Ein Perspektivenwechsel auf Weihnachten. Das war das vorgegebene Thema der Adventfeier der Abteilung BEZIEHUNGleben, die ich heuer gestaltet hab. Wie kann man den eigenen Blick verändern? Wie kann man „mal was Anderes“ in den Dingen sehen? Ich hab mich auf die Suche gemacht und gleich mal zu Beginn die 11 Buchstaben vom Fest der Liebe auseinandergeschnipselt und dann mit eigenen Gedanken wieder zusammengefügt.. Buchstabenküche eben. Lass dich überraschen, was mir dazu eingefallen ist. Denn: das Fest der Liebe, Weihnachten und auch schon die Zeit davor waren – genau genommen – noch nie pure Idylle, Ruhe und Freundlichkeit. Es ist und war schon immer: VIEL MEHR.
WIE ZACH
Wie „zach“, wie mühsam kann Weihnachten sein. So viele Dinge zu Tun, Termine abzuklappern, Leute zu treffen, so viel Essen, so viel Trinken. Das beginnt schon in der Vorbereitung. Obwohl wir schon etwas erschöpft sind von einem arbeitsintensiven Herbst verlangt uns der Advent nochmal alles ab, fordert uns heraus, an allen Ecken lauert die Versuchung, doch noch etwas zu kaufen, doch noch etwas Nettes zu unternehmen, doch noch ein „sehen wir uns noch vor Weihnachten“ …. – als würde die Welt sich danach nicht weiterdrehen.
Wie zach war es auch damals, für Josef und die hochschwangere Maria. Eine weite und unbequeme Reise zu machen, kein Quartier zu finden, erschöpft und müde zu sein. Wie zach waren die vielen Zurückweisungen und wie groß war wohl ihre Not im Angesicht der bevorstehenden Geburt ihres Kindes, das „nicht mal“ ihr gemeinsames war. Es wird oft verniedlicht, mit idyllischen Bildern übermalt, dabei war es ganz schön hart, kalt und schonungslos, dieses Weihnachten.
NICHT EHE
Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe die Wohnung klinisch sauber ist. Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir Geschenke in Hülle und Fülle besorgt haben. Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe alle Zutaten für den Festschmaus gekauft sind. Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir uns ein fröhliches Gesicht aufgesetzt haben. Weihnachten soll’s werden, aber nicht ehe wir in den neuen Fast Fashion Teilen funkeln. Weihnachten war damals … nicht einmal eine Wohnung zu haben, von Geschenken ganz zu schweigen – ein Stall musste gut genug sein, und ich glaube, auch Maria hätte sich – selbst vor über 2000 Jahren – einen anderen Ort lieber gewünscht. Da war kein Bett oder fließendes Wasser, da war kein Essen vorbereitet, es war vielleicht nicht mal Irgendwas da, für eine Familie – für eine Frau nach einer anstrengenden Geburt und ganz bestimmt, war den beiden nicht zum Lachen zumute. Das Wunder geschah trotzdem.
WENN ICH
Wenn ich Zeit hätte, würde ich selber die Kekse backen. Wenn ich keine Geschenke kaufen müsste, wär’s einfacher. Wenn ich ruhigere Kinder hätte, würde ich mit ihnen auch mal in die Kirche gehen. Wenn ich einen anderen Partner*in hätte, wäre ich glücklicher. Wenn ich eine größere Wohnung hätte, würde Weihnachten schöner sein.
Wir sind manchmal der Meinung, verschiedenste Dinge im Außen müssten sich erst ändern, damit es besser wird, oder Weihnachten nicht mehr so stressig, wir endlich weniger unter Druck oder Zugzwang stehen. Ja, manchmal macht es Sinn, etwas anzugehen, zu verändern und verbessern, weil es UNS entspricht. Doch manchmal ist ebenso empfehlenswert, das Leben so zu nehmen wie es ist. Die Kekse ruhigen Gewissens zu kaufen, oder sich ruhigen Gewissens die Zeit zum Selberbacken nehmen. Den Konsum auf ein passendes Maß zu reduzieren oder mit den quirligen Kindern den Gottesdienst aufmischen. Den Partner / die Partnerin mit seinen Eigenheiten akzeptieren und sich dafür entscheiden, glücklich zu sein, auch wenn wir nicht perfekt sind – so wie unser Gegenüber. Das schätzen, was man hat, anstatt immer nach dem zu lechzen, was fehlt.
WEIT & NAH
So weit weg uns das Ereignis in Betlehem auch zeitlich vorkommt – in vielerlei Hinsicht ist es uns nah, näher als wir denken. Weihnachten war damals schon eine angespannte Situation. Weihnachten war damals schon irgendwie verrückt. Weihnachten war damals schon mit vielen unerfüllten Erwartungen verbunden. Weihnachten war damals schon eine harte Tour.
Also gehört das vielleicht genau so dazu: das „Gestresst-sein“, das „Sich-unter-Druck-fühlen“, die Idee, es nicht rechtzeitig zu schaffen. Vielleicht kommt uns Gott auch oder genau in diesem Gefühl nah und will uns damit zeigen: so muss es Maria und Josef ergangen sein. Auch das ist Weihnachten.
WEICH
Was passiert, wenn so ein Wunder geschieht wie damals? Was braucht es, damit Weihnachten wahr wird? Wir dürfen WEICH werden. Das ist in unserer Gesellschaft nicht besonders gefragt, es zählt Leistung, Arbeit, Zeit und Geld. Es zählen Ergebnisse, Daten und Fakten – „so ist das eben in der Realität“ bekommt man dann gesagt.
Ich bleibe dabei: Weihnachten konnte es nur werden, weil Maria sich trotz der widrigen Umstände, der Zurückweisungen und menschlichen Härte … weich gemacht hat. Eine Geburt verlangt Hingebung, Vertrauen und die Zuversicht, dass es gut wird – obwohl man das Ergebnis nicht kennt. Hier hilft kein Verstand, keine Berechnung, keine Vernunft – eine Geburt ist die Aufgabe des Egos für neues Leben. Das kann auch schmerzhaft sein. Doch wir gewinnen unermesslich viel in diesem Prozess des „WEICH“-werdens…. wir kommen vom Denken ins Fühlen, vom Kontrollieren ins Geschehen lassen, vom Bestimmen zum Annehmen. Dieses Geschenk verbirgt sich in „Weihnachten“.
ECHT. Echt? In ECHT …
Alle Menschen sind glücklich und zufrieden, trinken Tee und essen Kekse, sitzen idyllisch um den Adventkranz und leben friedlich und erfüllt zusammen. Diese Bilder werden in unseren Köpfen kreiert, sollen uns anregen zum Konsum (wenn wir diesen Tee haben, sind wir entspannt!) und setzen uns ganz subtil unter Druck, denn es sieht auch noch so leicht aus.
Nicht mal in Werbespots ist es leicht, obwohl die Situation dort gestellt ist – man denke an die Maskenbildner, Stylisten und Belichtungsprofis, die zig Takes, die es braucht, bis alles im Kasten ist und dann …. erwarten wir, dass uns das „einfach so“ im Alltag gelingt?
In ECHT ist zufrieden sein ein ganzes Stück Arbeit, es erfordert Achtsamkeit, Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich von gesellschaftlichen Trends zu distanzieren, höher, schneller, weiter und mehr zu wollen.
In ECHT ist eine familiäre Idylle ein ganzes Stück Arbeit, erfordert Zeitmanagement und Offenheit, das Bewusstsein, dass Bedürfnisse unterschiedlichst sind und die Erkenntnis, dass nicht immer alle erfüllt werden können. Aber den meisten soll es meistens gut gehen.
In ECHT dürfen wir selbst entscheiden, was wir brauchen und was nicht und können durch unser weniger-tun und weniger-leisten einen stillen Protest gegen die Leistungsgesellschaft zeigen. Wenig zu brauchen ist ein Luxus, den sich nicht jeder leisten kann und zu dem man sich – im Angesicht des Überflusses – auch ein bisschen überwinden darf.
In ECHT fiel es Maria und Josef sicher auch nicht sonderlich leicht, sich in einem dreckigen Stall zu schützen, sie fanden es bestimmt ungerecht, abgewiesen zu werden und vielleicht machten sie sich sogar Vorwürfe, nicht eher losgegangen zu sein um noch ein Quartier zu erwischen.
WACH
Weihnachten ist eine Herausforderung. Eine Herausforderung, WACH zu sein und WACH zu bleiben. Unsere Sinne zu schärfen und die kleinen Dinge des Lebens wach und achtsam wahrzunehmen, sie zu würdigen und dankbar zu sein. Weihnachten ist eine Chance, unsere Werte und Prioritäten zu überprüfen und zu hinterfragen und uns gegebenenfalls neu auszurichten, eine gesündere Richtung einzuschlagen, eine weiche, echte. Weihnachten soll uns wach machen, aufwecken, aus dem Alltagstrott reißen, uns ermuntern zum Suchen, zum Aufbrechen, zum Mensch werden und zu vertrauen, dass Gott über uns WACHT.
So wie über die Hirten damals, die wach waren oder geweckt wurden, die losgingen unter seinem Stern, die ihren Sinnen getraut haben und ihrem Gefühl gefolgt sind, ohne Erwartung aber mit viel Hoffnung im Herzen – hin zum Kind in der Krippe.
Wie wir es auch drehen und wenden. Weihnachten ist Viel und für kann für jeden und jede etwas Anderes sein. Die inneren Bilder, die wir zu diesem Fest haben und unsere Erwartungen bedürfen immer wieder mal einer Überprüfung.
Ist das mein Weihnachten, oder eine von außen hoch gehängte Latte?
Ist das mein Weihnachten, oder eine veraltete Vorstellung eines Festes, von der ich mich lösen möchte?
Ist das mein Weihnachten, oder versuche ich es eher anderen Menschen recht zu machen?
Wenn wir es schaffen, dieses Fest und diese Zeit als das zu sehen, was es ist: nämlich die Menschwerdung Gottes, ist schnell klar: da MUSS alles drin sein, was das Leben zu bieten hat, ALLE Facetten, nicht nur die schön glitzernden, sondern auch die dunklen, die unsere Schattenseiten zeigen, die uns unangenehm sind, an denen wir aber auch wachsen können, uns entwicklen und lernen, jeden Tag noch ein Stückchen menschlicher zu sein
… dann wird aus Weihnachten –
MEINACHTEN!
Du hast noch andere Wörter in den 11 Buchstaben gefunden, die auch zu Weihnachten passen? Lass uns die Idee gemeinsam weiterspinnen …. gern in den Kommentaren!
Mütter übernehmen, wenn Familien gegründet werden, oft automatisch und selbstverständlich die Erledigung vieler Haushaltsaufgaben wie kochen, waschen, putzen, einkaufen, aufräumen und so weiter. Im besten Fall werden sie von ihren Partnern ebenbürtig unterstützt, doch Kinder können sich ja als Babies nicht selbst um ihre Wäsche kümmern, aufräumen oder sauber machen. Also geht es gar nicht anders, als das wir Erwachsenen diese Dinge übernehmen.
Bis die ersten Partizipationsversuche der Kinder in Punkto Hausarbeit spruchreif werden, vergehen also ein paar Monate, wenn nicht Jahre. Eine Zeit, in der wir uns gut einüben in Abläufe, Aufteilung von Tätigkeiten und Routinen und es für uns selbstverständlich wird, eine Familie wie ein kleines Hotel zu organisieren. Manchmal Roomservice und Spezialwünsche inklusive, denn den geliebten Gästen soll es ja gut gehen und bei uns gefallen.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass – wenn die „Gäste“ älter werden – Änderungen in der Hausorganisation auf Widerstand stoßen oder selbst den bisher so engagierten Hoteliers ungewohnt erscheinen. Sensible Störung der Kreise. So nennen wir das in der Beratersprache. Dass wir dadurch ein wenig aus der Bahn kommen, gehört dazu und dass es zunächst ein wenig mehr holpert, wenn wir neue Wege gehen, auch.
In Familien ist die Aufteilung von Hausarbeit oft ein Konfliktpunkt mit potenzieller Sprengkraft. Nicht zuletzt deshalb, weil es immer wieder Anpassungen braucht, um eine altersgemäße und gerechte Verteilung von Aufgaben gewährleisten zu können. Wer also nicht als Hotelpage, Butler oder Zimmermädchen verenden will, legt sich besser rechtzeitig ein paar Strategien zurecht, wie die Haltung einer „Wohngemeinschaft“ früh durchsickern kann und der angeborene Antrieb zum Mitmachen und sich Einbringen (ja, ich glaub tatsächlich, dass es sowas gibt) gut genützt wird.
Strategie 1: Sag niemals „nein“
Wenn Kinder kommen und eine Aufgabe übernehmen wollen „Mama, darf ich bügeln?“ … sag niemals „nein!“ Ich bin überzeugt, dass es bei jedem Kind, wenn es den Wunsch äußern kann, zumindest eine Teilkompetenz gibt, diese Aufgabe zu erledigen. Also, sag: „JA!“ Natürlich würd ich nicht das teuerste Hemd des Göttergatten als Probierstück zur Verfügung stellen, aber ein Geschirrtuch oder ein einfaches Leiberl sollte möglich sein. Sag dem Kind: „Ich glaub, diesen Teil schaffst du. Bei diesem / jenem Teil kann ich dir helfen, wenn du magst.“
Natürlich ist das anfangs nicht wirklich eine große Hilfe – im Gegenteil. Es dauert länger, ist mühsam und beim Erlernen passieren auch Fehler. Wenn wir aber 10 Jahre lange immer sagen: „Das kannst du noch nicht, dafür bist du zu klein“ wird es eher schwierig, den Prinzen oder die Prinzessin nach so langer Zeit plötzlich vom Thron in die Waschküche zu motivieren. Also: nützt die Begeisterung am Anfang!
Strategie 2: Zumuten & Vertrauen
„Aber die können doch nicht Kloputzen!“ – „Wie’s da ausschaut, wenn die abwaschen!“ … solche Sätze wälzen wohl viele Mütter und Väter im Kopf, vielleicht bestärkt von vorherigen Generationen. Tatsache ist, dass auch Kinder erst lernen dürfen, wie die Dinge gemacht werden – das heißt sie brauchen Beispiel und Anleitung. Und genau das sollten wir unseren Kindern nicht nur zumuten, sondern auch zutrauen. Dass sie es können, wenn sie sich bemühen und dass sie es dürfen, weil wir sie lassen. Zumuten heißt, sie MUTIG sein lassen. Vertrauen heißt, das BESTE in ihnen zu sehen und sie WACHSEN lassen an den Aufgaben. Auch kleine Kinder können ein Teller in den Geschirrspüler einräumen, viele Aufgaben können auch spielerisch verpackt werden (Sockenmemory) und in dramatischen Fällen hilft uns auch gute, laute Musik.
Strategie 3: Do it your way
„Wie die die Wäsche aufhängen, da mach ich es lieber selbst!“ … ja. Dieser Satz ist von mir. Und bei manchen Dingen ist es auch gut und wichtig, dass wir die Kids „anlernen“, denn es ist kein instinktives oder angeborenes Verhalten, wenn geputzt oder Wäsche aufgehängt wird. Es ist gelerntes Verhalten. Denk doch mal daran, wie du selbst die Wäsche faltest und wie es jemand anderes vielleicht tut. Genau – es gibt Unterschiede.
Und hier sind wir beim Punkt: es ist auch immer wieder notwendig, die Mitbewohner Tätigkeiten auf ihre Weise tun zu lassen. Wenn jeder gute Versuch im Keim erstick wird, braucht man sich nicht über mangelndes Engagement zu beklagen. „Möchtest du sehen, wie ich das mache?“ „Weißt du, warum ich die Wäsche vor dem Aufhängen gut ausschüttle?“ … erklären und verständlich machen ist gut. Wenn sie trotzdem manchmal ihren eigenen Weg gehen: der Wille zählt fürs Werk.
Strategie 4: Sichtbar machen
Ich weiß von Frauen, die die Hausarbeit möglichst in Abwesenheit der Kinder zu erledigen versuchen. Das hat Vorteile, ja – weil man teilweise schneller und effizienter ist – doch dabei geht verloren, dass die Kinder miterleben, wie viel Arbeit dahinter steckt. Vielleicht sind es ja doch Heinzelmännchen oder sonstige zauberhafte Wesen, die diese Arbeit erledigen. Wenn man’s nicht sieht, kann man’s nicht (mit Sicherheit) wissen!
Also: nimm die Kinder mit, lass sie dabei sein, lass sie zusehen und sie werden ein anderes Bewusstsein, eine andere Wertschätzung und eine andere Motivation bekommen, sich bei der Arbeit zu beteiligen. Auch möglich (und super gut für Selbstzufriedenheit): eine Liste anlegen, auf der man notiert, was heute schon erledigt wurde. Sichtbar für alle aufhängen und dazu gleich, was es noch zu tun gibt, denn: nein – sie sehen die Arbeit meistens nicht „von selbst“. Wenn ich allerdings auf einer Liste nachlesen kann, was ich übernehmen könnte, ist es einfacher, sich einzubringen. Setzt voraus, dass das Kind sinnerfassend lesen kann (PISA lässt grüßen) oder du alternativ mit entsprechendem Zeichentalent gesegnet bist. 😉
Strategie 5: die Haltung!
„Wir sind eine Familie, ein Team! Wir leben hier zusammen und jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass es hier angenehm ist. Kannst du bitte ……. übernehmen!“ Es braucht die Überzeugung, dass die Arbeit im Haushalt eben nicht natürlicher Weise den Frauen überlassen wird und diese wie Kellnerinnen und Dienstmädchen den ganzen Tag durch die Bude hetzen. Es braucht eine WohnGemeinschafts-Mentalität – jeder wohnt hier, also trägt auch jeder etwas dazu bei. In einer WG werden auch Tätigkeiten verteilt, Verhandlungen geführt und einer darf sich auf den anderen verlassen – auch da geht’s oft nicht reibungslos und das muss auch gar nicht so sein.
Es braucht nicht immer lustig sein – das ist es uns auch nicht. Dennoch ist es zumutbar und möglich. Niemand – auch nicht die Kinder – haben was von überlasteten und überstrapazierten Eltern, die sich zu sehr aufopfern, wo es nicht mehr notwendig wäre. Der Wille, Aufgaben auszuhandeln und die Kinder auch in die Verantwortung zu nehmen kann ein Gewinn für alle Beteiligten sein, auch wenn es zunächst mühsam erscheint. Wir leben dadurch auch Ebenbürtigkeit, Partnerschaftlichkeit und Respekt, wenn wir darauf achten, wie wir uns als Gemeinschaft organisieren. Daran sollten wir uns in zähen Verhandlungsrunden immer bewusst sein. Welche Idee möchtest du umsetzen oder hast du schon umgesetzt? Berichte!!!! Ich bin neugierig, wie es anderen Familien dabei geht …
#1Monica (Freitag, 06 Dezember 2019 12:16)Liebe Kerstin, damit trifft du wiedermal den Nagel auf den Kopf! Ja, ich habe mich und auch meinen Mann in so manche deiner Beschreibungen wiedergefunden. Ja, wir hätten auch gerne mehr Zeit miteinander und weniger „durch die Bude hetzen“. Ja, wir haben schon öfter versucht, die Kinder mit einzubeziehen. Mit mehr oder (viel öfter) weniger Erfolg. Ja, wir werden es weiterhin machen (nicht nur versuchen), denn die Ansprüche (auch die der Kinder) werden nicht kleiner. Ja, ich bedanke mich herzlich bei dir für die Tipps. Ja, es hilft (auch wenn nicht logisch), einen Einblick zu bekommen, wie es in andere Familien klappt oder auch nicht �. Denn wir sind nur Menschen, und es tut gut sich bewusst zu werden oder zu lesen, dass man nicht perfekt sein muss und dass es anderen auch so geht. Liebe Kerstin, ich wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung vom WG-Plan und auch viel Humor, denn ohne ist man verloren�. Ganz liebe Grüße, Monica
#2Kerstin (Dienstag, 10 Dezember 2019 12:29)Liebe Monika, danke für deine Gedanken! DU hast so recht: OHNE HUMOR geht’s einfach gar nicht … oder zumindest ist er oft die Rettung in der Not! Liebe Grüße, Kerstin
Der Advent steht vor der Tür und wir gehen mit großen (und meist schnellen) Schritten auf Weihnachten zu. Wenn jemand sagt, dass ist die „stillste Zeit im Jahr“ bekomme ich fast Gesichtsentgleisungen, weil es sich für mich und manch andere schon lang nicht mehr so anfühlt. Advent war doch ursprünglich mal anders gedacht, von irgendwoher muss dieser Spruch doch kommen. Warum wir die Türen am Adventskalender eher einrennen als vorsichtig öffnen und welche Schlüssel vielleicht hilfreich sein können, um sich der „alten“ Idee anzunähern, darum geht’s diesmal im Beitrag.
Als mir kürzlich am Telefon der Verkäufer eines großen und namhaften Frauenmagazins ein Abo einreden wollte, sagte er – sehr bemüht, aber leider zur falschen Person, nämlich mir – „… es kommt doch der Advent, die gemütlichste Zeit im Jahr, …. was macht man denn so die ganze Zeit, da braucht man doch eine gute Zeitschrift, mit der man sich einkuscheln kann, gemütlich …. “
Recht viel länger hab ich ihm nicht zugehört und ihm lachender Weise erklärt, dass er leider überhaupt keine Ahnung von dem hat, was im Dezember hier teilweise abgeht. Ich glaub, ich hab ihn schmunzeln gehört, doch gleich war er nicht abzubringen. (Ein jedenfalls ambitionierter Verkäufer!) Erst als ich ihm eindeutig gesagt hab, er soll bitte seine Zeit nicht länger mit mir verschwenden, verabschiedeten wir uns freundlich.
Ich brauche nicht noch eine Ablenkung. Ich brauche nicht noch mehr Bilder, wie „Weihnachten“ auszusehen hat in punkto Deko, Klamotten, Make-up und Geschenken. Ich brauche auch kein Hochglanzheft, aus dem mich von jeder zweiten Seite Werbung anschreit. Ich brauche keine Anregungen zu noch mehr Konsum.
Doch was brauche ich?
Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn uns alles ZU VIEL ist, dann brauchen wir WENIGER.
Wir brauchen das Fokussieren auf den Moment, wir brauchen echten Genuss, wir brauchen das Gefühl genug zu haben und gut genug zu sein, ohne allfälligen (von Außen vorgegebenen) Maßstäben zu entsprechen. Dann kann sich die Tür zu einem entspannten Fest langsam öffnen.
Hier also sieben Schlüssel, die vielleicht auch für dich passen können, wenn du dir Weihnachten nicht als Konsumrausch mit Volksfestcharakter wünschst. Ideen, die dir helfen, in den Moment zu kommen und bewusst Dinge anders zu machen als sonst immer. Möglichkeiten, die alle deine Sinne ansprechen und einfach umzusetzen sind.
Schlüssel 1: Kerzenlicht für deine AUGEN
Um die Dunkelheit ertäglicher zu machen, wird alles beleuchtet, was geht. Manchmal ist das stilvoll, beruhigend und idyllisch – manchmal aber grell, blinkend und bunt.
Einmal am Tag eine Kerze anzünden, am liebsten bei Tisch, wenn sich die Familie versammelt. Dann schau in das ruhige Flackern und lass dich faszinieren, von dem was du siehst. Für mich gibt es kaum etwas beruhigenderes als einer Kerze beim Brennen zuzusehen. Es sorgt einfach und sicher für eine entspanntere Atmoshpäre.
Schlüssel 2: Stille und Musik für deine OHREN
Dauerbeschallung ist besonders in dieser Zeit eine Unsitte geworden. Aus dem Radio dröhnt nicht nur besinnliche Weihnachtsmusik, viel mehr (nach meinem Gefühl) Werbung über Werbung gespickt mit den neuesten Unglücksmeldungen.
Achte bewusst darauf, öfter die Stille zu hören und nicht jede Sekunde mit akustischen Reizen zu zu müllen. Da ich aber Musik liebe und sie auch so viele Emotionen transportiert, die halt einfach für mich zum Advent dazugehören, wähle gezielt und bewusst aus, WAS du anhörst, genieße die Musik und lass alles Überflüssige weg. Selbst musizieren ist, wer’s kann, sowieso das Beste.
Schlüssel 3: Genuss nach deinem GESCHMACK
Nicht nur Weihnachtsessen haben tendenziell einen Hang zur Völlerei, sondern auch schon die Adventszeit. Kekse hier, Glühwein dort, Weihnachtsfeierbuffets, Bratwürstl, Raclettebrote, … es gibt so viele leckere Sachen, die an jeder Ecke auf uns warten. Oft verhalten wir uns so, dass wir dann mehr essen, weil es so gut schmeckt, dabei kann Genuss auch – und vielleicht noch besser – erlebt werden, wenn wir vor allem eins tun: langsam essen, bewusst schmecken und sich wenn möglich nicht dabei ablenken lassen. Gute Gespräche mit echten Menschen gegenüber mal ausgenommen ;-).
Schlüssel 4: Berührung geht unter die HAUT
Viele der Berührungen, die wir täglich geben oder empfangen sind standardisiert. Die Verabschiedung am Morgen, der Gute-Nacht-Kuss, der Händedruck beim Begrüßen … – lenke doch deine Aufmerksamkeit mal ganz bewusst zu deinen Händen und spüre, welche Signale von dort gesendet werden: wie warm sind die Hände, wie weich die Haut, wie fest die Umarmung, wie energisch die Geste. Und schenke dir selbst und jemand anderem einmal am Tag eine zärtliche Berührung.
Schlüssel 5: Ich kann es schon RIECHEN
Düfte beflüglen unsere Erinnerungen und wir wollen verschiedene Gerüche bei verschiedenen Momenten dabei haben. Eine Spritzkerze, Lebkuchenduft, Tannengrün – was auch immer es ist, was du genießt, gönne es dir. Und wenn es dir stinkt (weil du zuviele Gerüche auf einmal wahrnimmst, was auf Weihnachtsmärkten der Fall sein KÖNNTE), dann achte darauf nachher wieder klare, frische Luft durch deine Nase strömen zu lassen und versuche auch das „NICHTS“ riechen zu können.
Schlüssel 6: Was für’s HERZ
Das Fest der Liebe ist zu einem Konsumrausch verkommen, doch die wenigsten Geschenke berühren unser Herz tatsächlich, erfreuen uns aufrichtig – weil die meisten von uns hier ohnehin alles haben, was wir für ein zufriedenes Leben brauchen.
Setz doch mal statt auf Zeug auf Zuwendung: finde ein wertschätzendes Wort (oder mehrere) für jede Person in deiner Familie. Bei uns gibt’s heuer einen Wertschätzungs-Adventkalender (inspiriert von @diekleinebotin). Da unsere Kids alle schreiben können, schreibt jeder für jeden 6 Zettelchen. So geht es sich aus, dass jeder von uns 5 jeden Tag von einem aus der Familie eine Notiz bekommt, wo etwas Nettes draufsteht. Man kann das natürlich auch ohne Zettel machen – beim WIE gibt’s viele Möglichkeiten. (Was Süßes bekommen sie – nach panischem Anfall des Kindes – auch, aber nicht im Kalender: denn das war ohnehin immer zuviel des Guten).
Schlüssel 7: Es (kaum noch) ERWARTEN können
Die Anspannung vor dem Fest steigt (nicht nur bei den Kindern) oft ins Unermessliche – bis es kaum mehr auszuhalten ist. Hohe Erwartungen sind eine super Garantie, dass man hinterher wegen irgendetwas enttäuscht ist.
Schraub deine Ansprüche runter. Mal nicht perfekt putzen, einen mangelhaften Baum kaufen (das machen wir schon seit einigen Jahren – dann passt er besser zu uns als Familie ;-)!), Geschenke in Zeitungspapier einwickeln, weniger Geld ausgeben, spenden statt schenken …. . Nicht alle Energie auf den einen Tag konzentrieren und statt auf ein Event hin zu rasen … Weihnachten zu dir kommen lassen.
Vielleicht öffnet sich ja dann, ganz leise … eine Tür … zu einem Raum, wo wir uns als Menschen begegnen können.
Wo wir fühlen können, riechen, hören, schmecken und sehen: es ist gut, so wie es ist. Gut genug.
Welchen Schlüssel benützt du, um den Advent zu genießen?!
Kinder haben Rechte. Diese Botschaft ist glücklicherweise in unseren Breiten nicht (ganz) neu. Das Bild des Kindes hat sich in den letzten Generationen gegenüber früher deutlich verändert und dennoch: wer kennt alle 54 Artikel genau, oder auch nur die ersten 41, die die Rechte der Kinder betreffen? Na, eben. Zeit also, dem Thema ein paar Zeilen zu widmen, besonders, weil die UNICEF diese Woche (am 20. November) das 30jährige Jubiläum der Kinderrechtskonvention feierte. Und immer noch feiern, glaub ich.
Und, weil Eltern heutzutage diese Rechte auch manchmal missverstehen und mit Dingen verwechseln, die uns die Wohlstands- und Konsumgesellschaft uns vorgibt. Das erkenne ich vor allem, wenn in Beratungen oder Workshops Eltern davon sprechen, was sie meinen, ihren Kindern „bieten“ zu müssen. Ich greife also ein paar Recht heraus und beschreibe, was ich mir dazu denke: was sie sind und was sie NICHT sind.
Recht auf Wohlergehen
Wir Eltern haben dafür zu sorgen, dass es den Kindern gut geht, dass wir ihre Interessen berücksichtigen, Kinder ihren Willen haben dürfen und wir auf ihre Bedürfnisse achten. Wohlergehen hat nichts mit Wohlstand zu tun und bedeutet daher nicht ein Recht auf Urlaub in einem sündteuren Kinderhotel, das neueste Eiskönigin-2-Glitzer-Leiberl oder massenweise lärmendes Plastikspielzeug, das sie in der Werbung zu sehen bekommen.
Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung
Kinder brauchen das Spiel, sie brauchen altersgemäße aktive Erholung und die Möglichkeit zur freien Teilnahme an kulturellen und künstlerischen Aktivitäten – die Vertragsstaaten verpflichten sich übrigens dazu, diese Dinge bereitzustellen. Was damit nicht gemeint ist, ist, dass Kinder dauernd zwangsbespaßt werden müssen, dass die Eltern ihre Entertainer sein sollen und gefühlt jede Minute des Tages mit „sinnvollen“ Freizeitaktivitäten gefüllt sein müssen. Es braucht sinnlose Zeit und sinnloses Tun. Das, was wir Erwachsene oft schon verlernt haben oder uns mühsam wieder antrainieren.
Recht auf Zugang zu Informationen & Medien
Kinder wachsen in unserer Kultur mit Massenmedien auf, sie haben auch das Recht auf Zugang zu Informationen und es soll gewährleistet sein, dass sie unterschiedliche, vielfältige, nationale und internationale Inhalte erfahren können.
Das heißt nicht, dass wir unseren Kindern unbegrenzte Nutzung von (digitalen) Medien erlauben sollen, und sie dort ganz sich selbst überlassen. Sie brauchen vielmehr unsere Hilfe bei der Orientierung und Unterstützung bei der Nutzung, sie brauchen unser Interesse für das, was sie dort sehen und hören und Gespräche, um diese Dinge zu verarbeiten. Und (ein ganz persönlicher Grundsatz): Kinder brauchen BÜCHER – auch die gehören zu Medien und sorgen beim (VOR-)Lesen nicht nur für sprachliche Bildung und Entwicklung, sondern auch Beziehung.
Recht auf eigene Meinung & Gleichberechtigung
Kinder – sie werden in Artikel 1 als Menschen bis 18 Jahre beschrieben – dürfen eine eigene Meinung haben, diese auch ausdrücken und weitergeben, vorausgesetzt, sie halten sich an die Gesetze. Dazu gehört auch die Freiheit der Gedanken.
Das bedeutet nicht, wenn ein Kind der Meinung ist, drei mal täglich Fast Food zu essen sei gesund, dass wir nach dieser Meinung handeln müssen. Wir können es, doch das Wichtigste ist, dem Kind diese Meinung zuzugestehen und zu sagen: „Aha, du findest also, das ist so. Du darfst deine Meinung haben.“ Das entbindet uns Eltern nicht von der Verantwortung auf die Gesundheit unserer Kinder zu achten und für eine gute Ernährung zu sorgen.
Recht auf Schutz
Das Recht auf Schutz geht in viele Richtungen: Schutz vor Diskriminierung, vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung oder sexuellem Missbrauch. Die Kinder vor diesen Dingen zu schützen, ist nicht nur für uns Eltern zwingend notwendig, sondern eben auch für die Vertragsstaaten.
Dass Kinder aber unter dem Deckmantel „Sicherheit“ von den Eltern aus oft viele Dinge nicht tun dürfen (Wer klettert noch auf Bäume?), mit dem Auto täglich bis in die Garderobe der jeweiligen Betreuungs- oder Bildungseinrichtung chauffiert werden und überbehütet und überwacht aufwachsen, ist fatal. Wir nehmen ihnen dadurch wichtige Gelegenheiten zu lernen, sich zu beweisen. Wir sollten ihnen wieder mehr zutrauen, zumuten und sie statt zu „bewahren“ lieber „bewähren“ lassen, wie Gerald Koller sagt.
Recht auf Privatsphäre und gewaltfreie Erziehung
Kinder brauchen (fast) von Anfang an erwachsenenfreie Räume. Sie brauchen Möglichkeiten zum Rückzug und zur Entfaltung. Sie brauchen – was gewaltfreie Erziehung angeht – nicht nur das Verzichten auf körperliche Gewalt, sondern auch auf psychische Gewalt. Und da haben wir noch einen langen Weg vor uns. Dass ein Klaps wohin-auch-immer ein NO-GO ist, brauchen wir hier hoffentlich nicht zu besprechen. Doch auch das Beschimpfen, Bestechen, Bedrohen sind gewaltsame Handlungen und gehören nicht an Kindern ausgelebt – egal ob zuhause, in Kindergarten, Schule oder Lehrstelle.
Recht auf Leben
Kinder haben ein angeborenes Recht auf Leben, darauf sich zu entwickeln und zu überleben. Wir dürfen verstehen, dass sie ihr eigenes Leben entfalten möchten, es aus eigener Kraft gestalten und wir sollten ihnen dieses – natürlich altersgemäß und verantwortungsvoll – ermöglichen. Dass das oft auch schmerzhaft für uns Eltern sein kann liegt auf der Hand. Denn Kinder sind oftmals ganz anders als wir selbst, mögen andere Dinge gern, sind individuelle Persönlichkeiten und was uns von uns selbst nicht so vertraut ist, macht schon mal unsicher.
Es ist eine Reise, auf der wir Eltern sie begleiten dürfen. Eine intensive Reise, bei der Pannen vorprogrammiert sind, so wie Verzögerungen, falsche Navigation und Aufenthalten in dürren, wenig fruchtbaren Landstrichen.
Denken wir allerdings immer daran: wir hier sind privilegiert.
Andernorts (und öfter als uns gefällt, auch hier) werden Kinder immer noch missachtet, zwangsverheiratet, geschlagen, unterdrückt, misshandelt, ausgebeutet und vernachlässigt.
Es gibt noch viel zu tun. Gut, dass es die Kinderrechte gibt, die uns dafür ein Leitfaden sein können!
Zunächst einmal möchte ich aber sagen: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein Frauenthema. Es betrifft Väter und Mütter gleichermaßen, auch wenn wir oft von Vereinbarkeit reden und nur die Frauen gemeint sind. Hier geht es um mehr. Es geht um eine gerechte Verteilung von Arbeit jeglicher Art und wie Familien sich das ausmachen können.
Vereinbarkeit als Chance
Beruf und Familie „unter einen Hut“ zu bekommen, kann eine große Chance sein. Wenn in Familien beide Elternteile arbeiten, kommt man unweigerlich in die Diskussion, wie man die Kinderbetreuung regeln möchte, da ja nicht mehr zu jeder Zeit ein Elternteil zur Verfügung steht, wenn man auch außer Haus arbeitet. Es ist nötig, alle zu erledigenden Tätigkeiten und Verantwortungen anzuschauen und dann eine Lösung zu finden, wie man damit umgehen möchte.
Wer sorgt für welchen Teil des Einkommens? Wer sorgt für welchen Teil der Kinderbetreuung? Wer sorgt für welchen Teil des Haushalts?
Die Verhandlungen darüber sind auch hier oft zermürbend, weil gerecht nicht bedeutet „gleich“ und weil das „gerecht“ so schwer festzulegen ist. Jeder in der Familie hat da seinen eigenen Blickwinkel drauf. Dennoch ist es die Chance, die Dinge aufzuwerten, die Frauen generationenlang automatisch und selbstverständlich erledigt haben. Was wir gewinnen können? Eine wertschätzedne Haltung gegenüber „kleinen Handgriffen“.
Zufriedenere Frauen und damit zufriedenere Familien. Mehr Achtung gegenüber der oft auch nicht lustigen Erwerbsarbeit.
Vereinbarkeit als Falle
Wenn es als selbstverständlich angesehen wird, dass beide Elternteile erwerbstätig sind und gleichzeitig Verhandlungen um die gerechte Verteilung der restlichen Arbeit in Familien ausbleiben, kann diese Thema auch zu einer Falle werden. Ich erlebe in Beratungen und in meinem Umfeld oft Frauen (ja, leider sind das hier hauprsächlich Frauen), die darunter leiden, die überwiegende Last der Care- und Haushaltsarbeit zu tragen und nebenbei auch erwerbstätig sind. Manchmal werden Frauen gedrängt, doch endlich „mehr Stunden“ zu arbeiten, man müsse doch an die eigene Pension und die finanzielle Unabhängigkeit denken, außerdem: was macht man denn bitte sonst den ganzen Tag daheim, wenn die Kinder in Betreuung sind.
Bei solchen Sätzen dreht sich mir oft der gesamte Mageninhalt um, weil es nur zeigt, wie wenig diese Personen von dem wissen, was Frauen leisten und wie sehr sie damit Druck ausüben. Nicht selten fühlt man sich dann tatsächlich „minderwertig“ und geringgeschätzt, weil ja andere dieses Kunststück scheinbar mühelos vollbringen. Da sitzt man dann in der Falle und spürt nur: „… ich mach doch alles Menschenmögliche und das ist immer noch nicht genug.“
Ob und wie Vereinbarkeit in Familien gelebt wird und gelebt werden kann, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.
Wie viel Freude macht uns unsere Arbeit? Wie viel Unterstützung bekommen wir? Wie notwendig ist mein Beitrag zum Familieneinkommen? Wie flexibel ist mein Dienstgeber? Wie sind unsere Ressourcen in punkto Kinderbetreuung? Wie alt sind unsere Kinder?
Ich bin privilegiert. Ich mache eine Erwerbsarbeit, die mir total viel Spaß macht, bei der ich meine Stärken ausleben kann, ich bin nicht hauptverantwortlich für das Familieneinkommen, ich hab mit Menschen zu tun, kann kreativ sein und meine Ideen in meinen Workshops umsetzen, befasse mich mit Themen, die mich berühren und begeistern und darüber hinaus kann ich mir auch noch meine Zeit als Beraterin, Coach und Vortragende ziemlich frei einteilen.
Vereinbarkeit ist für mich genau deshalb überhaupt lebbar: weil ich flexibel sein kann, meine eigene Chefin bin und meine berufliche Tätigkeit so ausrichte, wie es für mich und meine Familie passt. Ich kenne auch die andere Seite.
Bevor ich als psychologische Beraterin mein Business gegründet hab, war ich als Pädagogin angestellt, hatte fixe Arbeitszeiten, konnte keinen Urlaubstag frei wählen und musste zur Arbeit IMMER außer Haus. Obwohl ich damals viel weniger gearbeitet hab, war die Situation massiv schwieriger und komplizierter zu organisieren. Ich hab damit aufgehört, weil ich mich selbst verheizt hab und auch unsere Kinder darunter gelitten haben. Und das wegen „nur“ 10 Wochenstunden.
Ich weiß also, welche Faktoren förderlich sein können und welche hinderlich. Zumindest in unserem Fall. Und darum geht es VOR ALLEM: darum, dass es für UNS passt.
Dieses „PASST“ ist bei jeder Familie anders und wir dürfen uns bemühen, das jeweilig Andere zu akzeptieren und uns gegenseitig – wenn gewünscht – Erfahrungen zum Austausch anbieten, damit wir nicht alle die gleichen Fehler machen müssen. Obwohl man durch Fehler lernt und sich weiter entwickelt und vielleicht, irgendwann …. zu einem Vereinbarkeitsmodell kommt, oder je nach Lebensabschnitt verschiedenen Vereinbarkeitsmodellen kommt, die dann doch „passen“!
Wie lebt ihr in der Familie die Aufteilung von Arbeit? Erzähl doch mal ….
In diesen Tagen versammeln wir uns auf Friedhöfen und Grabstätten, wo diejenigen ruhen, die uns schon vorausgegangen sind. In den meisten Fällen werden diese Plätze auch vorher schön hergerichtet und geschmückt, wohl auch damit man während der oft länger dauernden Allerheiligen Prozedur nicht auf ein verwahrslostes Grab starren muss.
Ich geb’s zu. Ich bin nicht der größte Fan vom Friedhof gehen. Ich mag zwar die Stille dort (wenn grad nicht Allerheiligen ist) und lese auch gern, was auf Grabsteinen steht, doch es zieht mich nicht unbedingt dorthin, wo die leiblichen Reste meiner Verwandten liegen, um ihnen nah sein zu können. Darum schreib ich heute darüber, welche drei Wege ich persönlich gehe (öfter als einmal im Jahr) um diejenigen zu ehren, die mir schon vorausgegangen sind.
Denn: die Heiligen und Seelen zu ehren ist mehr, als einmal im Jahr eine Stunde am Friedhof zu stehen.
Geschichten erzählen
Wir ehren die Verstorbenen vor allem dadurch, dass wir sie in Erinnerung behalten, dass wir von ihnen reden, uns Geschichten von ihnen erzählen. Wenn wir FOtos und Videos von ihnen ansehen und uns an gemeinsam erlebtes erinnern. Wenn ich daran denke, wie sich Oma einmal zu Ostern mit meinem Schwager ein Schnapsduell geliefert hat (und gewonnen hat – sorry, David!). Wie Opa bei einer Familienfeier in seiner fortgeschrittenen Demenz dieser netten Frau neben ihm (es war seine langjährige Frau, unsere Oma) einen Heiratsantrag gemacht hat und uns alle darüber abstimmen hat lassen (er war jahrelang Bürgermeister, das hat sich halt eingeprägt). Er war nach über 60 Jahren Ehe immer noch verliebt in sie – und wusste nur nicht mehr, dass er schon längstens mit ihr verheiratet ist. Wie in dem Film „Coco, lebendiger als das Leben“ (ja, wir sind unheilbare Disney Fans) über den mexikanischen „Tag der Toten“ (Día de los Muertos) geschildert wird, sterben unsere Lieben erst, wenn niemand mehr an sie denkt. Also: lassen wir sie leben in unseren Geschichten und Erinnerungen. Das kann man auch prima nach dem Allerheiligen-Ritual am Friedhof machen. Und sowieso an jedem Tag des Jahres.
Es ihnen Ähnlich tun
Wenn ich mich in meinem erwachsenen Leben betrachte, merke ich, wie viel von meinen Vorfahren auch in mir versteckt ist. Mein politisches Interesse hat bestimmt mit der intensiven politischen Tätigkeit meines Opas (und meines Papas) zu tun und wenn ich mich heute für Politik interessiere ist es auch ein bisschen ihnen zu Ehren. Wenn ich mich im Garten beschäftige, sehe ich meine Oma, die ihren Garten immer geliebt hat, auch bei mir noch so viel geholfen hat, als es noch körperlich möglich war und wünsche mir oft mehr von ihrem grünen Daumen. Wenn ich Lektorendienst in der Kirche hab, habe ich immer meine Oma im Herzen dabei, die unzählbare Stunden – nicht nur vorlesend – in der und für die Kirche geopfert hat, für uns alle gebetet hat und in ihrem Glauben Halt fand. Wenn ich stricke oder häkle, lächle ich, und denke an Oma, die es wahrscheinlich ähnlich beruhigend fand, mit den Händen einfache Tätigkeiten zu verrichten. Wenn ich auf einen Berg gehe, denke ich praktisch jedes Mal an meinen Cousin, der mit 17 Jahren tödlich am Berg verunglückt ist und mir wird bewusst, dass es in jedem Moment vorbei sein könnte mit dem Leben. Dieser Gedanke macht mich demütig und dankbar. Wenn wir in unserem Leben also Facetten entdecken, die uns an liebe Verstorbene erinnern, ist das wie ein kleines Zeichen, dass sie durch uns und in uns weiterleben. Weil wir es ihnen Ähnlich tun. Und sie dadurch ehren.
Das eigene Leben leben
Es gibt einen Satz, der mich immer noch zu Tränen rührt, wenn ich an die letzten Jahre meiner Großeltern denke. Wenn ich mir wieder mal Zeit genommen hab, bei ihnen zu sitzen und mit ihnen zu plaudern (was im Angesicht ihrer Demenz zunehmend herausfordernd war), war es manchmal mühsam, manchmal humorvoll und öfters ergreifend.
„Sitz doch nicht hier herum, geh‘ und lebe dein Leben!“ Diesen Satz von meiner Oma werd ich so schnell nicht vergessen. Natürlich ist es auch wichtig, die alternden Personen nicht allein zu lassen. Doch klarer hätte sie es nicht sagen können, was sie sich von uns wünscht:
Dass wir das eigene Leben LEBEN. Etwas daraus machen. Mitgestalten wollen. Uns interessieren. Einbringen. Am Leben teilnehmen. Und es genießen.
So lange es (noch) geht.
Und das mache ich. WIR ALLE ehren unsere Verstorbenen auch …
… mit jedem Moment des Glücks. … mit jedem guten Essen, das wir genießen. … mit jedem getanzten Schritt. … mit jeder belebten Erinnerung. … mit jedem Gipfelsieg auf einem Berg. … mit jeder politischen Diskussion. … mit jedem Fehler für den wir uns noch entschuldigen können. … mit jedem Glas Wein, das wir auf sie trinken. … mit jedem Besuch an ihrem Grab. … mit jedem Tag, den wir leben und dafür dankbar sind.
Wie ehrst du deine Lieben, die dir schon vorausgegangen sind?
#1Claudia Huber (Donnerstag, 31 Oktober 2019 16:09)Hallo Kerstin, ich sage immer und schon lange solange ich von meinen Eltern, Großeltern und Verwandten Geschichten erzählen kann und sie in Gesprächen ehre sind sie für mich nicht gestorben!
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