich hab mir Gedanken gemacht, was die ständigen Fragen rund um die Vereinbarkeit mit uns machen und was wir uns eigentlich wünschen.
Grundsätzlich, finde ich, ist in unserem Land per Gesetz sehr viel gut geregelt, was die Rechte auf Mutterschutz, Elternkarenz und Elternteilzeit angeht. Dass diese Regelungen nur bedingt genutzt werden, hat verschiedenste Gründe, einer davon ist sicher, dass meist die Jobs der Männer besser bezahlt sind und es nicht nur eine soziale und Wunschfrage ist, sondern vor allem eine wirtschaftliche.
Doch anstatt es uns untereinander dann etwas zu erleichtern, verstärken wir vorhandene Unsicherheit auch noch im persönlichen Umgang und machen uns (vielleicht oft auch unbewusst) Druck. Und wenn es andere nicht tun, machen wir das selbst im Sinn von „… bei anderen geht’s doch auch, wieso schaff ich das nicht?“
Druck entsteht schon bei der Tatsache, dass man bereits vor der Geburt des Kindes auswählen soll, welche Kindergeldvariante man haben möchte, sprich – wie lange man der Lohnarbeit den Rücken kehren wird, ohne zu wissen, welches menschliche Wesen in die Familie geboren wird. Man weiß nichts über sein Temperament, ob es genügsam ist oder pflegeintensiv, wie man die Umstellung als Familie schafft und wie sich das kindliche Schlafverhalten entwickelt und so weiter. Man entscheidet sich quasi für die Katze im Sack. So weit, so gesetzeskonform.
Wenn ich uns dann aber zuhöre, wie wir Frauen uns unsere Lohnarbeit erklären, wird mir oft ganz schlecht, weil wir (vielleicht oft auch unbewusst, schon wieder) rechtfertigen und Fragen stellen, die nicht sein müssen.
FRAGE 1: Wann fängst du wieder zu arbeiten an?
Am liebsten würde ich da drauf schreien: ich arbeite jetzt schon und jeden Tag, da Mama sein ein 24 stunden Job ist, leider halt keine Lohnarbeit, doch: „Ich arbeite!“. Wir meinen natürlich: „wann steigst du wieder in deine Erwerbsarbeit ein“, was nicht recht viel gescheiter ist. Erstens impliziert die Frage die Idee, dass frau das wieder tun wird und sollte und zweitens auch, dass man einen fixen Plan dazu hat. Ich hab diesen Druck selbst oft gespürt, auch wenn keine der Fragenstellerinnen mich in die Enge treiben wollte, es passiert allein durch die Frage. Und das, obwohl ich gerne und aus Überzeugung neun Jahre keiner Erwerbsarbeit nachgegangen bin. Eine Antwort darauf findet sich umso schwieriger, eigentlich tappen wir immer in eine Rechtfertigung, warum, wann, wieso und wieso nicht. Das bringt mich zu
FRAGE 2: Warum so wenig Stunden?
Na gut, vielleicht fragt das nicht gleich jemand, aber wie oft ich Mütter sagen höre: „Ich arbeite eh nur ….. Stunden (bitte beliebige Zahl einsetzen)!“ ist unglaublich. Was heißt hier „nur“? Wir sollten uns nicht für unsere Arbeit entschuldigen, schon gar nicht bei Personen, die nicht zur Familie gehören. Mütter und Väter sollen die Entscheidung, wer wieviel und wann einer Erwerbsarbeit nachgeht um die Familienverhältnisse finanziell decken zu können, ganz allein entscheiden und es vor allem sich selbst recht machen. Was ohnehin schwer genug ist, denn es ist lang nicht so, dass das ein Wunschkonzert ist, sondern ein sensibles und oft ungerechtes Abwiegen von Interessen und Bedürfnissen, von wirtschaftlichen und soziokulturellen Faktoren, von Traum und Wirklichkeit.
Damit sind wir bei
FRAGE 3: Warum so viele Stunden?
Diese Frage wird meist gar nicht offen gestellt, eher hinter vorgehaltener Hand: „… oh, ihr ist die Karriere wichtiger als die Kinder, wozu hat sie denn welche bekommen?“ Ja, so sind wir Frauen auch manchmal. Was irgendwie schade ist. Wir sehen nicht hinter die Kulissen und können nicht wissen, was die Beweggründe für Familien sind, sich früh für einen Wiedereinstieg mit vielen Stunden zu entscheiden. Und im Grunde geht es uns nichts an – allein dieser Familie soll es recht sein. Sie sind diejenigen, die es aushalten müssen und die Verantwortung tragen. Es können verschiedene Beweggründe sein, früh wieder viel im Erwerbsleben zu sein, nicht jede dieser Mütter ist deshalb gleich eine egoistische Karrierefrau.
Erwerbsarbeit und Familie gleichzeitig zu leben ist eine Herausforderung.
Oder wie Beate Meinl-Reisinger im Wahlkampf sagte :
„Ja, es ist immer eine Strudelei. Das geht doch allen so.“
Stimmt, diese ehrliche Botschaft ist ein wichtiger Schritt in der Vereinbarkeitsdebatte.
Bitte glaubt nicht, dass es leicht ist.
Bitte glaubt nicht, dass es einfach ist.
Wir können ALLES haben, aber ALLES GLEICHZEITIG ist schwierig.
Ehrlicherweise kann es nicht 100% Kind und 100% Karriere geben (so viel weiß ich noch von Mathe), zumindest nicht für eine Person und das ist für manche eine schmerzliche Botschaft. Verzichten, das hatten wir hier vor kurzem, ist kein Modethema unserer Gesellschaft. Die gute Nachricht ist jedoch: wir haben die Wahl und somit die Freiheit, uns nach unseren Prioriäten zu entscheiden. Jede Entscheidung FÜR etwas ist eine Entscheidung GEGEN etwas Anderes. Somit zahlt jeder und jede von uns auch einen Preis für das gewählte Modell. Und wenn man sich individuell und gut entschieden hat, zahlt man diesen Preis auch gern. Zumindest lieber als den „ANDEREN“.
Entscheidungen können getroffen, erprobt und erlebt werden und auch wieder geändert werden. Manchmal glaubt man, das Eine klappt, doch die Realität sieht anders aus und es braucht eine neue Lösung.
Kinder sind eine gemeinsame Verantwortung eines Paares. Egal, WER arbeiten geht, kann das nur tun, weil der zweite Partner die Verantwortung für die Kinder übernimmt, oder weil man gemeinsam entscheidet, die Kinder fremdbetreuen zu lassen.
Wenn man diese Haltung verinnerlicht, fällt es leichter, auf Augenhöhe zu diskutieren und dann ebenbürtige, mutige und individuelle Entscheidungen treffen zu können.
Wir Frauen brauchen starke Partner an unserer Seite, die Familienarbeit und Erwerbsarbeit gleichwürdig und gleichwertig sehen und mit uns zusammen eine Richtung finden und gehen wollen.
Und wir brauchen Kinder, die diesen Weg mitgehen können – und nicht mitgeschleift werden, weil es für sie eigentlich nicht passt. (Und Kinder brauchen jemanden, der DARAUF schaut!)
Das verlangt ganz schön viel Energie und Kraft, Ehrlichkeit und Reflexionsbereitschaft, Vertrauen und Zuversicht, Flexibilität und Hingabe und eine große Portion Optimismus.
Fragen wir also in Zuknuft lieber:
Wie geht es euch mit der Vereinbarkeit von Familie und Berufen?
Was gelingt euch schon gut?
Was wünscht ihr euch von der Gesellschaft an Unterstützung?
Apropos: was wünscht du dir von der Gesellschaft an Unterstützung?
Immer her damit in den Kommentaren …
Kommentar schreibenKommentare: 4
von Kerstin Bamminger | Sep. 26, 2019 | Allgemein, Leben, Selbstfürsorge
Reduktion. Verzicht. Weniger.
Keine Begriffe, die recht gut in unsere Zeit passen, denn wir leben in einer Gesellschaft in der es sexy ist, viel zu besitzen, reich zu werden, wo Stillstand als Rückschritt bezeichnet wird.
In diesem Beitrag gehe ich an den Rand meiner Comfort Zone und ein bisschen darüber hinaus. Wenn wir über Klimaschutz reden und was getan werden sollte, dann landet man zweifellos beim Thema Reduktion und welch mächtiger Hebel sie wäre. Welche Kraft in den reduzierten, einfachen Dingen steckt, das versuche ich, zu ergründen.
Wir nähern uns dem Ende der Klimastreikwoche und stehen vor einem globalen „Earth-strike“ am Freitag, initiiert von der #fridaysforfuture Bewegung, der wieder Millionen Menschen weltweit auf die Straßen rufen wird mit der Botschaft: wir müssen aufwachen! Der Klimanotstand ist bereits ausgerufen. Und dennoch gibt es noch viel zu tun und umzudenken.
Es gibt kein ewiges Wachstum. Wir leben auf einem begrenzten Planeten, mit begrenzten Ressourcen und verhalten uns immer noch, als gäbe es keine Klimakrise. Ja, wir haben schon einige kluge Lösungen. Mehr als wir oft glauben. Manche der derzeitigen Lösungen vermitteln allerdings den Eindruck, wir könnten uns mit Geld, neuer Technologie oder Steuern aus dem Thema raus kaufen. Das wäre die bequeme Lösung.
Doch selbst wenn alle Autos, die wir so in Mitteleuropa haben, mit E-Motoren ausgestattet werden, sind es noch immer zu viele Fahrzeuge.
Selbst, wenn alle Kleidung, die wir kaufen ökologisch und fair und bio ist, ist es noch immer zu viel Gewand, das wir kaufen.
Selbst wenn aller Strom, den wir verwenden Ökostrom ist, verbrauchen wir immer noch zu viel Strom.
Spätestens seit dem wir den „earth-overshoot-day“ kennen, wissen wir: wir leben über unsere Verhältnisse, was Ressourcen angeht.
Sechs Planeten! Autsch. Das ist eine extrem unbequeme Erkenntnis, denn: im Verzichten sind wir schlecht und noch mehr ungeübt. Zumindest viele von uns. Da nehme ich mich gar nicht aus.
Wir tun gern was für den Klimaschutz, doch auf die Flugreise im Sommer mit der Familie möchten wir nicht verzichten. Wir sind bereit den Stromverbrauch zu reduzieren, doch im Winter heizen wir unsere Wohnungen und laufen drinnen kurzärmelig herum, wie im Sommer. Wir nützen gern öffentliche Verkehrsmittel, aber wenn das Zugticket deutlich teurer ist, als die Autofahrt, steigen wir doch wieder lieber um.
Schon während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, wie es mir unwohl wird, weil mich diese Dinge genau so betreffen. Viel leichter fällt es uns, auf andere zu zeigen und zu sagen: Na, da sollen doch mal zuerst die vielen Berufsflieger einsparen, bevor ich auf meinen Urlaub verzichte. Die ÖBB sollen mal das Zugfahren preislich interessant machen, dann machen wir’s eh. Dass ich’s daheim ungemütlich hab, nur wegen dem höheren Stromverbrauch, kommt nicht in Frage.
Oder, wie man dann liest in Postings: So lange China so weitermacht mit dem CO2 Ausstoß können wir hier gar nix ändern.
Und so argumentieren wir und reden uns raus – die anderen bitte zuerst. Wir, was können wir hier (allein) schon ändern? Das sehen wir gar nicht ein.
Deshalb abwarten und Tee trinken ist keine Alternative. Wir brauchen einen Systemwandel und vor allem brauchen wir eine andere Haltung zu Veränderungen, die unser Lebensstil nötig hat.
Durch Reduktion, durch Verzicht kann auch etwas entstehen, dass wir in Wahrheit dringend brauchen. Wenn wir öfter mal zu Fuß gehen (oder mit dem Rad fahren) drosseln wir gleichzeitg das Lebenstempo, das uns ohnedies oft zu schaffen macht.
Wenn wir die Jeans mit Löchern (ja, ich weiß, das ist sowieso total „in“, aber nur, wenn die Löcher an den richtigen Stellen sind!) flicken, haben wir länger was davon und sparen Geld.
Wenn wir weniger Geld insgesamt ausgeben, brauchen wir weniger arbeiten und haben mehr Zeit – das kostbarste Gut überhaupt. Wenn wir weniger Spielzeug verschenken, sondern Zeit und gemeinsame Erlebnisse stärkt das Beziehungen . (Und mal ehrlich: wer hat nicht schon erlebt, dass Kochlöffel und Wäscheklammern und leere Dosen interessanter sein können als das neueste Playmobil.) Wenn wir Essensreste aufheben und verwerten, brauchen wir weniger kaufen oder können dann vielleicht öfter zu Bio-Ware greifen, was gesünder für uns ist. Wenn wir lernen, uns (anders) zu organisieren (Fahrgemeinschaft, Benützung von Werkzeug oder Gartengeräten, …) kommen wir ins Gespräch mit unserem Umfeld und bauen Netzwerke auf, die uns letztlich tragen. Wenn wir statt der Flugreise in den Zug steigen oder in Österreich urlauben, ist das mindestens genau so schön und erholsam – nur einfach anders schön!
Ja, wir brauchen Mut um diese Dinge zu wagen, um weniger wollen „gut“ zu finden.
Ja, wir brauchen Pioniergeist, wenn wir Dinge zum ersten Mal anders tun.
Ja, wir brauchen Kraft, wenn der innere Schweinehund schreit: „Das ist unbequem!“
Ja, wir brauchen Ausdauer, weil es Zeit braucht, bis wir Veränderungen annehmen können.
Ja, wir brauchen Geduld, wenn wir andere mitnehmen wollen, die noch nicht bereit sind aufzubrechen.
Ich bin überzeugt, dass wir die Fähigkeiten haben, gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten. Lassen wir uns unsere Ideen nicht kleinreden. Geben wir weiterhin jeden Tag unser Bestes. Gehen wir auf unsere Kritiker zu und versuchen wir, ihre Angst (vor Veränderung) zu verstehen. Lassen wir ihre Wut nicht in unsere Herzen, sondern bleiben wir mutig.
Für unsere Zukunft.
Für unsere Kinder.
Für diesen Planeten.
Und für uns selbst!
Bei welchem Teil des Textes war dir unwohl? Lass uns darüber reden!
von Kerstin Bamminger | Sep. 20, 2019 | Allgemein, Hilfreich, Leben
Gestern war der Auftakt zur Klimastreikwoche und diese Woche europäische Mobilitätswoche. Heut hab ich eine kurze Bilanz zum Thema Mobilität im ländlichen Raum und 7 kleine Ideen für den Klimaschutz für dich.
Das Thema geht uns alle an. Du kannst jeden Tag etwas tun, um das Klima zu schützen und damit deine eigene Zukunft und die Zukunft deiner Kinder. Es braucht jedeN EinzelneN. Gehen wir’s an!
Anfang der Woche hab ich ja im Rahmen der „3-Tage-autofrei“ Aktion der MIVA Austria meinen Autoschlüssel abgegeben.Die Aktion dient auch dazu, die eigenen Mobilität zu überdenken und reflektieren.
Man meine, es sollte möglich sein, zumindest drei Tage ohne den fahrbaren Untersatz auszukommen.
Dass das auf Dauer ein schwieriges Unterfangen ist (besonders im ländlichen Raum), ist mir klar, doch nachdem jeder einzelne Tag, jede einzelne vermiedene Fahrt zählt, war ich wieder dabei.
Ich hab mit dem Rad Einkaufsfahrten im Ort erledigt, bin zu Fuß (wie immer eigenltihc) mit dem Sohn zur Schule gegangen, hab für ihn Fahrgemeinschaften organisiert zum Fußballtraining und alle nicht notwendigen Fahrten einfach abgesagt. Das ist der leichte Teil der Übung.
Kniffelig wird’s meiner Erfahrung nach besonders, wenn man 1. abends Termine hat, für die es keine Mitfahrgelegenheit gibt und 2. man auf die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit der Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist.
Unsere Töchter fahren schon länger sehr fleißig alles mit dem Bus, was möglich ist. Wenn aber drei Busse bis Wels benötigt werden, einer (der ein Anschlussbus sein hätte sollen) acht Minuten verspätet kommt und einer gar nicht auftaucht, wird es zach.
So hab ich meinen Zweitschlüssel am Dienstag zwei mal aktivieren müssen und hab sie eine kurze Strecke chauffiert, um eine noch längere zu vermeiden.
Unmöglich wird der Spaß dann, wenn man am frühen Abend einen Bus in die Heimat sucht – außer man lässt das 14-jährige Kind zweieinhalb Stunden in der Dunkelheit allein durch Wels spazieren und dann um 22.30 Uhr den letzten Bus nehmen. Also: nicht möglich, zumindest für mich.
Es braucht dringend einen Ausbau UND vor allem: eine verlässliches Funktionieren der öffentlichen Verkehrswege! Es bringt gar nichts, wenn Busse einem gerade einfahrendem Zug vor der Nase wegfahren oder verspätet kommen und nicht wissen, wie die Anschlussbusse oder Züge getaktet sind. Da hat einer die Idee, der andere geht ihn nichts an. SO wird das nix mit dem Verzicht aufs Auto. Ich werde meine Erfahrungen auch bei den OÖVV bekannt geben und Verbesserungen einfordern und ich motiviere dich dazu, dasselbe zu tun, wenn es dich betrifft. Wenn wir VIELE sind, wird sich auch was bewegen.
7 kleine Ideen für deinen ALLTAG
Ich hab hier 7 kleine Ideen, die ich selbst bereits alle umgesetzt habe – sprich, sie sind praxiserprobt – die alle das Klima schonen und für eine nachhaltigere Zukunft sorgen.
WASSER – oh du liebes Leitungswasser.
Kennst du die Freude nach dem Urlaub, wenn du endlich wieder das gute, wunderbar frische Leitungswasser von daheim hast. Leitungswasser trinken ist günstig, braucht KEINE Verpackung (Trinkflaschen haben wir ja alle ;-)!) und ist außerdem gesund. Ich hab anfangs auch noch öfter mal „was mit Geschmack“ dazwischen getrunken, mittlerweile ist mir das Wasser das allerliebste. (Okay, und dann noch ab und zu ein Achtel Wein. Oder zwei.) Einfach und effektiv aber ALLEMAL!
GETRÄNKE – Sodastream & Mehrweggebinde.
Wenn’s schon nicht das Leitungswasser sein kann, dann bitte keine Plastikflaschen. Sodastream ist eine super Möglichkeit für alle, die es gern prickelnd mögen und man kann auch Geschmacksrichtungen dazumischen (die leider auch in Plastikflaschen sind, aber wesentlich weniger Verpackungsmüll ausmachen). Wer bei den Originalen bleiben mag, der bekommt fast alles in Getränkemärkten in kleinen und daher viel praktischeren Glasflaschen, die alle Mehrweggebinde sind.
Ja, das ist mehr Schlepperei.
Ja, das ist mehr Organisationsaufwand.
Und, JA: für weniger Müll mach ich das gern! (Oder mein Mann – danke dir 😉 …!)
HYGIENE – Check dir deine Menstruationstasse.
Als mich meine Schwester vor ein paar Jahren auf die Idee brachte, dachte ich zuerst: um Gottes Willen, sicher nicht, das ist ja eklig. Nun bin ich begeisterte Nutzerin einer Menstasse und empfehle sie aus vielerlei Gründen! 11.000 Tampons, Binden, etc. die 500 Jahre (!!) nicht verrotten, können eingespart werden – PRO PERSON! Dazu kommt die praktische Handhabung, keine Haut- und Milieuirritationen, einfach sterilisieren nach der Periode … und fertig. Lebensverändernd. Für mich jedenfalls.
Ich hab eine von ORGANICUP … da gibt’s noch mehr Infos zum Thema.
WASCHEN – Seife ist zum Waschen da.
Ja – und obwohl ich Flüssigseife immer gern mochte – es ist ein einfacher Weg, Plastik im Haushalt zu reduzieren, auf die Spenderflaschen und Nachfüllpackungen zu verzichten und gegen Seifenblöcke zu tauschen. Da gibt’s auch ganz viele tolle kleine Unternehmen, die Seifen herstellen und man kann sie auch glaub ich selbst recht leicht machen. Derweil kaufe ich gern hier und da die Seife, die wir brauchen. Als Urlaubsmitbringsel sind sie auch noch eine schöne Erinnerung beim täglichen Händewaschen!
ESSEN – ein veganer Tag pro Woche.
Zugegeben: ich mag Fleisch. Das liegt vielleicht an meinen Genen (Papa stammt aus einer Fleischerfamilie) und was ich gewohnt bin, doch auch jetzt schmeckt mir ein Kotelett vom Grill oder mal ein Schnitzel. Ich verzichte immer öfter auf Fleisch, weil ich weiß, dass das einen massiven Impact auf den CO2 Ausstoß hat und wenn ich schon Fleisch kaufe, dann nur in der Fleischbank meines Vertrauens (ja klar, die Familie ;-). Ein veganes Mittagessen pro Woche ist nicht nur eine kleine Herausforderung, sondern auch Abwechslung und gesund, dabei kaufe ich aber keine veganen Würsten oder so, sondern halte es recht einfach. Gemüse und Salat mit irgendeiner sättigenden Beilage (Erdäpfel, Reis,…). Basta. Vegetarisch geht leichter und öfter. Fleisch genießen wir gern, und seltener.
EINKAUFEN – bring your own Gschirr.
Bei der Feinkost sind sie gewappnet! Es ist neuerdings und Gott sein Dank wieder erlaubt, das eigene Behältnis (=Gschirr) mit zu bringen und deinen Einkauf direkt in eine Dose legen zu lassen. Das geht nicht nur beim Ausräumen daheim voll schnell, sondern spart jedenfalls Müll und ist praktisch. Dass ich mit meinen vielen „privaten“ Behältern und Obstsackerln die Kassiererin manchmal zur Verzweiflung bringe, halte ich aus. Jeder darf ein bisschen leiden müssen. So ist das eben.
GESCHENKE – sinnvoll schenken und verpacken.
Obwohl ich mich von Anfang an bemüht hab unsere drei Kids nicht mit Geschenken zu überhäufen, sitzen wir dennoch jetzt auf einem Berg von Spielsachen – ich könnt glatt eine kleine Spielwarenabteilung eröffnen. Gerne schenken wir allerdings gut erhaltene und nicht mehr geliebte Objekte weiter (und geben dafür ein bisschen mehr ins Sparschwein des beschenkten Kindes) und garantieren so die nachhaltige Nutzung von Spielwaren. Da lohnt es sich doppelt, in Holzspielzeug und hochwertige Spiele investiert zu haben, denn die sind halt langlebiger als laut piepsendes Plastik-Irgendwas aus China. Verpacken: geht immer in Zeitungspapier oder zumindest Packpapier, das nicht auch noch aufwändig bedruckt wurde. Eine tolle Alternative, die ich zu Weihnachten testen werde: STOFFE! Gerade zu Weihnachten ist der Verpackungsmüll oft überwältigend. Ich stelle mir schon vor, wie das wird, den Stoff fein säuberlich zusammenzulegen und für das nächste Fest aufzuheben. Was für eine Wohltat.
Natürlich ist das nur ein kleiner Auszug. Es gibt noch so viel mehr Möglichkeiten zu handeln, aktiv zu werden, Gewohnheiten zu überdenken und sich und sein Leben nachhaltiger zu gestalten.
Welche Idee hast du schon umgesetzt? Oder hast es zumindest vor?
Stecken wir uns gegenseitig an, lassen wir uns wissen:
WIR SIND VIELE und WIR KÖNNEN ETWAS TUN!
Kommentar schreibenKommentare: 4
Neueste Kommentare